
Deutschlands größter Solarkonzern SMA Solar hat sich im zweiten Quartal dem wachsenden Wettbewerbsdruck beugen müssen und mit einem Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte die Markterwartungen deutlich verfehlt. Wegen der steigenden Konkurrenz aus China erwartet der Weltmarktführer von Photovoltaik-Wechselrichtern in diesem und auch den nächsten Jahren einen Rückgang seines Weltmarktanteils, wie es in dem am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht hieß.
Chinesen sind noch keine Konkurrenz für SMA Solar
Anleger reagierten verschreckt auf diese Aussichten, obwohl ein starker Jahresauftakt die Halbjahresbilanz verschönerte und der nordhessische Konzern seine Mindestziele für 2012 erhöhte: Die SMA-Solar-Aktien rauschten zeitweise acht Prozent ins Minus und waren der größte Verlierer im Technologieindex TecDax. Noch hat SMA Solar bei Wechselrichtern, die Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln, einen Marktanteil von etwa einem Drittel. Das Unternehmen konkurriert dabei mit Größen wie Schneider Electric oder Siemens. SMA stehe angesichts der Solar-Krise zwar noch gut da, weil China noch keine große Konkurrenz im Wechselrichter-Geschäft sei, sagte ein Händler. „Aber wenn die Chinesen da ebenfalls ordentlich in den Markt einsteigen, dürfte SMA auch größere Probleme bekommen.“
Bild: dpaWer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....
Bild: dpaCENTROTHERM
Profil: Hersteller kompletter Fabriken für die Solarindustrie
Umsatz 2011: 699 Millionen Euro
Verlust: 15,9 Millionen Euro
Nettoliquidität: 6,23 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –134,8 Millionen EuroStärken
– klare Ausrichtung auf asiatische Wachstumsmärkte
– breite Technologiebasis auf fast allen Stufen der Wertschöpfung
– sehr individuelle KundenlösungenSchwächen
– starke Abhängigkeit vom Solargeschäft, unzureichende DiversifizierungPrognose: internationale Klasse
Bild: PresseMANZ
Profil: Anlagenbauer für die Herstellung von Solarzellen und -modulen
Umsatz 2011: 241 Millionen Euro
Gewinn: 0,86 Millionen Euro
Nettoschulden: 17,5 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –42,8 Millionen EuroStärken
– überdurchschnittliche Innovationskraft
– Kundennähe durch Fertigung an kostengünstigen asiatischen Standorten
– Risikominimierung durch Standbein im FlachbildschirmgeschäftSchwächen
– geringe Standardisierung, teure maßgeschneiderte KundenlösungenPrognose: internationale Klasse
Bild: dpaSMA
Profil: Hersteller von Wechselrichtern mit großem Weltmarktanteil
Umsatz 2011: 1,67 Milliarden Euro
Gewinn: 166 Millionen Euro
Nettoliquidität: 346,25 Millionen Euro
Free Cash-Flow: 104,66 Millionen EuroStärken
– Markt- und Qualitätsführerschaft
– auf unterschiedlichste Kundenbedürfnisse ausgerichtetes AngebotSchwächen
– Produkt ist technologisch weitgehend ausgereift und daher leicht kopierbar
– zu teure Produkte für die Wachstumsmärkte in den SchwellenländernPrognose: wettbewerbsstark
Bild: dpaSOLARWORLD
Profil: Konzern mit integrierter Wertschöpfung von der Siliziumproduktion bis zur fertigen Solarstromanlage
Umsatz 2011: 1,05 Milliarden Euro
Verlust: 299,35 Millionen Euro
Nettoschulden: 718,52 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –291 Millionen EuroStärken
– Kapazitäten ermöglichen Skaleneffekte
– solides Netzwerk bei InstallateurenSchwächen
– Kostennachteile durch zu hohe Wertschöpfungstiefe
– unterentwickeltes Kraftwerksgeschäft
– angespannte FinanzlagePrognose: Mittelmaß
Bild: dpaSUNWAYS
Profil: Solarzellenhersteller mit dem chinesischen Großaktionär LDK
Umsatz*: 84 Millionen Euro
Verlust: 11,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 36 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –11,7 Millionen EuroStärken
– Aussicht auf kostengünstigen Einkauf über chinesischen PartnerSchwächen
