Energie: Das Stromnetz der Zukunft - Seite 3

Energie: Das Stromnetz der Zukunft

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Grafik: Stromnetz
Grafik: Stromnetz

Eines der größten Probleme der neuen Energiewelt sind die Speichermöglichkeiten. Im Rahmen von E-Energy soll daher die Einbindung vieler kleiner Stromspeicher zur besseren Auslastung der Netze erforscht werden. Wenn der Wind stark weht, könnten Industriebetriebe ihre Druckluftvorräte auffüllen, Schwimmbäder das Wasser heizen und Kühlhäuser die Temperaturen herunterfahren. Als nahezu unbegrenzter Puffer hoffen Experten auf Elektrofahrzeuge, die in einigen Jahren massenhaft auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen. Wären die 45 Millionen Autos in Deutschland Hybridfahrzeuge, die teils elektrisch, teils mit Kraftstoff fahren, so ergäbe sich eine maximale Ladeleistung von etwa 270 Gigawatt – mehr als das Doppelte der hierzulande installierten Kraftwerksleistung.

Das Problem: Besonders die Verteilnetze im Niederspannungsbereich sind für die Energieversorger heute noch eine Blackbox. Weil die Netze kaum mit kommunikationsfähigen Komponenten ausgerüstet sind, bleiben Informationen über den Energiekonsum der Verbraucher oder über Zustand und Effizienz der Leitungen im Dunkeln. Erst wenn mithilfe von Sensoren und den intelligenten Zählern neben den Elektronen auch die Daten fließen, sind die Stromversorger über den aktuellen Zustand ihrer Netze im Bilde. Übertragen werden die Daten übers Internet oder die Mobilfunknetze.

Bei aller Euphorie sind jedoch noch zahlreiche Hürden zu überwinden. So fehlt ein Standard, der das Zusammenspiel von Stromzählern, Verteilstationen und Steuersoftware regelt. „Derzeit gibt es weltweit 360 verschiedene Kommunikationsprotokolle in der Energiebranche“, klagt Cisco-Experte Christian Feisst. Das wäre ungefähr so, als gebe es über 100 verschiedene Mailprogramme, die nicht miteinander kommunizieren können. „Inkompatible Technologien im Smart Grid wären der Albtraum“, ergänzt GTM-Analyst Leeds.

Aufbaur wird größte Herausforderung des Jahrhunderts

Hinter den Kulissen braut sich derweil ein neuer Konflikt zusammen: Brauchen wir zur Absicherung einer Grundversorgung verlässlich produzierten Strom aus Atom- und Braunkohlekraftwerken? Oder können regenerative Quellen im Zusammenspiel mit modernen Gaskraftwerken das zunehmend übernehmen, unterstützt durch neue Speichertechnologien, wie der Flensburger Energieökonom Olav Hohmeyer glaubt? Der Leiter der Deutschen Energie-Agentur Stephan Kohler hält die Überlegung für ein Spiel mit dem Feuer. „Ohne neue Kraftwerke droht Deutschland schon in wenigen Jahren eine Stromlücke, und besonders schmutzige Kohlekraftwerke würden weiter laufen, statt durch sauberere ersetzt zu werden.“ An dieser Notwendigkeit ändere auch ein intelligentes Stromnetz nichts.

Dessen Aufbau wird zur größten Herausforderung des Jahrhunderts. Das bestätigt der Chef des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, Lars Josefsson: „Da wird jetzt sehr viel passieren.“ Bis die Netze komplett umgerüstet sind, werde es jedoch noch mindestens 10 bis 15 Jahre dauern. Doch wenn die neue Technik läuft, sagt Josefsson, könnten erneuerbare Energien sogar in Teilen grundlastfähig werden und einige Atom- und Kohlekraftwerke ablösen.

„Das Smart Grid wird um ein Vielfaches größer als das Internet“, prognostiziert Cisco-Chef John Chambers, dessen Unternehmen mit der Ausrüstung des globalen Kommunikationsnetzes Milliarden verdient. Strom- und IT-Märkte wachsen dabei zusammen. Es entsteht das Internet der Energie, ein Geschäft mit gewaltigen Wachstumsmöglichkeiten. Das amerikanische Edison Electric Institute rechnet mit Investitionen in Höhe von 900 Milliarden Dollar für Ausbau, Modernisierung und Ertüchtigung der weltweiten Energienetze bis 2030.

„Das ist die größte Investmentchance in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts“, pflichtet General-Electric-Chef Jeffrey Immelt bei. Das Electric Power Research Institute in Kalifornien kalkuliert, dass die Installation eines Smart Grid allein in den USA rund 165 Milliarden Dollar kosten wird – verteilt auf 20 Jahre. Solche Geschäftsaussichten schlagen nicht nur die traditionellen Energieausrüster wie Siemens, ABB und GE in ihren Bann. Auch High-Tech-Größen wie Cisco, IBM, Oracle, Microsoft und Google oder Gründungen wie Ember, Onzo und EnergyHub wittern ihre Chance.

Doch während in den USA schon in naher Zukunft mehr als acht Milliarden Euro in die Smart Grids fließen und jetzt die ersten 100 Projekte starten, droht in Deutschland auf unabsehbare Zeit Stillstand. Denn die Berliner Neukoalitionäre von CDU, CSU und FDP haben zur Laufzeitverlängerung der Atommeiler nur vage Beschlüsse gefasst, das künftige Energiekonzept sogar ganz offen gelassen. Die Folge: Bereits geplante Investitionen in saubere Kraftwerke und intelligente Stromnetze werden verschoben, bis Klarheit herrscht.

So lange wollen die nordfriesischen Stromrebellen um Christiansen nicht warten. Mehr als 80 Bürgerwindparks haben sich zur Arbeitsgemeinschaft (Arge) Netz Nordfriesland zusammengeschlossen. Sie greifen zur Selbstinitiative und planen den Bau einer eigenen Leitung, die ihren Windstrom zu einem Übertragungsnetz in den Süden führt. Die Kosten von 24 Millionen Euro schrecken Arge-Geschäftsführer Martin Grundmann nicht. „Mit solchen Summen kennen wir uns inzwischen aus. Hauptsache der Netzausbau kommt endlich voran.“ Verwunderlich ist der Aufstand nicht. Die meisten Revolutionen begannen schließlich von unten.

10 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.03.2011, 13:53 UhrAnonymer Benutzer: sackldepp

    ich muss schon sagen dass gefällt mir sehr sehr sehr sehr gut. ich kenn da viele viele viele viele leute die das auch ganz ganz ganz ganz toll finden

    liebe grüße sackeldepp

  • 23.03.2011, 11:39 UhrAnonymer Benutzer: Nadine C.

    Was ich mich immer wieder frage...
    ... wieso werden bei Erneuerbaren Energien meist nur Wind und Sonne erwähnt??
    Was ist mit bioabfall, biogas, Holz und Geothermie?

  • 12.11.2009, 11:14 UhrAnonymer Benutzer: Berg

    @Prophet:
    Das setzt voraus, dass a) der Markt nicht richtig funktioniert, und b) der Staat nicht regulierend eingreift.
    Außerdem ist es ja auch eine Frage der Architektur der Systeme, wieviele von meinen Daten überhaupt an die Stromanbieter fließen müssen - die Geräte können sich ja eventuell auch selbst regeln.

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