E.On, RWE und EnBw : Was vom Oettinger-Vorschlag zu halten ist

E.On, RWE und EnBw : Was vom Oettinger-Vorschlag zu halten ist

von Andreas Wildhagen

EU-Kommissar Günther Oettinger schlägt die Fusion von E.On und RWE vor. Passen die beiden deutschen Energiekonzerne überhaupt zusammen? Oettingers Vorschlag wurde vielerorts nicht ganz ernst genommen, entfachte aber eine seit Liberalisierungszeiten nie gekannte Fusionsphantasie für die Energiebranche. Eine Analyse von Positiv- und Negativpunkten von Fusionen von E.On, RWE und EnBW.

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Günther Oettinger hat eine Vision: Durch eine Fusion könnten die beiden Stromversorger RWE und E.On aus der Regionalliga zu den Großen der Branche aufsteigen.

Das Jahr ist gerade zehn Tage alt und schon kommt der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg und EU-Energiekommissar Günther Oettinger mit einem verspäteten Knaller um die Ecke. Oder ist er beim Bleigießen ins Sinnieren gekommen? Der Ruhrgebietsversorger RWE aus Essen und das Düsseldorfer Energieunternehmen E.On sollten doch fusionieren, sagte er der Düsseldorfer Regionalzeitung „Rheinische Post“. Nur so könnten sich beide Unternehmen aus der Regionalliga, in der sie sich zur Zeit noch befinden, heraus katapultieren und sich auf Augenhöhe mit dem russischen Gasriesen Gazprom und dem US-Platzhirschen Exxon hieven – Exxon, dem Unternehmen aus der Gründerzeit des legendären Rockefeller, das älteste und größte Energieunternehmen der Welt.

Auf vielen Feldern würden E.On und RWE zusammenpassen, auf einigen aber auch nicht, in wesentlichen Geschäftsbereichen würden sie sich als Einheit sogar behindern. Doch Denkverbote sollte man nicht aussprechen. Ein Gedankenspiel nach Oettinger-Art:

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Pluspunkte einer E.On-RWE-Fusion

  • Beide Energieriesen haben zur Zeit mächtige Probleme mit dem Vorlieferanten Gazprom. Sie beziehen ihr Gas aus Russland, das sie hier in Deutschland an Stadtwerke weiterverkaufen. Der Erdgaspreis ist zu hoch. Die Langfristverträge will Gazprom nicht aufbrechen. Gerade sind Verhandlungen von RWE mit Gazprom gescheitert, sie sollten preiswertes Erdgas ermöglichen, auch um neue Gaskraftwerke als Ersatz für stillgelegte Atommeiler nach der Energiewende zu schaffen. Viele RWE-Manager erkannten, dass RWE als Abnahmemacht zu klein ist für Gazprom. Druck könnte man nur im ganz engen Schulterschluss mit E.On hinbekommen, die ihrerseits mit den Russen verhandeln und auch nicht weiterkommen. Ein E.On-RWE-Konzern könnte mehr Gewicht auf die Waage bringen und die Russen verhandlungswillig an den Tisch zwingen
  • E.On und RWE könnten ganz gewaltig die Kosten senken, wenn sie ihre Verwaltungsstandorte zusammenlegen. Essen, Dortmund, München und Hannover könnten ganz in Düsseldorf konzentriert werden. Verwaltungskosten in Höhe von 50 Prozent könnten laut Insiderschätzung eingespart werden. Der RWE-Turm in Essen, bisher die Zentrale des Versorgers, könnte „schnell vermietet oder verkauft werden“, sagen Immobilienexperten schon jetzt.
  • Der Abriss von Atomkraftwerken könnte billiger ausgeführt werden, wenn beide Konzerne zusammen als Auftraggeber auftreten
  • Beide Konzerne könnten ihr Versorgungsgebiet zusammenführen, das heißt die Gebiete von Westdeutschland (RWE), Nord-(E.On) und Süddeutschland (E.On) können vereinheitlicht werden. Das spart Kosten.
  • RWE-Strom könnte unter der bundesweit bekannten Marke E.On mehr Bekanntheit bekommen. Der Name RWE ist außerhalb von Nordrhein-Westfalen kaum bekannt, wird außerhalb des Stammlandes beispielsweise oft mit „Rewe“ verwechselt.
    E.On hat bisher eine überzeugende Werbestrategie durchgezogen, wird im TV beworben, RWE nicht.
  • E.On-Chef Johannes Teyssen ist schon mal als RWE-Chef gehandelt worden, wäre also beim kommunal beeinflussten Versorger akzeptiert. Bei RWE dagegen steht im Sommer gerade ein Chefwechsel an, der umstrittene Jürgen Großmann geht, der Niederländer Peter Terium soll kommen, ist aber noch ein unbeschriebenes Blatt. Noch ist der Wechsel nicht vollzogen. In das Vakuum könnte Teyssen ohne große Widerstände bei RWE stoßen.
  • Mit der Annahme der E.On-Kultur könnte im zerstrittenen RWE-Management endlich Ruhe einkehren.
  • Wenn die Kommunen, die 25 Prozent an RWE halten, verkaufen, könnte der neue Konzern vollständig privatisiert werden
  • E.On und RWE wollen in Großbritannien Atomkraftwerke bauen. Das Großprojekt könnten sie demnächst nicht nur in einer Partnerschaft, sondern als einheitliches Unternehmen betreiben.
  • Der Name RWE könnte ganz und exklusiv vom Essener Fußballclub Rot-Weiß Essen (ebenfalls RWE) beansprucht werden.

Die Negativ-Punkte des Oettinger-Vorschlages

  • E.On und RWE verdoppeln ihre Schwächen, in dem sie auslaufende Atomkraftwerke zusammenlegen.
  • Ein Einheitskonzern würde deutscher sein, als es ein Energieunternehmen in Deutschland je war. Das läuft den Internationalisierungsbemühungen bei E.On stark entgegen, die Strategie in Schwellenländern wie Indien und Brasilien zu investieren würde hintangestellt. E.On und RWE könnten sich mit ihren addierten Schwierigkeiten als Riesen-Problem-Bär erweisen.
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