ThemaEnergieversorger

alles zum Thema
_

Betrugsfälle: Anklage gegen Ex-Teldafax-Chefs erhoben

Die Staatsanwaltschaft hat drei verantwortliche Manager des ehemaligen Billigstromanbieters Teldafax angeklagt. Ihnen wird Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßiger Betrug in 241 Fällen vorgeworfen.

Piech und Porsche im Visier

Die juristischen Nachwehen des Machtkampfes zwischen Porsche und VW treffen nun auch die Spitzen des bekanntesten deutschen Autoclans: Die Staatsanwälte in Stuttgart haben neuerdings Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche (beide Foto) im Visier. Die Ermittlungen erfassen den kompletten früheren Aufsichtsrat der Porsche-Dachgesellschaft PSE. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen alle Mitglieder des Gremiums, die zur heißen Phase des Machtkampfes 2008/2009 als Kontrolleure der PSE beteiligt waren. Grund sei der Verdacht auf Beihilfe zur Marktmanipulation, mit der Anleger womöglich getäuscht worden seien.
Laut Geschäftsbericht mit Stand Ende Juli 2008 gehörten damals außerdem Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dazu sowie Hans Baur, Ulrich Lehner, Wolfgang Leimgruber, Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche, Hans-Peter Porsche, Hansjörg Schmierer, Walter Uhl und Werner Weresch. Zudem nimmt die Behörde einen weiteren damaligen Porsche-Manager ins Visier: Auch gegen den Ex-Unternehmenssprecher Anton Hunger wird wegen desselben Verdachts ermittelt.
Hintergrund ist der spektakulär gescheiterte Versuch von Porsche, die Macht beim wesentlich größeren VW-Konzern zu übernehmen. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass damals Anleger und Finanzwelt gezielt hinters Licht geführt wurden, als 2008/2009 die heiße Phase der Übernahmeschlacht tobte. In diesem Zusammenhang laufen bereits Klagen gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den Ex-Finanzvorstand Holger Härter...

Bild: dapd

Die Pleite des ehemaligen Energiediscounters Teldafax hat jetzt auch strafrechtliche Folgen: Gegen drei frühere Top-Manager des Unternehmens hat die Staatsanwaltschaft Bonn am Freitag Anklage erhoben. Den beiden Ex-Vorstandschefs Klaus Bath und Gernot Koch sowie Firmengründer Michael Josten werfen die Ermittler Insolvenzverschleppung und gewerbsmäßigen Betrug in 241 Fällen vor. Das teilte die Behörde am Freitag mit. Von den Betroffenen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Anzeige

Die Teldafax Holding war nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft spätestens Mitte 2009 zahlungsunfähig und überschuldet. Teldafax hatte aber erst zwei Jahre später, im Juni 2011, Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Im September des gleichen Jahres wurde vom Amtsgericht Bonn das Insolvenzverfahren eröffnet. Außerdem hätten es die Angeschuldigten versäumt, Bilanzen des Vermögens für die Jahre 2008 bis 2010 aufzustellen. Die Buchhaltung habe in „keinster Weise den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung“ entsprochen, monierten die Ermittler. In besonders schweren Fällen kann nach dem Strafgesetzbuch ein Bankrott mit Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren bestraft werden.

Schulden von rund 500.000 Euro

Mit rund 700.000 Gläubigern ist die Pleite des Unternehmens aus Troisdorf bei Bonn der Firmenzusammenbruch in Deutschland mit den meisten Betroffenen. Der Stromversorger war durch seine Strategie, mit günstigen Vorkassetarifen und Niedrigpreisen Konkurrenten auszustechen, in die Bredouille geraten. Es sei nur darum gegangen, viele neue Kunden zu gewinnen, erklärte Insolvenzverwalter Biner Bähr im Herbst 2011 auf der Gläubigerversammlung.

Weitere Artikel

Energie wurde billiger verkauft als eingekauft - eine Strategie, die am Ende nicht aufgehen konnte. Von Beginn an hätten die Vorstände eine verschlechterte Finanzierungsstruktur in Kauf genommen, hieß es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft weiter. Nach Einschätzung des Insolvenzverwalters vom November 2011 könnten sich die Schulden von Teldafax am Ende des Verfahrens auf eine halbe Milliarde Euro belaufen. Ein Ende des Verfahrens ist derzeit nicht absehbar. Im November vergangenen Jahres war Vorstands-Chef Gernot Koch von einem Amtsgericht in Niedersachsen zu einer Schadensersatzzahlung von 549,17 Euro verurteilt worden. Das war der erste Fall, in dem ein ehemaliger Vorstandschef von Teldafax persönlich für den Schaden eines geprellten Kunden haftbar gemacht wurde.

weitere Fotostrecken

Blogs

Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20
Was die Bahn bewegte: Rückblick auf die Wochen 19+20

Die zwei zurückliegenden Wochen haben gezeigt: Billigstrategien im Fernverkehr gehen auf. Auf der Straße feiert...

    Folgen Sie uns im Social Web

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche Shop

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.