KommentarE.On: Von der Energiewende ausgebremst

08. Mai 2013
Der Energieversorger E.On kämpft weiter mit den Schwierigkeiten des Atomausstiegs. Quelle: dpaBild vergrößern
Der Energieversorger E.On kämpft weiter mit den Schwierigkeiten des Atomausstiegs. Quelle: dpa
von Andreas Wildhagen

Der Düsseldorfer Energiekonzern kämpft immer noch gegen die Schwierigkeiten des Atomausstiegs. Sein Heil sucht der Konzern aber nicht in Deutschland.

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Was waren das für Zeiten! Alle 17 Kernkraftwerke in Deutschland liefen unter Volllast und bescherten ihren Betreibern Milliardengewinne. Da konnte man es sich locker leisten, da und dort ein Windrad aufzustellen, um das Ökobewusstsein unter Beweis zu stellen. Auch die Wasserkraftwerke, einst waren sie E.Ons ganzer Stolz, liefen mit Hilfe der Kernkraft profitabel. Atomstrom pumpte das Wasser auf die Höhen, und wenn es dann wieder talwärts rauschte, trieb es Turbinen an, die wiederum Energie produzierten. Dieses sehr bequeme System steht symbolisch für die damals paradiesischen Zeiten der Energiewirtschaft mit den schier unerschöpflichen Gewinnquellen.

Die Zeiten sind vorbei. Seit der Energiewende fallen die Gewinne der Atommeiler zur Hälfte weg, Tendenz fallend. 2022 wird der letzte Meiler abgeschaltet. Die großen Versorger, auch E.On, müssen sich etwas Neues einfallen lassen. Der Einbruch wird bei E.On im ersten Quartal des Geschäftsjahres besonders schmerzlich: Der Konzern verdiente in den ersten drei Monaten um Sondereffekte bereinigt 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Immerhin waren es 1,4 Milliarden Euro. E.On hat wie einige Konkurrenten Schwierigkeiten, seine Kraftwerke profitabel zu betreiben. Das trifft vor allem auf Gaskraftwerke zu, die einst so hochgelobten, "sauberen" Stromproduzenten.

E.On nach 20 Monaten Energiewende

  • Umsatz

    E.On hat seinen Umsatz zwischen 2010 und 2012 von 93 Milliarden Euro auf 118 Milliarden Euro gesteigert.

  • Konzernüberschuss

    Beim Konzernüberschuss (Fehlbetrag) musste E.On 2011 ein Minus von 1,8 Milliarden Euro ausweisen, 2012 steht hier wieder ein Plus von 2,6 Milliarden Euro.

    Der nachhaltige Konzernüberschuss (bereinigt um außergewöhnliche Effekte) lag 2010 noch bei 4,8 Milliarden Euro, brach 2011 auf 2,5 Milliarden ein und stabilisierte sich 2012 wieder bei 4,2 Milliarden.

  • Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen

    Der Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen (Ebitda) nahm von 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 10,8 Milliarden im Jahr 2012 ab. 2011 war er auf 9,3 Milliarden abgesackt.

  • Nettoverschuldung Ebitda

    Der Wert sank von 37,7 im Jahr 2010 auf 36 im Jahr 2012.

  • Anteil abgeschalteter & noch abzuschaltender Atomkraftwerke

    E.On hat bereits Kraftwerke abgeschaltet, die einem Anteil von 15 Prozent an seiner Gesamtstromkapazität entsprechen. Weitere 26 Prozent stehen noch aus.

  • Anteil Gas an Stromerzeugung

    Der Gasanteil lag 2012 bei 35 Prozent und damit auf dem selben Wert wie 2010. 2011 lag er mit 38 Prozent zwischenzeitlich etwas höher.

  • Anteil Steinkohle an Stromerzeugung

    Steinkohle hat für E.On an Bedeutung gewonnen. Der Anteil stieg von 23 Prozent in den Jahren 2010 und 2011 auf 26 Prozent im Jahr 2012.

  • Anteil Braunkohle an Stromerzeugung

    Braunkohle-Kraftwerke spielen bei E.On mit einem Anteil von fünf bis sechs Prozent in den vergangenen drei Jahren eine untergeordnete Rolle.

  • Anteil Erneuerbare an Stromerzeugung

    Die erneuerbare Energie hat E.On von 11 Prozent auf 12 Prozent im Jahr 2012 leicht ausgebaut.

  • Anteil Wind an Stromerzeugung

    Der Anteil der Windkraft stieg dabei von drei auf vier Prozent zwischen 2010 und 2012.

  • Unternehmenswert

    Der Wert des Konzerns fiel beträchtlich. Waren es 2010 noch 45,8 Milliarden Euro, wird E.On 2012 nur noch mit 28,2 Milliarden Euro bewertet.

  • Fazit

    Der Börsenwert ist dramatisch eingebrochen. Die Gewinne können nur durch Beteiligungsverkäufe gehalten werden.

Sein Heil sucht E.On nicht in Deutschland, sondern im Ausland. Weit weg vom Kontinent, vor allem in Brasilien und demnächst auch in Indien, will E.On zusammen mit Partnern Energieunternehmen gründen, die den hohen Energiebedarf der Schwellenländer decken können. Doch hat E.On in der Anfangsphase Pech mit seinem Partner in Brasilien.

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Aus purer Not musste E.On Anteile des Partnerunternehmens dazukaufen, obwohl dies eigentlich nicht vorgesehen war. Einmal mehr bestätigte sich die dunkle Vorahnung des E.On-Chef Johannes Teyssen: "Auf E.On wartet niemand".

Der Konzern muss sich schon allein am Schopfe aus dem Sumpf der Energiewende ziehen, wenn er so profitabel, stolz und mächtig sein will wie einst.

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