
RWE-Chef Peter Terium nimmt bei RWE das Tempo heraus: Es werden Jobs gestrichen, mehr als ursprünglich geplant. Statt 8000 Arbeitsplätze werden es nun 2400 zusätzliche Jobs, die abgebaut werden. Akquisitionen? Erst einmal nicht im großen Stil, so die Botschaft des Vorstands. Gleichzeitig wird bei RWE nicht nur gestrichen, sondern auch zusammengelegt. So plant Terium die Gründung einer länderübergreifenden Kraftwerksgesellschaft, die in Form einer europäischen Aktiengesellschaft (SE) Anfang 2013 mit Sitz in Deutschland ihre Arbeit aufnehmen soll. In welcher Stadt RWE diese Ländergesellschaft gründen will, ist dabei noch offen. Wahrscheinlich aber wird es Essen sein.
Dass der RWE-Vorstand sich nicht durchringen konnte, den genauen Ort zu benennen, in der die Gesellschaft gegründet wird, zeigt die Unsicherheit, in der das Versorgungsunternehmen zur Zeit schwimmt. Wie sich der Abbau der 10.400 Arbeitsplätze in ein paar Jahren auf die Gesamtbelegschaft auswirken will, darüber wollten die RWE-Manager in ihrem Halbjahresbericht auch nichts sagen.
Bild: dpaRWE
Geplante Einsparungen
1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in 2013 und 2014.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Jetzt legte der neue Chef Peter Terium nach - weitere 2400 Stellen werden gestrichen. Das sei unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Bild: REUTERSE.On
Geplante Einsparungen
Bis 2015 will Konzernchef Johannes Teyssen die beeinflussbaren Kosten auf 9,5 Milliarden senken. Das Sparprogramm trägt den Titel E.On 2.0.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
E.On will bis 2015 bis zu 11.000 seiner 80.000 Stellen weltweit abbauen, allein 6000 davon in Deutschland. Die Gewerkschaften ver.di und IG BCE haben sich bereits mit E.On auf einen Tarifvertrag zur Umsetzung des Stellenabbaus in Deutschland geeinigt.
Der Konzern stehe "im Stromerzeugungsgeschäft vor immensen Belastungen", sagte Konzernchef Johannes Teyssen bei der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal. Das angestrebte Ziel eines nachhaltigen Gewinns von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro erscheine 2013 angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten und der strukturellen Veränderungen im Energiesektor nicht mehr möglich.
Bild: dapdDer Tarifvertrag läuft bis 2016 und sieht Vorruhestandsregelungen, Abfindungen, die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft sowie zeitlich nachgelagert die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor.
E.On- Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Würgassen – stillgelegt
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Unterwese (stillgelegt)
Isar 1 und Isar 2 (Block 1 mit Atommoratorium stillgelegt)
Brokdorf
Grafenrheinfeld
Grohnde (83,3 % E.On, 16,7 % Stadtwerke Bielefeld)
Gundremmingen B und C (25 % E.On, 75 % RWE)
Emsland ( 12,5 % E.On, 87,5 % RWE)
Bild: dapdMehr Details zum Sparprogramm soll es am 14. August bei der Präsentation der Halbjahresbilanz geben. Terium forderte die Mitarbeiter bereits jetzt zu mehr Flexibilität auf: „Mitarbeiter müssen geografisch und funktional flexibler werden." Wer seinen Arbeitsplatz in Biblis verliere, könne doch zum Beispiel in Niederaußem anfangen.
Die Kraftwerkstochter RWE Power will in den kommenden fünf Jahren rund 1.000 von 17.000Arbeitsplätzen streichen.
RWE-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Biblis (stillgelegt)
Emsland
Gundremmingen (75% Beteiligung)
Lingen (im Rückbau)
Mülheim-Kärlich (im Rückbau)
Borssele (Niederlande, 30 % Beteilung)
Bild: dpaVattenfall
Geplante Einsparungen
Deutschlands viertgrößter Energieanbieter streicht den Kundenservice in Berlin und Hamburg zusammen. Spätestens 2014 will der Konzern in diesem Bereich 27 Millionen Euro sparen. Jährlich will der schwedische Staatskonzern 600 Millionen Euro sparen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Vattenfall Europe beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter in Deutschland. Im Kundenservice in Hamburg und Berlin arbeiten insgesamt 900 Menschen, davon soll rund jede dritte Stelle gestrichen werden. „Der notwendige Personalabbau soll sozialverträglich gestaltet und betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden“, teilte der Konzern mit.
Bild: dpaDie Beschäftigten erhalten nun Angebote für Altersteilzeit, Teilzeit oder Abfindungen. Zur Debatte hatte auch gestanden, den Kundenservice komplett aus dem Konzern auszulagern. Die Konzernleitung entschied sich in Absprache mit dem Betriebsrat dagegen.
Vattenfall-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Brokdorf (20 % Vattenfall, 80 % E.ON)
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Bild: dpaEnBW
Geplante Einsparungen:
Das bereits im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Ebit-wirksame Entlastung von 750 Millionen Euro bringen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
EnBw beschäftigt derzeit rund 21.000 Mitarbeiter. Im Sommer 2011 berichtete der Südwestrundfunk über geplante Stellenkürzungen bei EnBW. Per Stellenabbau sollten Einsparungen in Höhe von 200 Millionen möglich sein, berichtete der Sender. Damit würde ein Großteil der angekündigten 300-Millionen-Einsparungen mit Stellenabbau erreicht. Der Sender berief sich auf Angaben von EnBw-Personalvorsatnd Bernhard Beck, die der Konzern jedoch nicht bestätigen wollte. Kündigungen sollte es jedoch nicht geben, bestätigte ein Sprecher. Legt man einen durchschnittlichen Personalaufwand von rund 80.000 Euro im Jahr und pro Mitarbeiter zugrunde, würden so bis 2013 rund 2.500 Stellen wegfallen.
EnBW-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Neckarwestheim – teilweise stillgelegt
Obrigheim – im Rückbau
Philippsburg
Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung)
RWE
Geplante Einsparungen
1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in 2013 und 2014.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Jetzt legte der neue Chef Peter Terium nach - weitere 2400 Stellen werden gestrichen. Das sei unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Immerhin hat RWE mit dem norwegischen Erdgaslieferanten Statoil eine Einigung erzielt, die bei Gaslieferverträgen nun eine Preissenkung bewirkt. Terium: „Mit Statoil hat ein weiterer Lieferant eingewilligt, dass sich die Entgelte nunmehr an den aktuellen Marktbedingungen ausrichten.“ Im Klartext: Statoil akzeptiert, dass sich mit dem Flüssiggas LNG, das aus allen Kontinenten in Tankern nach Europa kommt, ein neuer Markt eröffnet, der preiswerteres Erdgas aufbietet als die in Langfristverträgen festgezurrten Preisklauseln des Pipelinegases.
Nach dem ersten Erfolg mit Statoil steht nun der schwerste Brocken noch aus: Gazprom. Der russische Gaslieferant hat kürzlich mit E.On einen Verhandlungserfolg hingelegt. RWE konnte so einen Erfolg heute nicht vermelden. Es hakt in den Verhandlungen, und die RWE-Vorstände machen keine Hoffnung, dass sie sich noch in diesem Jahr mit den Russen einigen können. Begründung aus den RWE-Chefetagen: „Wir wollen kein Verhandlungsergebnis, das in den kommenden Jahren Nachverhandlungen nötig macht.“ Vorsicht heißt also auch hier die Mutter der Porzellankiste.

























