Aufspaltung: Kann E.On alleine überleben?

Aufspaltung: Kann E.On alleine überleben?

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Der Eon-Schriftzug an der Außenfassade der Eon-Ruhrgaszentrale in Essen.

von Christof Schürmann

E.On teilt sich in wenigen Wochen auf, 2016 geht Uniper an den Start. Ob die neue E.On überlebensfähig sein wird, ist zweifelhaft – weil der Konzern in den vergangenen Jahren zwei Drittel seines Kapitals verloren hat.

Eine dramatische Lage lässt sich an vielen Indizien erkennen oder auch nur an einer Zahl. Bei E.On ist diese Zahl das Eigenkapital. Ende 2007 konnte der Essener Energiekonzern da noch stolze 55,1 Milliarden Euro vorweisen. Seit Mittwoch wissen Aktionäre, die um ihr Kapital bangen, und Arbeitnehmer, die um ihren Job fürchten: Davon ist nur noch ein gutes Drittel übrig ist, nämlich 20,2 Milliarden Euro.

Der Anteil am Gesamtkapital beträgt damit nur noch 18 Prozent. Für die kapitalintensiven Geschäfte mit Kraftwerken und Stromnetzen ist das viel zu wenig. 40 Prozent wie Ende 2007 wären auskömmlich. Um zu überleben, will sich der Dax-Konzern in wenigen Wochen aufspalten.

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„Wir gehen mit der operativen Trennung der Aktivitäten auf die Zielgerade“, sagt Vorstandschef Johannes Teyssen. Unter dem Namen E.On wird von 2016 an vom Hauptsitz Essen aus das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Kundenlösungen weltweit mit 43 000 Mitarbeitern gesteuert. Der neue E.On-Konzern wird auch weiter, anders als ursprünglich geplant, das Altgeschäft mit der Kernenergie verantworten. Diese Einheit wird künftig einer gesonderten operativen Einheit namens PreussenElektra mit Sitz in Hannover übertragen.

Milliarden-Abschreibungen lasten auf der Bilanz

Abgespalten vom aktuellen E.On-Konzern wird das künftig selbstständige Unternehmen Uniper mit Sitz in Düsseldorf. Dort versammeln sich zum 1. Januar 2016 die europäische und internationale Stromerzeugung sowie der globale Energiehandel mit 14 000 Mitarbeitern.

Die künftige E.On-Struktur

  • Aufspaltung

    E.On will das Geschäft mit der Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken sowie der Energiehandel 2016 mehrheitlich an die eigenen Aktionäre verschenk und an die Börse bringen. Die übrigen Anteile will E.On danach in kleineren Schritten über die Börse verkaufen. Der verbleibende Konzern besteht dann eigenen Angaben zufolge mit insgesamt 40.000 Mitarbeitern und 33 Millionen Kunden aus den drei Säulen: Erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen.

    Quelle: Nachrichtenagentur Reuters (Stand: Dezember 2014)

  • Erneuerbare Energien

    Im Bereich Erneuerbare Energien steht E.On nach eigener Einschätzung weltweit auf Platz drei der Offshore-Windkraftbetreiber. In europäischen Gewässern betreibt E.On Anlagen mit einer Kapazität von 0,7 Gigawatt (GW). An Land betreibt der Versorger derzeit Windparks mit einer installierten Kapazität von 3,6 GW, davon 1,1 GW in Europa und 2,5 GW in den USA. Vorstandschef Johannes Teyssen kündigte an, im Zuge der Neuausrichtung das Solargeschäft auszubauen. Die Wasserkraftwerke sollen dagegen mit den Atom- und Kohlekraftwerken in die neue Gesellschaft ausgegliedert werden. 2013 setzte E.On im Bereich Erneuerbare Energien mit rund 1700 Mitarbeitern 2,436 Milliarden Euro um, das Ebitda belief sich auf 1,431 Milliarden Euro.

  • Energienetze

    E.On verfügt über mehr als eine Million Kilometer Stromnetze, davon 411.000 Kilometer in Deutschland, 136.000 in Schweden, 314.000 im übrigen Europa und 200.000 Kilometer in der Türkei. Neben Investitionen ins Netz plant Teyssen Zukäufe in ausgewählten Regionen.

  • Kundenlösungen

    Der Geschäftsbereich Kundenlösungen umfasst rund 33 Millionen Kunden, 7,7 Millionen in Großbritannien, 6,1 Millionen in Deutschland, 10,4 Millionen im übrigen Europa und neun Millionen in der Türkei. E.On will durch die Modernisierung seiner Netze den Kunden künftig neue Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema Energieeffizienz und dezentrale Erzeugung liefern.

  • Neue Gesellschaft

    Bei den ausgegliederten Geschäftsteilen - Stromerzeugung aus Atom-, Kohle- und Gaskraftwerken sowie der Energiehandel - werden künftig noch 20.000 Mitarbeiter beschäftigt sein. Das Ebitda auf Basis von 2013 beträgt gut vier Milliarden Euro.

Mit Schwung werden die Gesellschaften nicht ins neue Jahr gehen. 8,3 Milliarden Euro schrieb E.On im Sommerquartal ab, sieben Milliarden Euro Verlust fielen an. Der Großteil resultiert aus Abwertungen zu teuer übernommener Firmen, deren Überbezahlung sich in der Vermögensposition Goodwill niederschlägt. Zu vermuten steht, dass ohne die Abwertung eine Abtrennung von Uniper nicht möglich wäre. Um 5,3 Milliarden Euro schrumpfte der Goodwill seit Ende 2014 und riss das Eigenkapital in die Tiefe.

Damit ist das Ende des Eigenkapitalverzehrs aber nicht unbedingt erreicht. „Wir haben keine Glaskugel. Wir haben nach heutigem Kenntnisstand abgewertet“, sagt E.On-Finanzchef Michael Sen. Trotz der Megaabwertung steht noch immer ein Goodwill von 6,5 Milliarden in der Bilanz.

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Sen schätzt, dass E.On im vierten Quartal noch einmal „500 Millionen Euro“ an Abschreibungen verkraften muss. Auch im wenig beachteten Gutachten, das Warth&Klein Grant Thornton für das Bundeswirtschaftsministerium erstellte, steckt Brisanz. Die Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer sollten klären, ob die Rückstellungen der Energiekonzerne reichen, um die Folgekosten der Atomkraft zu tragen. Schon im mittleren Szenario mit weiterhin niedrigen Zinsen und moderaten Kostensteigerungen für AKW-Rückbau und Endlagerung müsste E.On rechnerisch weitere knapp 12,7 Milliarden Euro reservieren, aus dem Eigenkapital. Dann blieben noch 7,5 Milliarden übrig, die schnell durch weitere Abschreibungen, etwa auf den Goodwill, weg sein könnten.

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E.On alt und möglicherweise auch E.On neu stünde dann nackt da, der Steuerzahler müsste bangen. „Staat und Unternehmen sind gemeinsam in die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland eingestiegen, und sie tragen jetzt auch eine gemeinsame Verantwortung für den Ausstieg“, orakelt E.On-Chef Teyssen.

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