Chef der Energie-Agentur: Solarförderung ist Umverteilung von Arm zu Reich

Chef der Energie-Agentur: Solarförderung ist Umverteilung von Arm zu Reich

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Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur

von Dieter Dürand

Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur, will die Förderung des Solarstroms radikal zusammenstreichen.

Herr Kohler, Sie wollen den Zuwachs an Solarstrom in Deutschland begrenzen. Warum?

Kohler: Dieses Jahr gehen Fotovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von mindestens 8000 Megawatt ans Netz. Diesen Boom hatte niemand auf der Rechnung.

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Wo liegt das Problem?

Kohler: Geht der Ausbau in diesem Tempo weiter, erreichen wir laut Bundesregierung schon in knapp zehn Jahren eine Kapazität von mehr als 50 000 Megawatt allein durch Solarstrom. An einem Sommerwochenende werden in ganz Deutschland aber gerade einmal rund 30 000 Megawatt Strom verbraucht. Es würde also ein großer Überschuss entstehen.

Und dann gehen die Netze in die Knie?

Kohler: Nicht die Netze sind das Problem, sondern die Versorgungssicherheit. Niemand weiß bisher, was wir künftig mit dem überschüssigen Strom machen sollen. Ausreichende Speicherkapazitäten wird es noch nicht geben. Auch hat bisher niemand schlüssig dargelegt, wie ein Kraftwerkspark aussehen kann, der dann Reserve- und Regelenergie für die Netze in ausreichender Größe und vor allem wirtschaftlich zur Verfügung stellen kann.

Wie viel Solar-Zubau wäre verträglich?

Kohler: Die Grenze sollte bei 1000 bis 2000 Megawatt pro Jahr liegen. Damit würden wir genügend Zeit gewinnen, die Infrastruktur an die neuen Erzeugungsstrukturen anzupassen. Und was genauso wichtig ist: Die durch die Solar-Subventionen entstehenden Kosten würden nicht weiter ungebremst wachsen.

Wird Solarstrom sonst unbezahlbar?

Kohler: Wir müssen volkswirtschaftliche Vernunft walten lassen. Schon im nächsten Jahr steigt die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz von zwei auf dreieinhalb Cent je Kilowattstunde, getrieben vor allem von der Fotovoltaik-Vergütung. Die nicht unerheblichen Kosten für die Integration des Solarstroms in die Netze und in den Kraftwerkspark sind da nicht einmal eingerechnet.

Experten erwarten, dass die Umlage die Strompreise dieses Jahr mit zusätzlich mehr als acht Milliarden Euro belastet...

...und das kann so nicht weitergehen. Die Kosten des Solarstroms sind aus unserer Sicht weder ökonomisch noch aus Gründen der Gerechtigkeit länger tragbar.

Grafik: Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien

Grafik: Vergütung für Strom aus erneuerbaren Energien

Das müssen Sie erklären.

Kohler: Die Einspeisevergütungen werden vor allem über die Stromrechnung jedem privaten Stromkunden in Rechnung gestellt. Die Mehrheit sind Mieter. Und die haben meist keine Möglichkeit, Solarstrom zu erzeugen und so mitzuverdienen. Da passiert gerade eine große Umverteilung von Arm zu Reich.

Die deutschen Solarmodulhersteller würden bei einer Deckelung den Großteil ihres wichtigsten Markts verlieren.

Kohler: Es war doch immer klar, dass die Einspeisevergütung nur dazu dienen sollte, die Wind- und Solartechnologien marktreif zu machen. Aber es kann ja nicht sein, dass wir für die Erneuerbaren auch dann noch einen subventionierten und abgeschotteten Markt haben, wenn sie 30 Prozent und mehr der Stromerzeugung in Deutschland übernehmen. Dann müssen sie sich dem Wettbewerb stellen.

Deshalb wird die Vergütung doch jährlich gekürzt.

Kohler: Ohne Mengenbegrenzung ufern die Kosten dennoch aus. Im Übrigen: Der Wechsel würde ja nicht von heute auf morgen stattfinden. Wegen des langwierigen Gesetzgebungsverfahrens würden die neuen Regeln frühestens 2013 greifen. Bis dahin, hat die Branche angekündigt, soll Solarstrom so billig geworden sein, dass er mit dem Preis von Haushaltsstrom konkurrieren kann. Dann brauchen wir die Einspeisevergütung nicht mehr.

Also weg mit dem Wohlfühlpaket für die Betreiber von Solaranlagen?

Kohler: Eine vernünftige Anpassung ist erforderlich. Wer sich heute Module aufs Dach installiert, hat die Sicherheit, dass sein Strom 20 Jahre abgenommen und vergütet wird. Das hat mit Wettbewerb nichts zu tun.

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