Billigstromanbieter: Justiz-Posse bei Teldafax-Skandal

Billigstromanbieter: Justiz-Posse bei Teldafax-Skandal

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Polizisten in Zivil gehen zum Sitz des Unternehmens Teldafax in Troisdorf bei Bonn.

von Sönke Iwersen und Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Bei der Aufklärung des Teldafax-Skandals stehen sich die deutschen Behörden selbst im Weg. Die Staatsanwaltschaft sucht nach dem Drahtzieher Michael Josten. Der müsste eigentlich in Haft sitzen - ist aber in der Schweiz.

Eigentlich müsste Michael Josten wegen eines anderen Betrugs noch in Haft sitzen, kam aber dank „günstiger Sozialprognose“ vorzeitig frei. Jetzt ist er in der Schweiz. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat ihre Ermittlungen beim untergegangenen Billigstromanbieter Teldafax ausgedehnt und mehrere Durchsuchungen beim ehemaligen Vorstandschef, Gesellschafter und Aufsichtsrat Michael Josten durchgeführt. Wie Oberstaatsanwaltschaft Friedrich Apostel dem Handelsblatt bestätigte, führt seine Behörde Josten nun als Beschuldigten. Da Josten sich derzeit in der Schweiz aufhält, hatte die Staatsanwaltschaft Amtshilfe der Schweizer Kollegen beantragt. Zu Details der Vorwürfe gegen Josten wollte sich Apostel nicht äußern.

Ebenfalls nicht äußern wollte sich Apostel zu dem Umstand, dass Josten eigentlich noch in Haft sein müsste. Josten hatte erst Mitte 2010 seine zweieinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs in 176 Fällen bei Geschäften mit Immobilienfonds der Secur-Finanz AG angetreten. Josten war bereits im März 2007 verurteilt worden, entzog sich aber seiner Verhaftung, indem er seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegte. Noch aus dem Gefängnis heraus hielt Josten als Freigänger die Fäden bei Teldafax in der Hand. Trotzdem bescheinigte ihm das Oberlandesgericht Karlsruhe eine „günstige Sozialprognose“ und Josten kam Ende 2011 vorzeitig frei.

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Hunderttausende ungeöffnete Beschwerden

Teldafax gilt mit seinen 750.000 Gläubigern heute als der größte Insolvenzfall in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nach internen Unterlagen sowie nach Angaben des Insolvenzverwalters Biner Bähr war Teldafax bereits zwei Jahre vor dem Zusammenbruch insolvenzreif. Seit 2009 hatte das Unternehmen keine Bilanzen mehr vorgelegt und war überschuldet. Trotzdem lockte Teldafax mit Dumpingangeboten und Werbepartnern wie Rudi Völler und Bayer Leverkusen hundertausende weiterer Kunden. Diese hielten mit ihren Vorkassezahlungen das Schneeballsystem Teldafax weiter aufrecht.

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Teldafax meldete am 14. Juni 2011 beim Amtsgericht Bonn Insolvenz an. Drei Tage später stellte der Insolvenzverwalter Bähr den Betrieb ein, weil Teldafax völlig defizitär arbeitete. Bähr beschrieb den Zustand des Unternehmens als chaotisch. Unter anderem fand er mehrere hunderttausende ungeöffnete Briefe von Kunden mit deren Beschweren vor. Ende Juni 2011 begann die Staatsanwaltschaft Bonn ihre Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug und Insolvenzverschleppung. Als Beschuldigte wurden die ehemaligen Vorstände Klaus Bath und Gernot Koch, der Finanzchef Mathias Knoll sowie diverse Führungskräfte aus der Buchhaltung, dem Controlling und der Marketingabteilung geführt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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