Biosprit: Umstrittenes Grünzeug im Tank - Seite 2

Biosprit: Umstrittenes Grünzeug im Tank

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Das Firmenschild vor der Quelle: ASSOCIATED PRESS
Das Firmenschild vor der Daimler AG Konzernzentrale in Stuttgart-Untertuerkheim. Daimler führte Test an dem neuen Biokraftstoff durch und zeigte sich optimistisch. Quelle: ASSOCIATED PRESS

Klar ist: Die Nachfrage nach dem sauberen Sprit nimmt zu. Laut dem EU-Klimaschutzpaket soll der Anteil erneuerbarer Kraftstoffe im Tankstellensprit bis 2020 auf zehn Prozent ansteigen. Auch in den USA gewinnt die grüne Tankfüllung durch gezielte Förderung an Bedeutung.

Erst vor einem Jahr schlossen sich daher der US-Tierfutterproduzent Tyson Foods und der Biokraftstoffhersteller Syntroleum zusammen, um eine Hydrieranlage für Flugbenzin im Bundesstaat Louisiana zu bauen. Die Anlage soll mit Rindertalg, Schweinefett und Hühnerschmalz, ebenso wie mit Palmfett und Sojaöl befüllt werden, die nicht mehr für den Verzehr geeignet sind. Das US-Erdölunternehmen UOP kündigte für 2010 an, Hydrieranlagen in Italien und Portugal zu starten. Und auch BP nutzt das Verfahren. Nun will das Unternehmen seinen neuen Treibstoff an die Tankstellen bringen.

Dass das gelingt, ist aber noch keineswegs ausgemacht. Der neue Biodiesel ist deutlich teurer als fossil produzierter Sprit: Honkamaa beziffert den Aufpreis auf 300 Dollar je Tonne, damit würde sich der Dieselpreis verfünffachen. „Diese Kraftstoffe haben nur dort eine Chance, wo sie steuerlich gefördert werden oder vorgeschrieben sind“, sagt Sprit-Experte Schulwitz. In Deutschland trifft beides zu.

Der Autobauer Daimler testet den grünen Diesel von Neste Oil daher seit Mitte 2008 in zehn Lastwagen und vier Stuttgarter Stadtbussen. Die Forscher des Konzerns wollen herausfinden, ob die Motoren mit dem neuen Kraftstoff wartungsfrei laufen. Vorläufiges Fazit: „Wir sind sehr zufrieden mit den Projektergebnissen“, sagt Manfred Schuckert, Konzernstratege für Emissionen und Sicherheit in Nutzfahrzeugen bei Daimler.

Die Daimler-Versuche förderten weitere interessante Erkenntnisse zutage: Tanken Autos oder Lastwagen den neuen -Diesel, stoßen sie weniger Schadstoffe aus. Die Stickoxidemissionen etwa sanken um bis zu 15 Prozent. Zudem ist die Emission von Feinstaub und Schwefeldioxid geringer, weil schon bei der Herstellung des Kraftstoffs giftige Stickstoff- und Schwefelkomponenten entfernt wurden.

Zugleich ist der grüne Sprit klimafreundlicher: Unterm Strich stößt er bis zu 60 Prozent weniger Kohlendioxid aus als fossiler Kraftstoff, weil er aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird, bescheinigt das Heidelberger Institut für Energie und Umwelt. Nur der Wasserstoffverbrauch schmälert die Bilanz, da das Gas energieaufwendig fossilem Erdgas entzogen wird.

Neuer Biosprit: Für viele ein Horrorszenario

Für den Bundesverband Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe ist die neue Generation des grünen Sprits ein Horrorszenario: Nur vier weltweit agierende ausländische Großkonzerne würden die Beimischung von hydriertem Pflanzenöl verwirklichen, weil die Anlagen zur Herstellung des Kraftstoffs so teuer sind. Zu Recht fürchtet der Verband um die Existenz der kleinen und mittelständischen deutschen Biodieselproduzenten.

Auch Greenpeace läuft Sturm gegen den neuen Sprit: In den massiv ausgebauten Fabriken von Neste Oil werde ausschließlich Palmöl verarbeitet, lautet die Kritik. Um das Öl zu produzieren, werde oft wertvoller Regenwald zerstört.

Tatsächlich setzen viele Hydrieranlagen auf Palmöl. Teils sogar, obwohl sie ankündigten, tierische Nahrungsabfallfette zu verwenden. Der Grund: Das umstrittene Pflanzenfett aus den Tropen ist billig, ständig verfügbar und verbraucht, verglichen etwa mit Rapsöl, weit weniger Wasserstoff bei der Hydrierung.

Technisch ist der neue grüne Sprit ein Erfolg. Ob er sich aber im Massenmarkt durchsetzen kann, hängt jetzt davon ab, ob es den Herstellern gelingt, einen wirklich nachhaltigen Kraftstoff zu einem akzeptablen Preis herzustellen. Das liegt nun in der Hand der Produzenten.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 28.01.2010, 08:04 UhrAnonymer Benutzer: Dieter Bockey

    Der beitrag zeigt die grundsätzliche Problematik auf, dass das Unternehmen NesteOil zwar einen qualitativ hochwertigen Kraftstoff erzeugt, es aber in den vergangen jahren versäumt hat ein positives Rohstoffimage für dieses Produkt zu entwickeln. Offenkundig ist, dass NesteOil die insbesondere hierzulande ausgelöste Tank/Teller-und umweltpolitische Diskussion über die Verwendung von Palmöl in bHKW - Gesamtbedarf etwa 550.000 Tonnen, den traditionelle in diesem Absatzmarkt engagierten Verbände wie z.b. der UFOP, die seit nunmehr 20 Jahren auf den heimschen Raps als "Ölquelle" setzt, überlassen hat. Problematisch ist die Tatsache, dass im Gegensatz zum biodiesel bei hydrierten Pflanzenölen die Rohstoffherkunft nicht mehr nachweisbar ist, dies ist ein Vorteil von Ester - und Wasserstoff eingesetzt wird, der nicht aus regenerativen Quellen stammt. Mit der Hydreierung wird der biomasserohstoff "anonymisiert" und es kann lediglich ein biomassenachweis im Wege der sehr teueren C14-Methode erbracht werden. Zudem ist bei den Rohstoffen nach der deutschen biomasseverordnung genau hinzusehen, denn es darf - allerdings nur in Deutschland (!) genußtauglicher "tierischer Abfall" eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass die durch die biomassenachhaltigkeitsverodnung für biokraftstoffe vorgegebene Massenbilanz Rohtoff und Herkunft nachgewiesen werden müssen.

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