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Biosprit: Umstrittenes Grünzeug im Tank

von Susanne Donner

Die neueste Generation von Biosprit ist schadstoffärmer, klimafreundlicher und effizienter als Diesel aus Erdöl. Doch kleine deutsche Hersteller bedroht er in der Existenz und auch Umweltschützer laufen Sturm.

Ein Tankwagen der Shell AG Quelle: dpa
Ein Tankwagen der Shell AG fährt in der Nähe von Köln durch ein Rapsfeld. Bisher konnte Biodiesel nur aus Rapsöl gewonnnen werden. Quelle: dpa

 Man ahnt nichts, wenn man in den gelben Gelenkbus der Stuttgarter Stadtbahnen steigt. Der Dieselmotor brummt. Die Abgase brennen in der Nase. Alles ist wie immer. Fast alles. Denn der Bus fährt mit einer neuen Generation Biodiesel des finnischen Mineralölkonzerns Neste Oil, der sich grundlegend vom herkömmlichen Biosprit unterscheidet: Er basiert zwar auch auf Pflanzenfett, gleicht aber dennoch dem fossilen Diesel von der Tankstelle, weil er mit einem speziellen Verfahren, der sogenannten Hydrierung, hergestellt wurde. Damit können alle Fette zu Sprit verarbeitet werden: vom Palm- über Rapsöl bis hin zu altem Frittenfett oder Talg. Bislang wurde Biodiesel in Europa überwiegend aus reinem Rapsöl hergestellt.

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Und der neue Diesel soll laut ersten Tests von Autoherstellern sogar sauberer sein als herkömmlicher Kraftstoff und zugleich den Verbrauch von Fahrzeugen senken. „Es ist der beste Diesel der Welt“, sagt Jarmo Honkamaa, Manager von Neste Oil. Kann man solchen Parolen noch trauen, nachdem Biosprit erst gehypt wurde und sich dann als ökologisch und motortechnisch unverträglich entpuppte?

Man kann. Bruno Schulwitz analysiert als Mineralölchemiker und Qualitätskontrolleur täglich Kraftstoffe unterschiedlichster Herkunft. Er ist Chef der Gesellschaft für Mineralöl-Analytik und Qualitätsmanagement in Hamburg. Der neue Biosprit, so sein Urteil, sei mindestens so gut wie normaler Diesel. Er zünde sogar bei etwas niedrigeren Temperaturen, kann also im Winter länger ohne sogenannte Additive eingesetzt werden.

Neuer Biosprit ist ohne fossilen Rivalen

Das sind gute Nachrichten für die Industrie. Denn herkömmlicher Biokraftstoff bereitet den Autoherstellern Probleme. Er kann Wasser enthalten und dadurch den Motor und die Einspritzsysteme angreifen. Deshalb darf in Tankstellendiesel maximal sieben Prozent Biosprit enthalten sein.

Der neue Sprit kann dagegen ohne den fossilen Rivalen getankt werden. Herkömmlicher Biodiesel gehört chemisch zur Kategorie der Ester. Der grüne Sprit der zweiten Generation ist, genau wie normaler Tankstellendiesel, ein reiner Kohlenwasserstoff.

Pflanzenöle oder tierische Fette in diesen neuen Sprit umzuwandeln ist jedoch aufwendig und erfordert millionenschwere Investitionen in Großanlagen. In Stahldruckbehältern wird das Öl auf 300 Grad Celsius erhitzt. Anschließend wird Wasserstoff eingeleitet. Das Gas wiederum bringt die Hydrierung der Öle in Gang. Das ist eine chemische Reaktion, bei der die Pflanzenöle in Kohlenwasserstoffe umgewandelt werden. Dabei brechen die langkettigen Fettmoleküle. Der Clou: Schadstoffverursachende Schwefel- und Stickstoffverbindungen entweichen. Die dabei entstehende farblose Flüssigkeit kann anschließend zu Diesel, Benzin oder Kerosin weiterverarbeitet werden.

Der Prozess der Hydrierung ist der Ölindustrie seit Jahrzehnten vertraut. Verunreinigte Schweröle werden damit seit jeher gereinigt und in Diesel um-gewandelt. Erst in jüngster Zeit kamen -Ölmanager aber auf die Idee, mit dem-selben Verfahren aus nachwachsenden Rohstoffen erneuerbaren Kraftstoff her-zustellen. Neste Oil ist dabei Vorreiter. Seit 2009 betreibt das Unternehmen in Finnland Anlagen für die Produktion von jährlich 180 000 Tonnen grünen Kraftstoff mit dem Kunstnamen NExBTL. Rund 30 000 Tonnen davon werden nach Deutschland verkauft.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 28.01.2010, 08:04 UhrAnonymer Benutzer: Dieter Bockey

    Der beitrag zeigt die grundsätzliche Problematik auf, dass das Unternehmen NesteOil zwar einen qualitativ hochwertigen Kraftstoff erzeugt, es aber in den vergangen jahren versäumt hat ein positives Rohstoffimage für dieses Produkt zu entwickeln. Offenkundig ist, dass NesteOil die insbesondere hierzulande ausgelöste Tank/Teller-und umweltpolitische Diskussion über die Verwendung von Palmöl in bHKW - Gesamtbedarf etwa 550.000 Tonnen, den traditionelle in diesem Absatzmarkt engagierten Verbände wie z.b. der UFOP, die seit nunmehr 20 Jahren auf den heimschen Raps als "Ölquelle" setzt, überlassen hat. Problematisch ist die Tatsache, dass im Gegensatz zum biodiesel bei hydrierten Pflanzenölen die Rohstoffherkunft nicht mehr nachweisbar ist, dies ist ein Vorteil von Ester - und Wasserstoff eingesetzt wird, der nicht aus regenerativen Quellen stammt. Mit der Hydreierung wird der biomasserohstoff "anonymisiert" und es kann lediglich ein biomassenachweis im Wege der sehr teueren C14-Methode erbracht werden. Zudem ist bei den Rohstoffen nach der deutschen biomasseverordnung genau hinzusehen, denn es darf - allerdings nur in Deutschland (!) genußtauglicher "tierischer Abfall" eingesetzt werden. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, dass die durch die biomassenachhaltigkeitsverodnung für biokraftstoffe vorgegebene Massenbilanz Rohtoff und Herkunft nachgewiesen werden müssen.

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