– kein Alleinstellungsmerkmal
– insgesamt zu kleines Produktionsvolumen für zwei Standorte
– chinesischer Großaktionär befindet sich selbst in der UmstrukturierungsphasePrognose: Mittelmaß
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Bild: PressebildALEO SOLAR
Profil: Börsennotierter Modulproduzent im Mehrheitsbesitz des Bosch-Konzerns
Umsatz 2011: 462 Millionen Euro
Verlust: 32,2 Millionen Euro
Nettoschulden: 13,1 Millionen Euro
Free Cash-Flow: – 44,1 Millionen EuroStärken
– direkter Vertrieb mit Ausrichtung auf FachhandelSchwächen
– Produktionsvolumen für Skaleneffekte zu gering
– unklare Internationalisierungsstrategie
– undurchsichtige Strategie mit den Marken aleo und avim (plus Bosch Solar)Prognose: leistungsschwach
Bild: PressebildCENTROSOLAR
Profil: Modulhersteller mit Schwerpunkt auf Dachanlagen
Umsatz 2011: 293 Millionen Euro
Verlust: 16,8 Millionen Euro
Nettoschulden: 68,8 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –28,5 Millionen EuroStärken
– Orientierung auf Endkunden und FachinstallateureSchwächen
– kaum Wachstumsaussichten in den bisherigen Hauptmärkten Italien und Frankreich zu erwarten
– Kooperationsvorteile mit taiwanesischem Partner weitgehend ungenutztPrognose: leistungsschwach
Bild: PressebildCONERGY
Profil: Hersteller schlüsselfertiger Solarsysteme von der Dachanlage bis zum Megawatt-Solarpark
Umsatz 2011: 754 Millionen Euro
Verlust: 162 Millionen Euro
Nettoschulden: 109 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –73,2 Millionen EuroStärken
– langjähriges Branchen-Know-howSchwächen
– Modul- und Gestellproduktion an Hochlohnstandorten
– keine klare Positionierung am Markt
– schwache Eigenkapitalquote, hohe VerschuldungPrognose: Überleben bedroht / leistungsschwach
Bild: dapdPHOENIX SOLAR
Profil: Planer, Erbauer und Betreiber von Fotovoltaik-Großkraftwerken
Umsatz*: 254 Millionen Euro
Verlust: 41 Millionen Euro
Nettoschulden: 11,2 Millionen Euro
Free Cash-Flow: –27,9 Millionen EuroStärken
– Geschäftsmodell, das geringen Kapitaleinsatz erfordert
– hohe FlexibilitätSchwächen
– fehlendes Alleinstellungsmerkmal
– leicht kopierbares Geschäftsmodell
– fehlende Kapitalstärke für weiteres WachstumPrognose: Überleben bedroht
* Umsatzzahlen für Januar bis September 2011
Wer hat auf dem schrumpfenden Solarmarkt noch eine Chance? Das Zentrum für Solarmarktforschung (ZFS) hat exklusiv für die WirtschaftsWoche die Zukunftssaussichten der deutschen Solarindustrie unter die Lupe genommen. Und das ist das Ergebnis....
Ebit enttäuscht
Seit die Solarbranche in China boomt, bekommen Hersteller von Solarzellen und Modulen in Deutschland, Europa und den USA erhebliche Probleme, vor allem wegen des enormen Preisverfalls. Im ersten Quartal hatte SMA Solar von einer Sonderkonjunktur profitiert. Wegen Förderkürzungen in Deutschland wie im Ausland, wo SMA mittlerweile mehr als die Hälfte seines Umsatzes macht, zogen Investoren den Kauf von Wechselrichtern vor, wie die Firma erläuterte. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz deshalb um 16,6 Prozent auf 833 Millionen Euro. Wegen der guten Auftragslage hatten Analysten ihre Erwartungen an das zweite Quartal erhöht, doch mit einem Umsatz von 429 Millionen Euro, einem operativen Ergebnis (Ebit) von 41 und einem Nettogewinn von 30 Millionen Euro enttäuschte SMA. „Das Ebit ist eine klare negative Überraschung“, erklärte DZ-Bank-Analyst Sven Kürten. Die Erhöhung der Mindestziele sei zu erwarten gewesen. SMA erwartet 2012 nun ein Ebit zwischen 100 und 150 Millionen Euro und einen Umsatz von 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro. Bisher hatte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon Erlöse von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro als realistisch erachtet.
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