Biobrause: Prost aufs gute Gewissen

Biobrause: Prost aufs gute Gewissen

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Quartiermeister

Gegen Getränkeriesen wie Coca oder Pepsi haben kleine Hersteller nur eine Chance, wenn sie außergewöhnlichen Stoff bieten. Doch mit Apfelsaft von der Ökofarm oder Tee von zertifizierten Plantagen geben sie sich nicht zufrieden. Sie wollen auch durch soziale Taten überzeugen.

Im Lütt’n Grill in Hamburg-Eimsbüttel wird wieder einmal getrunken. Cola, versteht sich, Premium-Cola. „Das verkaufe ich am meisten“, sagt Grillbudenchef Harry Schulz. Die Premium ist für viele das, was Coke nicht ist: koffeinstark und cool. Schulz klopft Premium-Erfinder Uwe Lübbermann auf die Schulter. Doch der hat eigentlich gar keine Zeit zum Reden. Er muss sich um zwei Neue kümmern, die seinen Rat brauchen. Die Studenten Alexander Cohen und Max Harms wollen ein neues Szenegetränk mit Alkohol und Limonade auf den Markt bringen.

An sich nichts Besonderes. Doch ihr Szenemix Southern Palm soll Genuss mit gutem Gewissen vereinen: Ein Cent pro Flasche wollen sie an Programme für Suchthilfe überweisen – genau die Idee, die Lübbermann hatte, als er 2008 sein erstes Premium-Bier auf den Markt brachte. Der 34-Jährige, der mit seinem schwarzen Kapuzenpulli und den breiten Koteletten aussieht wie ein in die Jahre gekommener Skater, ist damit so etwas wie der Pate der Szene alternativer Getränke.

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Und die boomt. Rund 120 alternative Brause-Innovationen kommen jedes Jahr auf den deutschen Markt. Nachdem Bionade lediglich ein alternatives Erfrischungsgetränk mit weniger Zucker und biologisch hergestellten Zutaten herausbrachte, locken die Limo-Revoluzzer mit immer mehr Getränken, die zudem ein gutes soziales Gewissen mitliefern.

Der Safthersteller Innocent etwa setzt auf ökologisches und soziales Wirtschaften: Obst weitgehend von zertifizierten Ökofarmen, Verpackungen 100 Prozent recycelt, zehn Prozent des Gewinns gehen jährlich an wohltätige Organisationen.

Geld für Jugendprojekte

Von jedem verkauften Kasten des Biers „Quartiermeister“ aus Berlin fließen drei Euro in Jugendprojekte in sozialen Brennpunkten oder in die Arbeit von Bürgerinitiativen der Bundeshauptstadt.

Der Mineralwasserhersteller „Viva con Agua“ aus Hamburg-Sankt Pauli engagiert sich für die Trinkwasserqualität in Entwicklungsländern.

Überhaupt blubbert es gerade in Hamburg. Hier gibt es Haji-Cola, die nach Firmenangaben „wohl gesündeste Cola zwischen Orient und Okzident“: Die Rezeptur sei frei von Phosphor und Kristallzucker, die Süße entstünde durch Sirup von frischen Datteln und reinem Fruchtzucker.

Die Lemonaid Beverages wiederum bezieht die Rohstoffe für ihre Limonaden und Tee-Mixgetränke von zertifizierten Plantagen und Bauernkooperativen aus dem Fairtrade-Verbund: Der Tee kommt aus Sri Lanka und Südafrika, der Limettensaft aus Brasilien und der Rohrzucker aus Paraguay.

Ein Teil des Tee- und Limo-Erlöses fließt zudem zurück in die Herkunftsländer der Rohstoffe – zum Beispiel für Förderung öffentlicher Zahnarztpraxen.

Stolzer Preis

Der Marktanteil vieler Limos mit Sozial-Touch ist allerdings ein Tropfen im Fluss. Der weltgrößte Getränkehersteller Coca-Cola verkauft jährlich 139 Milliarden Liter Softdrinks, allein in Deutschland 3,4 Milliarden Liter. Mit seinen 160 Millionen verkauften Flaschen ist selbst Bionade dagegen nur ein Bächlein.

Seit neun Jahren gibt es Premium-Cola. 2009 verkaufte das Premium-Kollektiv 670 000 Flaschen, 2011 will es über die Millionengrenze springen. Brausebrauer Wostok aus Berlin füllte 50 000 Flaschen ab, Limo-Tee-Hersteller Leetmate aus Hamburg gar nur 20 000. Lübbermann ist zuversichtlich: „Wir rechnen mit 50 Prozent Wachstum pro Jahr.“ Die Bedingungen sind günstig: Mit 118 Liter Erfrischungsgetränken pro Kopf haben die Deutschen 2010 so viel getrunken wie nie.

Dass die agilen Limo-Zwerge für ihre Produkte Preise wie Gottes Mundschenk nehmen, ist Strategie: Sie werden meist in Szenebars in Hamburg-Altona oder Berliner-Prenzlauer Berg verkauft. Dort „lässt sich einfach ein anderer Preis realisieren als im Vertrieb über den Einzelhandel oder in Supermärkten“, sagt Detlef Groß, Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreier Getränke.

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