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Bioenergie: Die Strombauern

von katharina.sekareva@wiwo.de

Wie ein Dorf im Sauerland energieautark wurde, was Anhänger erneuerbarer Energien davon lernen können – und was nicht.

Traktor Quelle: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche
Traktor Quelle: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

Milchbauer Hubertus Peitz hat sich neue Tiere zugelegt. Mehrere Millionen sogar. Allerdings sind die Tierchen nur den Bruchteil eines Millimeters groß. Trotzdem holen sie Peitz, so wie seine Kühe, manchmal nachts aus dem Bett. Dann muss der 42-Jährige nachsehen, ob es ihnen zu warm oder zu kalt ist und ob sie genug Futter haben. Zu fressen bekommen sie Mais und Stroh, aber auch Gülle, Exkremente von Nutztieren. Diese wenig appetitliche Mischung bekommt den Tierchen bestens. Es sind Mikroorganismen – unter anderem Essigsäure- und Methanbakterien.

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In zwei runden, jeweils drei Meter hohen geschlossenen Silos zersetzen sie in Ebbinghof, einem beschaulichen Weiler im nordrhein-westfälischen Hochsauerland, landwirtschaftliche Abfälle. Am Ende dieses Gärungsprozesses im Fermenter scheiden sie eine Mischung aus Methan und Kohlendioxid aus, kurz: Biogas. Das strömt durch ein unterirdisches Rohr zu einem Schuppen auf Peitz’ Nachbarhof und treibt dort ein Blockheizkraftwerk von der Größe eines Kleinwagens an, das Strom und Wärme produziert.

Die vom niedersächsischen Anlagenbauer Bioconstruct entwickelte Technik steht auf einem Hügel direkt neben den Kuhställen. Auf den ersten Blick sieht es hier nach traditioneller Landidylle aus. Doch wer sich zwischen den schmucken Fachwerkhäusern der knapp 30 Dorfbewohner umsieht, stößt immer wieder auf modernste Technik.

Lokale Stromwende beschlossen

Denn die Biogasanlage von Bauer Peitz ist zwar die jüngste, beileibe aber nicht die einzige regenerative Energiequelle, aus der die Ebbinghofer erfolgreich schöpfen, seit sie 2007 die lokale Energiewende beschlossen haben. Fortan wollten sie Strom und Wärme möglichst komplett selbst erzeugen – umweltverträglich vor Ort und unabhängig von den Schwankungen der Energiepreise.

Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist

Das Ziel haben sie längst erreicht: Heute kommt der elektrische Strom von mehreren Fotovoltaikanlagen und zwei Windrädern. Und ein gemeinsames Heiznetz versorgt die Höfe mit der Wärme des Blockheizkraftwerks und eines zentralen Brenners, in dem Holzhackschnitzel verfeuert werden. Insgesamt produziert Ebbinghof heute rund fünfmal so viel Strom und doppelt so viel Wärme, wie der Ort selbst benötigt. Den überschüssigen Strom speisen die Bauern für gutes Geld ins Netz der RWE ein. Das macht die autarke Energieerzeugung lukrativ.

Damit stehen die Ebbinghofer exemplarisch für immer mehr ländliche Gemeinden, die Strom und Wärme aus erneuerbaren Energiequellen über den eigenen Bedarf hinaus erzeugen. Gut 150 sind es bereits bundesweit. Tendenz steigend. Dafür gibt es einen guten Grund, weiß Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien: „Viele sehen darin einen Wirtschaftsmotor für die Region – und es entstehen neue Jobs.“

7 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.10.2010, 20:34 UhrAnonymer Benutzer: DeRoadie

    Nicht die CO2-bilanz von biogasanlagen auf basis von Anbaubiomasse aus Mais und Getreide ist negativ, sondern die Treibhausgasbilanz. Das liegt daran, dass CO2 nicht das einzige Treibhausgas ist, Stickstoff 300 mal schädlicher, länger in der Atmosphäre verbleibt und beim Mais- und Getreideanbau in Massen produziert wird.

    Nachlesen kann man das z.b. auf Seite 78 in der Studie "Energieziel 2050: 100 % Strom aus erneuerbaren Quellen" des Umweltbundesamtes. Der Witz dabei ist: Das Ziel, die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent zu verringern und die Stromversorgung vollständig auf erneuerbare Energien umzustellen, kann erreicht werden - und es kann ohne biogas aus Anbaubiomasse erreicht werden. Das verschweigt die biogas-Lobby aber.

    Die Anbaubiomasse wird so kritisch gesehen, dass sie in der wissenschaftlichen Gesamtbetrachtung komplett ausgeschlossen wird. Das liegt an ihrer Konkurrenz mit der Nahrungs- und Futtermittelproduktion, negativen Auswirkungen auf Umweltmedien, wie z.b. Qualität von Wasser (ausgewaschenes Nitrat ist krebserregend) und böden, Auswirkungen auf die Wassermenge, auf die biodiversität und auf den Naturschutz.

  • 08.04.2010, 19:03 UhrAnonymer Benutzer: Katharina Sekareva

    @ Ludwig E: Da muss ich ihnen zustimmen. Die Atom- und Steinkohleindustrie hat den Steuerzahler viele Milliarden gekostet. im Übrigen hat sich noch nie eine innovative industrie, die bei Null anfangen muss, ohne staatlich Hilfe etabliert - ob in Form von Subventionen, Aufträgen, günstigen Krediten oder eben Einspeisevergütung. Wenn die Technik sich dann mehr oder weniger etabliert hat, kann und sollte man die Förderung ja zurückfahren. Die Stromkunden, die über hohe Preise klagen, sollten sich überlegen, in welche Zustand sie die Umwelt in ein paar Jahrzehnten sehen möchten und ob eine einigermaßen intakte Natur nicht ein paar Euro extra auf der Stromrechnung wert ist. Die Strompreise für Privatkunden sind in den letzten Jahrzehnten übrigens immer gestiegen, ganz egal, ob die Energieträger gerade teurer oder billiger wurden. Daher bin ich nicht sicher, ob sie tatsächlich sinken würden, wenn die Förderung der erneuerbaren Energien gekappt würde.

  • 08.04.2010, 16:19 UhrAnonymer Benutzer: Ludwig E.

    Unsinnige Subvention? Wissen Sie eigentlich, mit welch horrenden Summen Atom- und Kohlekraftwerke in den vergangenen Jahrzehnten unterstützt worden sind und auch heute noch unterstützt werden? Glauben Sie ernsthaft, dass die Kosten dieser rückständigen Technologien mit dem Strompreis allein abgedeckt werden können? Es ist ganz sicher sinnvoller, in fortschrittliche und zukunftsfähige Formen der Energieproduktion zu investieren als in überholte Konzepte aus dem vergangenen Jahrtausend.

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