E.On macht tabula rasa in Brasilien: Basta mit Batista

E.On macht tabula rasa in Brasilien: Basta mit Batista

von Andreas Wildhagen

Unruhen in der Türkei, Unsicherheiten in Brasilien: E.On ist bisher noch glücklos bei seinen Auslandsabenteuern. Nun wird der Geschäftspartner Eike Batista aus Rio de Janeiro aus dem Gemeinschaftsunternehmen MPX herausgedrängt. Der Deutschbrasilianer hat sich als klamm und unzuverlässig erwiesen. Für das Düsseldorfer Energieunternehmen bedeutet das eine schwere Schlappe.

E.On wollte eigentlich raus aus Deutschland, hinein in die Welt der tausend Möglichkeiten. Weg vom griesgrämigen Energieausstieg mit seinen teutonischen Bedenkenträgern und Technikfeinden in der Politik. In den Schwellenländern, so die Verheißung von E.On-Chef Johannes Teyssen, sollte der größte deutsche Energiekonzern mit den meisten Atomkraftwerken hierzulande sein Glück suchen. Die Kernkraftwerke werden bis 2022 abgeschaltet, E.On war auf der Suche nach neuen Goldgruben. Die Wachstumsländer Türkei und Brasilien wurden vom damaligen E.On-Projektentwickler Frank Mastiaux, mittlerweile Vorstandschef des E.On-Konkurrenten EnBW ausgeguckt. Johannes Teyssen sah ein neues Geschäftsmodell heraufziehen.

Es sollten Partner sein, die E.On in den fernen und fremden Gefilden helfen sollten, im Energiemarkt Fuß zu fassen. Nun wirft einer dieser Wunderknaben hin: Der Deutschbrasilianer Eike Batista. Gestern teilte E.On mit, dass Batista aus dem Board (Aufsichtsrat) von MPX, der Gemeinschaftsfirma von E.On und dem Tausendsassa aus Brasilien ausscheidet. Das Amt übernimmt E.On-Vorstand Jörgen Kildahl. „E.On unterstützt die Weiterentwicklung des grundsoliden Unternehmens“, teilte Kildahl trotzig mit.

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Es kommt einem Hinauswurf nahe. „E.On greift in Brasilien durch“, titelte die Börsenzeitung heute morgen. MPX werde in Kürze unter einem neuen Namen auftreten, schreibt das Blatt. Man wolle sich nach außen sichtbar „aus dem Dunstkreis von Batista“, dem Liebhaber schneller Autos und Yachten und dem nicht immer flüssigen Forbes-Milliardär, herausziehen. Bastistas MPX hat Probleme.

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Das Unternehmen, an dem E.On 36 Prozent hält und seinen Anteil auf 38 Prozent erhöhen muss, weil Batista eine Kapitalerhöhung nicht mitmachen kann, kämpft mit Fehlinvestitionen, die auf das Konto von Batista gehen. Fehlspekulationen bei einem Hafenprojekt gehören dazu. Eigentlich wollte E.On mit dem Vehikel MPX zusammen mit dem einflussreichen Brasilianer neue Kraftwerksprojekte angehen, der Energiehunger von Brasilien ist riesengroß, es wurden ursprünglich mit Zuwachsraten im Energiesektor von 20 Prozent jährlich gerechnet.

Auch in der Türkei ist manches nicht mehr so sicher wie in der E.On-Chefetage gedacht. Die Unruhen in der Türkei in den vergangenen Wochen lassen berühren zwar nicht das Wachstumsmodell der Türkei, die auch mit Hilfe von E.On vom Energieimporteur zum Exporteur werden will, aber die großen Clans, die am Ancien Regime in Ankara hängen, werden durch die gesellschaftlichen Umbrüche in der Türkei eher geschwächt.

Und ausgerechnet mit so einem Clan, der allgegenwärtigen Istanbuler Industriellenfamilie Sabanci, will E.On in der Türkei große Energieprojekte finanzieren. Batista, Sabanci … für einen stets in Deutschland agierenden Versorger, der aus den zwei ehemaligen Staatsunternehmen Viag und Veba erstanden ist und stets von Verwaltungsjuristen geführt wird, ist die große weite Welt doch ein fremder, gefahrvoller  Planet.

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