Bilanzpressekonferenz: Eon verzweifelt an Deutschland

Bilanzpressekonferenz: Eon verzweifelt an Deutschland

von Andreas Wildhagen

Es sieht nicht gut aus für Eon: Gewinne in Russland, Null-Profit im Neuinvestitionsland Brasilien, Frust über die Energiepolitik in Berlin. Doch nicht die Krim-Krise macht Eon Angst, sondern Deutschland.

„Es gibt keine Grundlage dafür“, sagt Eon-Chef Johannes Teyssen auf die Frage, ob er Enteignungen bei Eon Russia erwartet. Die Bilanzpressekonferenz von Eon stand ganz im Zeichen des Krim-Konflikts, obwohl der Vorstand klar machte, dass er sich zur Politik nicht äußern will. Aber das Russland-Geschäft, das noch von Teyssen-Vorgänger Wulf Bernotat mit dem Kauf von Teilen des russischen Kraftwerkparkes OGK-4 angeschoben wurde, trägt mitten im Ost-West-Konfikt um Krim und Ukraine frühlingshafte Blüten:

Einen Gewinn (Ebitda) von 700 Millionen Euro strich Eon aus dem Russland-Geschäft ein, das wegen des schwachen Rubel um sechs Prozent gesunken ist. Aber solche Währungsschwankungen gehören zum Geschäft. Das Russland-Geschäft macht Freude. Eine Konfiszierung des Eon-Eigentums als Antwort auf Russland-Embargos, die von den USA gefordert werden, fürchtet Teyssen offenbar nicht, setzt aber noch einen drauf: Einen „Enteignungsprozess sehe ich eher woanders, nämlich in Deutschland“, giftet er und drückt damit seine Frust über die Energiewende aus, die ihn zum Abschalten seiner ehedem so profitablen Kernkraftwerke zwingt. Für Rhetor Teyssen war die Frage nach Enteignungsängsten Russland eher eine Vorlage für eine Pointe, die einmal wieder auf die ungeliebte Energiepolitik zielte.

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Energiekonzern E.On erwartet weitere Einbußen

Die Energiewende macht E.On zu schaffen: Der Energiekonzern hat 2013 weniger verdient. Die Dividende wird kräftig gekürzt. Bei den Anlegern kamen die Zahlen trotzdem gut an - sie hatten Schlimmeres erwartet.

Quelle: dpa

Wirklich Grund für schlechte Stimmung hat der Eon-Chef allerdings nicht, denn sein Unternehmen erzielt im Gegensatz zum Erzrivaten RWE noch einen Nettogewinn von zwei Milliarden Euro. RWE dagegen verbuchte wegen hoher Abschreibungen auf schlecht laufende konventionelle Kraftwerke einen Verlust in Höhe von 2,76 Milliarden Euro. Sowohl Teyssen als auch Terium präsentierten ihre Zahlen in haushohen Hallen, Teyssen in der Glashalle der Konzernzentrale in Düsseldorf, Terium in einem zehn Meter hohen Raum in der Essener Philharmonie. Reiner Zufall: Die Bühne der beiden Energiemanager war unterschiedlich illuminiert. Die riesigen Fensterfronten beider Hallen war mit gewaltigen Vorhängen in ganzer Breite und Höhe verhüllt. Bei Eon war es ein schwarzer, bei RWE ein altrosa Vorhang, die beiden Szenerien etwas Bühnenhaftes gaben.

E.On nach 2,5 Jahren Energiewende

  • Umsatz

    E.On hat seinen Umsatz zwischen 2011 und 2012 von 113 Milliarden Euro auf 132 Milliarden Euro gesteigert. Nach den ersten neun Monaten 2013 liegt der Umsatz bei 89 Milliarden Euro - fünf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

  • Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen

    Das Ebitda sankt von 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 10,8 Milliarden Euro im Jahr 2012 ab, 2011 war er auf 9,3 Milliarden abgesackt. Nach den ersten neun Monaten 2013 ist der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 7,12 Milliarden Euro gefallen.

  • Prognose Nettoüberschuss

    Der Nettoüberschuss soll zum Geschäftsjahresende zwischen 2,2 und 2,4 Milliarden Euro liegen. Zuvor hatte E.On 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro angepeilt. Von Januar bis Ende September brach dieser Wert um 53 Prozent auf 1,91 Milliarden Euro ein

Das Theater, das darauf gespielt wurde, zielte in Richtung Tragödie Energiewende, die nicht nur die Atomkraftwerke abschaltet, sondern auch Kohle- und Gaskraftwerke durch Ökostrom ausbremst und damit unprofitabel macht. Wegen der Konkurrenz des Ökostroms sank der operative Gewinn des Erzeugungsgeschäfts um 14 Prozent auf 9, 3 Milliarden Euro. Beide, Terium und Teyssen, glauben an ein Happy End des Ausbrems- und Abschaltdesasters: Es heißt „Kapazitätsmarkt“ und in diesem glücklichen Exit aus einem Alptraum werden Kraftwerke mit Hilfe eines Umlagesystems auch dann bezahlt, wenn sie nicht laufen. „Man muss eben unterscheiden zwischen Arbeit und Leistung“, doziert Teyssen. Ein stillstehendes Kraftwerke kann über eine Umlage nach verfügbarer Leistung bezahlt werden, nicht nach tatsächlichem Betrieb. „Leistung muss sich wieder lohnen“, witzelte vor kurzem ein Energiemanager aus dem Ruhrgebiet.

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