Bau riesiger Kraftwerke: E.Ons riskante Experimente im Ausland

Bau riesiger Kraftwerke: E.Ons riskante Experimente im Ausland

von Andreas Wildhagen

Im Ausland probiert Konzernchef Johannes Teyssen, was ihm in Deutschland verwehrt ist oder sich nicht rentiert. Doch die Partner verlangen Geld, und ihre Expansionspläne sind riskant.

In der VIP-Loge auf Schalke hat schon so mancher Energiemanager gesessen, oft vom russischen Gazprom-Konzern, der den Fußballbundesligisten sponsert. Vor einigen Wochen gaben sich aber zwei besondere Branchenspitzen die Hand: E.On-Chef Johannes Teyssen und Güler Sabanci, die Chefin des steinreichen türkischen Industriellenclans Sabanci aus Istanbul.

Die beiden verfolgten mit Spannung das Spiel Schalke 04 gegen Galatasaray Istanbul. Die Türken gewannen, und Sabanci sah wieder einmal eine ihrer Lebenserfahrungen bestätigt: Man kann gegen die Deutschen gewinnen, wenn man nur hart und fantasievoll kämpft.

Anzeige

Aber auch der E.On-Chef war zufrieden. Die gute Stimmung von Sabanci, die deutschen Industriellen durch ihre Mitgliedschaft im Siemens-Aufsichtsrat bekannt ist, war nach einem spröden Gespräch über Kraftwerke und Investitionspläne in der Düsseldorfer E.On-Zentrale bester Stimmung.

Und die braucht Teyssen, der sich seit einigen Monaten nicht mehr als distanzierter Konzernherr, sondern gern als zugänglicher Partner präsentiert. Denn die Zukunft von E.On liegt außerhalb Deutschlands, in Schwellenländern wie Brasilien und der Türkei.

Dort muss Teyssen punkten, denn dort ist der Energiehunger noch groß und die Bedenkenträger gegen große Kraftwerksbauten und Emissionen sind nicht so dominant wie in Deutschland. Deswegen genießt Teyssen den Umgang mit Vollblutunternehmern aus Schwellenländern, die beherzt Kraftwerke bauen und damit ganz nach seinem Geschmack handeln. Mit ihnen zusammen will Teyssen seine E.On aus der lähmenden Krise der deutschen Energiewende hinüberretten und wieder expandieren.

Aktien-Info E.On

Klicken Sie auf die Grafik, um eine vergrößerte Ansicht zu erhalten

In Deutschland aber, wenn er Reden vor deutschen Managern hält, schlägt Teyssen Molltöne an. Vor allem die Braunkohle verdammt er dann und kritisiert die niedrigen Preise der CO2-Emissionszertifikate. Diese führten dazu, dass schmutzige Braunkohlemeiler unter Volllast laufen, saubere Atom- und Gaskraftwerke dagegen abgeschaltet würden. Das torpediere das Ziel der Kohlendioxidminderung, warnt Teyssen in treuherzigem Ton.

Heimische Auftritte als düsterer Skeptiker passen nicht zu seiner neuen Strategie. Denn der geschmeidige Jurist ist dabei, außerhalb Deutschlands alles zu probieren, was sich für E.On hier nicht mehr lohnt oder dem Konzern hierzulande verwehrt ist. So plant E.On, wie die WirtschaftsWoche aus Konzernkreisen erfuhr:

  • den Bau eines Braunkohlekraftwerks mit einer Leistung von 450 Megawatt – knapp halb so viel wie ein Atommeiler – in Tufanbeyli in der Südtürkei,
  • die Errichtung von Gas- und Steinkohlekraftwerken unter anderem in Brasilien,
  • die Aufkündigung der mehr als 20 Jahre laufenden Lieferverträge für Erdgas mit dem russischen Giganten Gazprom, um sich auf den Handel mit kurzfristigen Spotmarkt-Lieferungen zu konzentrieren.
Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%