EnBW: Dubioser Lobbyist bedrängt EnBW

exklusivEnBW: Dubioser Lobbyist bedrängt EnBW

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Andrej Bykow ist berühmt für seine Undurchsichtigkeiten und schillernden Auftritte, nun wandte er sich mit einem Brief an die EnbW-Spitze

von Andreas Wildhagen und Florian Willershausen

Der russische Geschäftsmann und Zampano Andrej Bykow attackiert den Energiekonzern mit einem skurrilen Brief und zeigt, wie lästig er noch werden kann.

Andrej Bykow wird in der deutsch-russischen Energieszene als fantasievoller Mann beschrieben, dessen Temperament untypisch für die knochentrockene Branche der Energiewirtschaft ist. Er hat als Lobbyist dem baden-württembergischen Versorger EnBW schon so manchen hochrangigen Kontakt in Russland verschafft – und gehörigen Ärger dazu.

Nun sorgte er mit einem skurrilen Brief für Amüsement. Das führt in der Spitze der EnBW-Zentrale in Karlsruhe nicht nur zu befreiendem Lachen. Beim scheidenden Konzernchef Hans-Peter Villis keimt vor allem die stille Hoffnung, dass sich der Energielobbyist mit seinen blumigen Zeilen ins Abseits manövriert.

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Die EnBW-Geschäftsfelder

  • Stromnetz und -vertrieb

    Den größten Anteil am EnBW-Geschäft macht das Stromnetz und der Stromvertrieb aus. Hierauf entfielen im Geschäftsjahr 57,2 Prozent des Umsatzes. Der Ertrag stieg von 10,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 um 5,4 Prozent auf 10,7 Milliarden.

  • Stromerzeugung und -handel

    29 Prozent macht das Geschäft mit Stromerzeugung und Stromhandel am EnBW-Umsatz aus. Dort verzeichnete der Konzern 2011 den größten Umsatzsprung. Erwirtschaftete der er damit 2010 noch 4,8 Milliarden Euro, waren es vergangenes Jahr 13,1 Prozent mehr (5,4 Milliarden).

  • Gas

    Gas ist mit einem Umsatzanteil von 9,7 Prozent das drittgrößte Geschäft für EnBW. In diesem Segment verzeichnete der Konzern im Geschäftsjahr 2011 den niedrigsten Umsatzanstieg. Der Ertrag kletterte um 1,7 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro (2010: 1,8 Milliarden Euro).

  • Energie- und Umweltdienstleistungen

    Die kleinste Geschäftseinheit sind nach Ertrag die Energie- und Umweltdienstleistungen. Sie machten mit ihren 780,4 Millionen Euro im Jahr 2011 einen Umsatzanteil von 4,1 Prozent aus. Immerhin stieg der Umsatz der Sparte am zweithöchsten (9,7 Prozent). 2010 erwirtschaftete die Einheit noch 711,2 Millionen Euro.

Bykow hat in jüngster Vergangenheit EnBW mit Behauptungen traktiert, die zur weiteren Verunsicherung des viertgrößten deutschen Energieversorgers beitrugen. Die Staatsanwaltschaft in Mannheim geht einem Korruptionsverdacht bei EnBW in Höhe von 200 Millionen Euro nach. Zusammen mit den Strafverfolgern in Stuttgart ermittelt sie gegen frühere EnBW-Manager, die mit EnBW Schindluder getrieben haben sollen. Eine spektakuläre Razzia bei dem früheren Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) und seinem Freund Dirk Notheis, dem Deutschland-Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley, flimmerte vorige Woche über die Fernseher.

Korruption bei EnBW

Bykows Brief passt zu seinem Ruf des großen Zampanos, der für seine Undurchsichtigkeiten und schillernden Auftritte berühmt und berüchtigt ist. Weit holt er aus in seiner zwölfseitigen Epistel, um tief in der Welt der Geschichte anzukommen: Da „die kommunistische Revolution in Russland im Oktober 1917 von der Regierung des Deutschen Reiches vorbereitet und finanziert“ worden sei, gebe es „eine Mitschuld der Deutschen an der kommunistischen Diktatur“. Mit solchen Worten wandte sich Bykow am 30. Juni an den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), dessen Finanzminister Nils Schmid (SPD) und an neun staunende Landräte der schwäbischen Kommunen, die 46 Prozent an EnBW halten.

Damit zielte der Russe auf die angebliche Lobbying-Idee des früheren EnBW-Vorstands, 200 Millionen Euro aus den Kassen der EnBW über die Bykow-Einrichtung „St. Nikolaus-Stiftung“ an russische Kultureinrichtungen und Kindergärten auszuzahlen. In der Angelegenheit tobt gerade ein Streit, ob dies EnBW möglicherweise als Korruption auszulegen sei, um in Russland ins Gasgeschäft einzusteigen. In seinem Brief interpretiert er das jedoch völlig anders, nämlich quasi als „Wiedergutmachung seitens der Württemberger für die deutsche Finanzierung der Bolschewiki“. Denn wenn Bykow eines weiß, dann, dass Deutschlands letzter Kaiser Wilhelm II. 1917 den russischen Exil-Kommunisten Lenin in einem plombierten Zug aus der Schweiz durch das Reich gen St.Petersburg fahren ließ, um den Zar zu stürzen – was bekanntlich auch passierte.

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