
Und nicht nur das. Durch den breiten Einsatz werden die Anlagen fortgesetzt optimiert. Autarke Dörfer als Dauertest für die Biogastechnik: „Die Deutschen sind hier Vorreiter. Viele Länder wollen weg vom Öl, das Marktpotenzial für Biogas ist enorm.“ Und es dürfte weiter wachsen: Mit gereinigtem Biogas lassen sich auch Fahrzeuge betreiben.
Und der Markt wächst. „Im vergangenen Jahr kamen bereits 16 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms aus Sonne, Wind oder Biomasse“, rechnet Björn Klusmann vor, Geschäftsführer des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (siehe Grafik). Nach dem Willen der Bundesregierung sollen es bis 2020 mindestens 30 Prozent werden.
Große Herausforderungen
Das Industrieland Deutschland stellt dies allerdings vor große Herausforderungen. Denn: Die Sonne scheint nicht immer, und auch der Wind bläst unregelmäßig. „Unsere Industrie nutzt rund 45 Prozent des erzeugten Stroms“, sagt Carsten Rolle, Energieexperte beim Bundesverband der deutschen Industrie. „Ein großer Teil davon wird allerdings Tag und Nacht benötigt.“ Und hier kommen wieder die Biogasanlagen ins Spiel: Auch die Bakterien sind rund um die Uhr aktiv. „Biogasanlagen können einen Teil der Grundversorgung abdecken“, sagt Fachfrau Kemfert vom DIW.
Fußbodenheizung für Ferkel
Diese Zuverlässigkeit schätzt auch Schweinezüchter Georg Muth-Köhne aus Ebbinghof. Er und Peitz betreiben zusammen die Biogasanlage. Die Tiere von Muth-Köhne, vor allem die Ferkel, brauchen stets eine Lufttemperatur von 30 Grad. Eine Fußbodenheizung sorgt dafür, dass die Kleinen nicht an den Hufen frieren. „Der Heizbedarf für die Ställe ist enorm“, sagt Muth-Köhne. Entsprechend hoch war bis vor Kurzem seine Heizrechnung. Inzwischen bereitet ihm der Ölpreis aber keine Sorgen mehr.
Die Dächer seiner Ställe hat der Schweinezüchter bereits mit Solaranlagen zugepflastert. Dem Beispiel will Peitz jetzt folgen. Die Zeit drängt: Die Anlage muss ans Netz, bevor die Einspeisevergütung im Sommer beschnitten wird. Sonst rechnet sich die Investition nicht mehr.
Einen Überblick über die Bioenergie bietet eine neue Studie des Deutschen CleanTech Instituts. Leser der WirtschaftsWoche können die Studie hier exklusiv abrufen (PDF).














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Alle Kommentare lesen14.10.2010, 20:34 UhrAnonymer Benutzer: DeRoadie
Nicht die CO2-bilanz von biogasanlagen auf basis von Anbaubiomasse aus Mais und Getreide ist negativ, sondern die Treibhausgasbilanz. Das liegt daran, dass CO2 nicht das einzige Treibhausgas ist, Stickstoff 300 mal schädlicher, länger in der Atmosphäre verbleibt und beim Mais- und Getreideanbau in Massen produziert wird.
Nachlesen kann man das z.b. auf Seite 78 in der Studie "Energieziel 2050: 100 % Strom aus erneuerbaren Quellen" des Umweltbundesamtes. Der Witz dabei ist: Das Ziel, die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent zu verringern und die Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen, kann erreicht werden - und es kann ohne biogas aus Anbaubiomasse erreicht werden. Das verschweigt die biogas-Lobby aber.
Die Anbaubiomasse wird so kritisch gesehen, dass sie in der wissenschaftlichen Gesamtbetrachtung komplett ausgeschlossen wird. Das liegt an ihrer Konkurrenz mit der Nahrungs- und Futtermittelproduktion, negativen Auswirkungen auf Umweltmedien, wie z.b. Qualität von Wasser (ausgewaschenes Nitrat ist krebserregend) und böden, Auswirkungen auf die Wassermenge, auf die biodiversität und auf den Naturschutz.
08.04.2010, 19:03 UhrAnonymer Benutzer: Katharina Sekareva
@ Ludwig E: Da muss ich ihnen zustimmen. Die Atom- und Steinkohleindustrie hat den Steuerzahler viele Milliarden gekostet. im Übrigen hat sich noch nie eine innovative industrie, die bei Null anfangen muss, ohne staatlich Hilfe etabliert - ob in Form von Subventionen, Aufträgen, günstigen Krediten oder eben Einspeisevergütung. Wenn die Technik sich dann mehr oder weniger etabliert hat, kann und sollte man die Förderung ja zurückfahren. Die Stromkunden, die über hohe Preise klagen, sollten sich überlegen, in welche Zustand sie die Umwelt in ein paar Jahrzehnten sehen möchten und ob eine einigermaßen intakte Natur nicht ein paar Euro extra auf der Stromrechnung wert ist. Die Strompreise für Privatkunden sind in den letzten Jahrzehnten übrigens immer gestiegen, ganz egal, ob die Energieträger gerade teurer oder billiger wurden. Daher bin ich nicht sicher, ob sie tatsächlich sinken würden, wenn die Förderung der erneuerbaren Energien gekappt würde.
08.04.2010, 16:19 UhrAnonymer Benutzer: Ludwig E.
Unsinnige Subvention? Wissen Sie eigentlich, mit welch horrenden Summen Atom- und Kohlekraftwerke in den vergangenen Jahrzehnten unterstützt worden sind und auch heute noch unterstützt werden? Glauben Sie ernsthaft, dass die Kosten dieser rückständigen Technologien mit dem Strompreis allein abgedeckt werden können? Es ist ganz sicher sinnvoller, in fortschrittliche und zukunftsfähige Formen der Energieproduktion zu investieren als in überholte Konzepte aus dem vergangenen Jahrtausend.