Demontage: Kampf gegen die Verstrahlung

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Demontage: Kampf gegen die Verstrahlung

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Das Kraftwerk in Stade (Aufnahme von 2003) wird nächstes Jahr vollständig verschwunden sein

von Wolfgang Kempkens

Der Abriss eines Atommeilers ist eine langwierige High-Tech-Veranstaltung, wie die Anlagen Würgassen und Stade zeigen.

Im ostwestfälischen Würgassen und im niedersächsischen Stade hat der Endspurt begonnen. Spätestens im nächsten Jahr verschwindet der letzte Rest der ersten deutschen Atomkraftwerke, die kommerziell betrieben wurden. Würgassen war 1997 wegen Haarrissen im Stahlmantel des Reaktorkerns vom Betreiber PreussenElektra stillgelegt worden, der 2000 im Düsseldorfer Energiekonzern E.On aufging. „Ausschließlich aufgrund wirtschaftlicher Betrachtungen“ hatte E.On Ende 2003 seinen Atommeiler in Stade für immer abgeschaltet.

Zurzeit werden in Deutschland acht Anlagen mit insgesamt 13 Reaktorblöcken abgerissen. E.On hat sich in Stade und Würgassen für den technisch anspruchs- volleren Weg entschieden, die Bauwerke aus der Welt zu schaffen. Statt, wie dies seit 1989 beim Hochtemperaturreaktor im westfälischen Hamm-Uentrop geschieht, die Radioaktivität im Innern der Anlage 30 Jahre abklingen zu lassen und dann erst mit dem Abriss zu beginnen, legte E.On bei den beiden Anlagen direkt los.

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Quelle: dpa

Trotzdem dauert auch hier der Totalabbau weit mehr als zehn Jahre. Denn das Prozedere ist kompliziert, verläuft in mehreren teilweise parallelen Etappen.

-Nach der Stilllegung werden als Erstes im Zeitraum von einigen Tagen die bis zu fünf Meter langen hoch radioaktiven Brennelemente entfernt. Sie bestehen aus mehr als 100 fingerdicken Metallstäben, gefüllt mit Uran- und Plutoniumresten und Atommüll. Sie werden herausgehievt und zum Abklingen in einem Wasserbecken außerhalb der Reaktorkuppel versenkt.

-Gleichzeitig beginnt außerhalb der Reaktorkuppel die Demontage aller Komponenten, etwa des Turbogenerators, der den Strom erzeugte. Bei einem Druckwasserreaktor wie in Stade ist er garantiert frei von radioaktiven Partikeln, sodass er problemlos zerlegt und deponiert oder recycelt werden kann. Bei Siedewasserreaktoren wie in Würgassen ist das anders. Sie bezogen ihren Dampf, der den Generator antrieb, direkt aus dem Reaktor. Vor der Demontage müssen die Komponenten deshalb dekontaminiert, also von radioaktiven Ablagerungen befreit werden.

-Auch die kilometerlangen Rohre, Pumpen und Wärmetauscher müssen dekontaminiert werden. Das geschieht nach Putzfrauenart mit Wischlappen, die dadurch selbst zu Atommüll werden. Kein Körnchen radioaktiven Materials darf übrig bleiben.

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