Energie: Das Stromnetz der Zukunft

Energie: Das Stromnetz der Zukunft

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900 Mrd. Dollar kostet der globale Netzausbau, Stromrebellen Christiansen (links), Grundmann

von Dieter Dürand und Matthias Hohensee

Die Stromnetze stehen vor dem größten Umbau ihrer Geschichte. Künftig sollen minütlich wechselnde Preise die Nachfrage steuern und Millionen Stromkunden zu Produzenten werden. Dabei -entsteht eine milliardenschwere Branche.

In Reinhard Christiansen brodelt es. Immer wenn der Wind an der Grenze zu Dänemark besonders kräftig über das Land fegt, muss der Betreiber mehrerer Windenergieanlagen fürchten, dass der Infrastrukturanbieter E.On Netz seine Windräder abschaltet, wegen Überlastung der Übertragungsleitung. Ebenso wie sechs andere Windparks, die ihren Strom über das Umspannwerk Gasthafen Niebüll in die 110-Kilovolt-Trasse einspeisen. Statt Geld zu verdienen, häufen die Windanlagenbetreiber in diesen Zeiten Miese an.

Christiansen hat die entgangenen Einnahmen penibel aufgelistet: Mehr als 722.000 Euro haben die Leerlaufzeiten sein Unternehmen Grenzstrom Vindtved und die anderen Windparks dieses Jahr schon gekostet. „Das schmälert die Wirtschaftlichkeit unserer Investitionen beträchtlich“, sagt der bärtige Hüne. Was die Windmüller am meisten ärgert: Trotz vieler Gesprächsrunden weigert sich die Netztochter des Düsseldorfer Energieriesen E.On bis heute, eine zweite Leitung für den Windstrom zu bauen. „Die verschleppen den Ausbau ganz bewusst“, schimpft Christiansen. E.On weist den Vorwurf entschieden zurück.

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Zwei Welten prallen gerade aufeinander. In der einen beherrschen zentral organisierte Stromversorger das Geschäft. In der anderen gewinnen dezentrale Energieproduzenten an Einfluss. Dieser Konflikt kündigt einen Wendepunkt in unserer Energieversorgung an. Und das Ende dieser Entwicklung ist nichts weniger als ein völlig neues Stromnetz.

Intelligentes Netzt lotst Strom dorthin, wo er gerade benötigt wird

Bislang produzieren die Energiekonzerne immer so viel Strom, wie Haushalte und Industrie gerade aus dem Netz saugen. In Zukunft wird sich die Stromnachfrage über Preissignale dem Angebot anpassen. Intelligente Stromzähler schalten Waschmaschine und Eisfach dann an, wenn die Energie billig ist.

Und ein computergesteuertes, europaweites Leitungsnetz lotst den Strom immer dorthin, wo er gerade benötigt wird: Windstrom von der Nordsee nach Norditalien oder Sonnenenergie aus spanischen Solarkraftwerken nach Süddeutschland. Überschüssiger Windstrom wird in Pumpspeicherwasserkraftwerken in Norwegen oder Österreich gepuffert und in Flautezeiten zurück ins Netz gespeist.

Wie im Internet, das auch beim Ausfall von Teilstrecken noch funktioniert, soll ein eng gewebtes, dezentrales Stromverteilnetz für Stabilität sorgen. Experten sprechen von sogenannten Smart Grids. Länder in aller Welt arbeiten gerade an einer neuen Architektur ihrer Strom-Infrastruktur. Doch nirgends unternehmen Politiker lautstärker Anstrengungen als in den USA. Erst vor wenigen Tagen hat Präsident Barack Obama ein milliardenschweres Investitionsprogramm für intelligente Stromnetze gestartet.

Experten wissen es längst: Ohne eine neue Netzinfrastruktur droht der Blackout. Wirtschaftswachstum und eine wachsende Weltbevölkerung werden nach Schätzungen des Münchner Technologiekonzerns Siemens den weltweiten Stromverbrauch bis 2030 verdoppeln. Zugleich werden Kohle, Gas und Öl – bisher zu zwei Dritteln Träger der Elektrizitätsversorgung – knapp und teuer.

Die Lücke, so die Hoffnung, werden künftig erneuerbare Energien aus Wind und Sonne schließen. Sie sollen zugleich helfen, den Ausstoß des Treibhausgases CO2 auf ein klimaverträgliches Niveau zu begrenzen. Siemens erwartet, dass 2030 schon fast ein Fünftel des weltweit erzeugten Stroms aus regenerativen Quellen stammt. Die Bundesregierung rechnet sogar bereits für das Jahr 2020 mit einem Anteil von 30 Prozent Öko-Energie in Deutschland.

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