
Eigentlich ein Grund zum Jubeln für die Autofahrer: Sommerzeit, Schulferien stehen an – und die Mineralölkonzerne vermelden sinkende Benzinpreise. Das kennen Tankstellenbesucher eher umgekehrt. Derzeit kostet Superbenzin E10 mit 1,58 Euro pro Liter rund sechs Prozent weniger als zu Zeiten der Preisrekorde im April. Der Dieselpreis ist sogar um sieben Prozent auf 1,43 Euro gefallen, wie die Mineralölindustrie in der vorigen Woche mitteilte. Solche Nachrichten nutzt die weithin verhasste Branche, um mit vermeintlichen Vorurteilen aufzuräumen: „Der Benzinpreis ist nicht von der Ferienzeit abhängig, sondern folgt der Entwicklung am Weltmarkt für Rohprodukte“, sagte etwa Aral-Sprecher Detlef Brandenburg.
Das sehen Autofahrer anders. Denn der Benzinpreis ist noch immer hoch. Zwar sind die Rohölpreise um 25 Prozent eingebrochen, aber beim Verbraucher an der Tankstelle kommt nur ein Bruchteil dessen an. Aktuell kostet ein Barrel Öl der Sorte Brent um die 96,58 US-Dollar. Noch im März lag der Preis bei 128 Dollar. Warum kommt dieser Preisrückgang nicht auch an der Zapfsäule an?
Dass die Benzinpreise deutlich weniger gesunken sind, liegt am schwachen Euro, erklärt Karin Retzlaff, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands: „Das Rohöl wird in US-Dollar gehandelt, wir bezahlen aber in Euro. Und zur Zeit müssen wir mehr Euro für das Öl zahlen als üblich, da der Wechselkurs so hoch ist.“
Bild: dpaAutofahrer sollten Schnäppchen an den Tankstellen wahrnehmen – und zugreifen, auch wenn der Tank erst halb leer ist. Einmal in der Woche veröffentlicht der ADAC den durchschnittlichen Spritpreis. Bei den momentan starken Schwankungen bietet der Mittelwert Orientierungshilfe für Verbraucher – sie können mit seiner Hilfe besser einschätzen, was teuer und was billig ist.
Bild: dpaTipp 1: Autofahrer sollten vermeiden, während einer Reisewelle zu tanken. Wer etwa am ersten Tag der Sommerferien mit dem Auto in den Urlaub starten will, sollte den Tank bereits einige Tage vorher füllen.
Bild: dpaTipp 2: Freie Tankstellen bieten Sprit häufig günstiger an, als die bekannten Marken. Dem ADAC zufolge lassen sich zwei bis drei Cent je Liter sparen. Ein Vergleich kann sich lohnen. Zu finden sind freie Tankstellen oftmals neben Supermärkten und Handelshöfen.
Bild: dpaTipp 3: Sollten Autofahrer unterwegs tanken müssen, bietet sich ein kleiner Umweg an. Bereits der Weg über die Ausfahrt zum nächsten Autohof kann sich lohnen. Dort lässt sich mitunter günstiger tanken als an einer Raststätte.
Bild: dpaTipp 4: Ratsam ist auch eine kleine Internetrecherche vor Reisebeginn: Dort finden sich Vergleichsportale für Spritpreise. Die Webseite des ADAC bietet außerdem eine Übersicht von Tankstellen, die in unmittelbarer Nähe der Autobahnen liegen.

Tipp 5: Auf Reisen hilft das Smartphone bei der Kostenkontrolle: Die kostenlose App mehr-tanken hilft unterwegs die günstigste Tankstelle zu finden – und zwar genau dort, wo man sich gerade befindet. Für alle, die ein wenig im Voraus planen möchten: Die App erlaubt auch eine Suche nach Postleitzahl.
Bild: APTipp 6: Der Fahrstil kann einiges dazu beitragen, dass Autofahrer die Zapfsäule seltener ansteuern müssen. Mit einer vorausschauenden und defensiven Fahrweise lassen sich bis zu 15 Prozent Sprit sparen. Günstiger fährt auch, wer auf Klimaanlage, Standheizung und übermäßiges Lüften verzichtet.
Autofahrer sollten Schnäppchen an den Tankstellen wahrnehmen – und zugreifen, auch wenn der Tank erst halb leer ist. Einmal in der Woche veröffentlicht der ADAC den durchschnittlichen Spritpreis. Bei den momentan starken Schwankungen bietet der Mittelwert Orientierungshilfe für Verbraucher – sie können mit seiner Hilfe besser einschätzen, was teuer und was billig ist.
Ein Euro ist derzeit für 1,25 US-Dollar zu haben. Im Sommer 2008 - zu Beginn der Finanzkrise - lag der Brent-Rohölpreis bei 145,65 Euro. Damals kostete der Euro 1,58 US-Dollar. Der starke Euro fing damals die Benzinpreise auf und verhinderte, dass sich die enormen Ölpreise derart an der Zapfsäule bemerkbar machten.
Inwiefern Benzin- und Ölpreise im Gleichschritt sinken, liegt laut Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) auch im Ermessen der Benzinriesen: „Die Mineralölkonzerne entscheiden, wie sie die Senkungen weiter geben.“
Er sieht die hohen Preissenkungen für Rohöl etwa in der gestiegenen Fördermenge: „Saudi Arabien fördert so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr“, sagt der HWWI-Wissenschaftler auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online. Gleichzeitig fährt das vom Bürgerkrieg gebeutelte Libyen seine Ölproduktion wieder hoch: „Wegen des Bürgerkrieges fehlten auf dem Weltmarkt täglich 1,6 Millionen Barrel gefördertes libysches Öl.“ Mittlerweile habe die Ölförderung 90 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht. Für Entspannung auf den Rohstoffmärkten sorge auch, dass sich der Konflikt um das iranische Atomprogramm entschärft hat. Mittlerweile produzieren die OPEC-Mitgliedsländer zusammen mehr Öl als die 30 Millionen Barrel pro Tag, die sie auf ihrer letzten Sitzung in Wien im Dezember 2011 vereinbart hatten.
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