E.on-Hauptversammlung: Der Überlebenskünstler

E.on-Hauptversammlung: Der Überlebenskünstler

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Johannes Teyssen.

von Andreas Macho

E.On-Chef Johannes Teyssen versucht trotz des Rekordverlusts im Vorjahr seine Aktionäre bei der Stange zu halten. In Essen gelingt ihm dieses Kunststück erstaunlich gut.

E.On-Chef Johannes Teyssen mag es sportlich. Nur wenige Minuten vor seiner halbstündigen Rede bei der E.On-Hauptversammlung in der Essener Grugahalle gibt sich der Chef des Energieriesen entspannt. Seit 17 Jahren erlebe er nun diese Hauptversammlungen. So öde wie in diesem Jahr sei es aber noch selten gewesen: „Es gibt nicht einmal einen Gegenantrag gegen die Entlastung des Vorstands“, scherzt Teyssen, bevor er ans Rednerpult eilt.

Die Lockerheit von Teyssen verwundert. Denn der Druck auf den 57-jährigen Konzernlenker ist enorm. Aus dem einst wertvollsten Unternehmen Deutschlands ist ein schwankender Riese geworden: Nach dem höchsten Verlust seiner Unternehmensgeschichte von 16 Milliarden Euro im vergangenen Jahr startete der Konzern 2017 erneut mit einem mauen Ergebnis. Der Nettogewinn im ersten Quartal 2017 halbierte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 628 Millionen Euro. 

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Bereits bei der Präsentation der Quartalszahlen versprach Teyssen, bilanziell reinen Tisch gemacht und den Grundstein zum Wachstumspfad gelegt zu haben. Doch der Gegenwind ist derzeit in allen Kernbereichen des Konzerns rau. Die Ökostromerzeugung verliert durch die neuen Ausschreibungsmodelle und die enorme Konkurrenz an Attraktivität. Die Strompreise sind ohnehin im Keller. Und auch für der Ausstieg aus der Atomkraft muss E.On noch einmal tief in die Tasche greifen: Rund 10 Milliarden Euro müssen Mitte des Jahres an den staatlichen Fonds überwiesen werden, um sich aus der Verantwortung für die Atommüll-Endlagerung freizukaufen. 

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E.On-Chef Johannes Teyssen Quelle: dpa

Am Rednerpult in Essen beschwor Teyssen abermals  die „Neue Energiewelt“, in der sein Unternehmen nun angekommen sei. Mit der Abspaltung der Gas- und Kohletochter Uniper habe sich sein Unternehmen „sauber, transparent und konsequent von der alten Energiewelt verabschiedet“. Der Preis dafür war allerdings enorm: 14 Milliarden Euro des Jahresfehlbetrags 2016 resultierte laut Teyssen „allein aus den Geschäftsbereichen, die heute bei Uniper fortgeführt werden.“ Wann sich E.On von seiner verbliebenen Uniper-Beteiligung trennen will, verriet Teyssen nicht: „Sie wird zeitnah erfolgen, aber auch so wertschaffend, wie es die Märkte erlauben.“

Sein „Leistungsversprechen“ erneuerte der E.On-Chef in Essen: „Wir haben versprochen, dass wir die operativen Gewinne mit einem bereinigten EBIT von 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro nahezu konstant halten werden. Diese Versprechen gelten.“ Das Wachstum, um dieses Ergebnis zu liefern, soll neben neuen Produkten im Solarbereich und den Geschäft mit Erneuerbaren maßgeblich aus den Energienetzen kommen.

Unwidersprochen blieb das Wachstumsversprechen Teyssens nicht: Alexander Elsmann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SDK) wittert statt einem „Befreiungsschlag“ nach der Abspaltung von Uniper mit Blick auf den Milliardenverlust einen „Schlag ins Kontor“. Von den  Wachstumsmöglichkeiten ist er noch nicht überzeugt. Auch Thomas Deser, Portfoliomanager von Union Investment, sieht in den Kernbereichen Netze, Vertrieb und Stromerzeugung kaum Wachstum. 

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Doch selbst seine Kritiker haben für Teyssen Lob übrig: „Sie sind ein Überlebenskünstler“, lobte Deser.  So sieht er den „atemberaubenden Niedergang“ von E.On neben „hausgemachten Problemen“ eben auch stark in den Wirren der Energiewende und dem Strompreisverfall bedingt. Auch deshalb habe Teyssen in den vergangenen sieben Jahren nur drei Mal schwarze Zahlen geschrieben. Dennoch sieht er den E.On-Chef nun unter Zugzwang: „Sie brauchen jetzt Erfolge!“

Versöhnlich geben sich die Aktionäre beim Thema Dividende, die Teyssen mit 21 Cent pro Aktie vorschlug. So zeigte Elsmann sich verwundert, dass überhaupt eine Dividende ausgezahlt wird, obwohl der Konzern neues Fremdkapital aufnehmen muss. Darauf applaudierte sogar das sonst zurückhaltende Publikum in der Grugahalle. Seine Aktionäre, das demonstrierte er in Essen, hat Konzernlenker Teyssen voll im Griff. Nun muss er die Börse von seiner neuen Energiewelt überzeugen.

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