Billiges Öl: Warum der Benzinpreis nicht fällt

Billiges Öl: Warum der Benzinpreis nicht fällt

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Der Benzinpreis folgt dem fallenden Ölpreis nur schleppend. Schuld sind die Wechselkurse. Öl wird in Dollar gehandelt, Benzin hier zu Lande in Euro. Und da der Euro derzeit schwach ist, müssen verhältnismäßig mehr Euros für das Benzin ausgegeben werden.

von Marcel Berndt

Autofahrer leiden unter der undurchsichtigen Preispolitik der Ölkonzerne. Der Benzinpreis ist noch immer sehr hoch, obwohl Rohöl massiv im Preis gefallen ist. Das ist vor den Ferien besonders ärgerlich. Aber die Ölkonzerne sind nicht die Hauptschuldigen.

Eigentlich ein Grund zum Jubeln für die Autofahrer: Sommerzeit, Schulferien stehen an – und die Mineralölkonzerne vermelden sinkende Benzinpreise. Das kennen Tankstellenbesucher eher umgekehrt. Derzeit kostet Superbenzin E10 mit 1,58 Euro pro Liter rund sechs Prozent weniger als zu Zeiten der Preisrekorde im April. Der Dieselpreis ist sogar um sieben Prozent auf 1,43 Euro gefallen, wie die Mineralölindustrie in der vorigen Woche mitteilte. Solche Nachrichten nutzt die weithin verhasste Branche, um mit vermeintlichen Vorurteilen aufzuräumen: „Der Benzinpreis ist nicht von der Ferienzeit abhängig, sondern folgt der Entwicklung am Weltmarkt für Rohprodukte“, sagte etwa Aral-Sprecher Detlef Brandenburg.

Das sehen Autofahrer anders. Denn der Benzinpreis ist noch immer hoch. Zwar sind die Rohölpreise um 25 Prozent eingebrochen, aber beim Verbraucher an der Tankstelle kommt nur ein Bruchteil dessen an. Aktuell kostet ein Barrel Öl der Sorte Brent um die 96,58 US-Dollar. Noch im März lag der Preis bei 128 Dollar. Warum kommt dieser Preisrückgang nicht auch an der Zapfsäule an?

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Dass die Benzinpreise deutlich weniger gesunken sind, liegt am schwachen Euro, erklärt Karin Retzlaff, Sprecherin des Mineralölwirtschaftsverbands: „Das Rohöl wird in US-Dollar gehandelt, wir bezahlen aber in Euro. Und zur Zeit müssen wir mehr Euro für das Öl zahlen als üblich, da der Wechselkurs so hoch ist.“

Ein Euro ist derzeit für 1,25 US-Dollar zu haben. Im Sommer 2008 - zu Beginn der Finanzkrise - lag der Brent-Rohölpreis bei 145,65 Euro. Damals kostete der Euro 1,58 US-Dollar. Der starke Euro fing damals die Benzinpreise auf und verhinderte, dass sich die enormen Ölpreise derart an der Zapfsäule bemerkbar machten.

Inwiefern Benzin- und Ölpreise im Gleichschritt sinken, liegt laut Rohstoffexperte Leon Leschus vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) auch im Ermessen der Benzinriesen: „Die Mineralölkonzerne entscheiden, wie sie die Senkungen weiter geben.“

Er sieht die hohen Preissenkungen für Rohöl etwa in der gestiegenen Fördermenge: „Saudi Arabien fördert so viel Öl wie seit 30 Jahren nicht mehr“, sagt der HWWI-Wissenschaftler auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online. Gleichzeitig fährt das vom Bürgerkrieg gebeutelte Libyen seine Ölproduktion wieder hoch: „Wegen des Bürgerkrieges fehlten auf dem Weltmarkt täglich 1,6 Millionen Barrel gefördertes libysches Öl.“ Mittlerweile habe die Ölförderung 90 Prozent des Vorkriegsniveaus erreicht. Für Entspannung auf den Rohstoffmärkten sorge auch, dass sich der Konflikt um das iranische Atomprogramm entschärft hat. Mittlerweile produzieren die OPEC-Mitgliedsländer zusammen mehr Öl als die 30 Millionen Barrel pro Tag, die sie auf ihrer letzten Sitzung in Wien im Dezember 2011 vereinbart hatten.

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