Bilanzmanipulation bei Windparkentwickler: Staatsanwaltschaft nimmt Windreich hoch

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Bilanzmanipulation bei Windparkentwickler: Staatsanwaltschaft nimmt Windreich hoch

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Bis 2011 kann Willi Balz selbst Kritiker von sich und der Windreich AG überzeugen. Doch dann wachsen ihm die Projekte über den Kopf

von Melanie Bergermann, Mario Brück, Annina Reimann und Florian Zerfaß

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Führungskräfte des Windparkentwicklers. Im Zentrum sollen Geschäfte stehen, die Windreich-Chef Willi Balz mit sich selbst gemacht hat.

Horst Ludwig wollte zwei Dinge auf einmal: seine Rente sichern und die Energiewende vorantreiben. Stundenlang hat der 73-Jährige aus Mönchengladbach über den Broschüren und dem Anleiheprospekt des Windanlagenbauers Windreich AG gehockt, Zahl für Zahl studiert und dann „grundüberzeugt“ 100.000 Euro – den Großteil seiner Altersvorsorge – in die Anleihe des Unternehmens gesteckt.

Bei Windreich, so dachten wohl viele Anleger, passt einfach alles. Das Unternehmen ist in einem Wachstumsmarkt aktiv, die Zahlen schienen solide. Der Chef Willi Balz ist nicht nur ein charismatischer Typ, sondern bürgt auch mit einem Teil seines Vermögens für Windreich. Und dann stand mit Walter Döring, dem ehemaligen baden-württembergischen Wirtschaftsminister sowie Ex-Telekom-Vorstand Karl-Gerhard Eick auch noch jede Menge Prominenz im Dienste der Windreich. Zuletzt kam noch TV-Moderatorin Sabine Christiansen als Aufsichtsrätin hinzu. Das weckte Vertrauen.

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Umso größer war der Schock bei den Windreich-Gläubigern, als vergangene Woche bekannt wurde, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Balz und andere Windreich-Manager unter anderem wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation ermittelt. Balz sagt gegenüber der WirtschaftsWoche, dass an den Vorwürfen nichts dran sei.

Welche Offshore-Windparks den Netzanschluss bekommen oder warten müssen

  • Bard Offshore 1

    Der Windpark von Projektierer BARD wird als einiger der wenigen termingerecht ans Netz gehen.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Borkum Riffgat

    Der verhältnismäßig kleine Windpark von Projektierer EWE/Enova soll termingerecht ans Netz angeschlossen werden können.

    Leistung: 108 Megawatt

  • MEG 1

    MEG 1 ist einer von drei Windreich-Projekten. Der Windpark soll termingerecht seinen Netzanschluss bekommen.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Global Tech 1

    Der Windpark ist bereits in Bau und geht dank eines Interimsanschlusses termingerecht ans Netz.
    Projektierer: Windreich
    Leistung: 400 Megawatt

  • Deutsche Bucht

    Ebenfalls dank Interimsanschluss geht der dritte Windreich-Park "Deutsche Bucht" termingerecht ans Netz.

    Leistung: 273 Megawatt

  • Veja Mate

    Der Park von Projektierer BARD bekommt einen Interimsanschluss. Geht aber mit ca. 12 Monaten Verspätung ans Netz.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Borkum West 2

    Der Windpark von Trianel befindet sich im Bau. Auf den Netzanschluss müssen die Betreiber rund 6 Monate warten.

    Leistung: 400 Megawatt

  • Dan Tysk

    Der Vattenfall-Windpark muss sechs Monate auf seinen Netzanschluss warten.

    Leistung: 288 Megawatt.

  • Butendiek

    Die Mühlen von Projektierer wpd gehen ebenfalls mit rund sechs Monaten Verspätung ans Netz.

    Leistung: 288 Megawatt

  • Borkum Riffgrund 1

    Der Park von Projektierer Dong muss ein halbes Jahr auf den Netzanschluss warten.

    Leistung: 277 Megawatt

  • Meerwind Süd/Ost

    Der Windpark befindet sich im Bau.
    Verzögerung beim Netzanschluss: rund 12 Monate
    Projektierer: Wind MW
    Leistung: 288 Megawatt

  • Nordergründe

    Verzögerung beim Netzanschluss: ca. 12 Monate
    Projektierer: Energiekontor
    Leistung: 111 Megawatt

  • Nordsee Ost

    Der Windpark befindet sich im Bau.
    Verzögerung beim Netzanschluss: mehr als 12 Monate

    Projektierer: RWE
    Leistung: 295 Megawatt

  • Baltic 2

    Der Windpark befindet sich im Bau.
    Verzögerung beim Netzanschluss: mehr als 12 Monate
    Projektierer: EnBW
    Leistung: 288 Megawatt

  • Amrumbank West

    Verzögerung beim Netzanschluss: mehr als 12 Monate
    Projektierer: E.On
    Leistung: 288 Megawatt

Nach Informationen der WirtschaftsWoche stehen im Zentrum der Ermittlungen Projekte, die Windreich an Privatgesellschaften von Gründer Balz verkauft hat. Ein Großteil des Konzernumsatzes 2011 beruht auf solchen Geschäften.

Ob Windreich die Krise überlebt, ist unklar. Nach Informationen der WirtschaftsWoche musste sich das ohnehin schon überschuldete Unternehmen zuletzt nochmals Geld leihen, um seine laufenden Kosten zu bestreiten. Das Ermittlungsverfahren zerstört nun den letzten Rest Vertrauen der Investoren.

Dabei gibt es noch Hoffnung: Die Verhandlungen über den Verkauf eines großen Windparkprojekts in der Nordsee stehen nach Informationen der WirtschaftsWoche vor dem Abschluss. Der zu erwartende Geldsegen könnte Windreich eine Verschnaufpause verschaffen.

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