
Dort bekamen erste Firmen den Mangel bereits jetzt zu spüren, nachdem der russische Gaslieferant Gazprom seinen Export in den vergangenen Tagen gedrosselt hatte, berichtet die WirtschaftsWoche. Weil der deutsche Verteiler Open Grid Europe den Weitertransport Richtung Süddeutschland daraufhin auf die vertraglich vereinbarte Mindestmenge reduzierte, musste die Gasversorgung Süddeutschland (GVS) ebenfalls die Belieferung ihrer Kunden einschränken.
In einem Schreiben bat das Unternehmen „dringend“ seine Abnehmer, „alle zur Reduzierung Ihres Bezugs aus dem Netz zur Verfügung stehenden Maßnahmen anzuwenden“. Das Unternehmen versorgt Stadtwerke und Regionalverteiler mit Gas.
Quelle: dpaWie die Energiekonzerne sparen wollen
Die Energieversorger müssen die Verluste, die ihnen durch den Atomausstieg der Bundesregierung im Sommer 2011 entstanden sind, ausgleichen. Abhängig davon, wie viele Atomkraftwerke die Konzerne betrieben, schlug das Atom-Moratorium bei einigen Unternehmen stärker zu Buche als bei anderen. Die Konzerne haben harte Sparprogramme aufgelegt. Mit welchen Mitteln RWE, E.On, EnBW und Vattenfall sparen wollen und wie viele Arbeitsplätze in Gefahr sind.
Quelle: dpaRWE
Geplante Einsparungen
1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in 2013 und 2014. Nach Informationen des „Spiegel“ hat der zukünftige RWE-Chef Peter Terium den Arbeitnehmervertretern ein Programm „für die Zukunft unseres Konzerns„ vorgelegt. Darin gehe es um Maßnahmen zur Abschaffung von doppelten Konzernstrukturen und um den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien. Endgültige Schritte sollten in Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften bis Juni 2012 entwickelt werden.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Durch Verkäufe von Unternehmensteilen und durch Einsparungen soll die Zahl der Mitarbeiter um etwa 8000 sinken. Durch die neuen Sparmaßnahmen sind nach einem Zeitungsbericht weitere 3.500 Stellen bedroht. Bestätigen wollte das Unternehmen diese Zahl bisher nicht...
Quelle: dapd„Ob es bei dem Sparprogramm von einer Milliarde Euro zu Personalverschiebungen oder Personalabbau kommt, ist noch gar nicht entschieden“, sagte eine RWE-Sprecherin am Montag auf Nachfrage. Wie das Sparprogramm konkret aussehe, werde auf der Bilanz-Pressekonferenz am 6. März verkündet. Die Kraftwerkstocheter RWE Power will in den kommenden fünf Jahren rund 1.000 von 17.000Arbeitsplätzen streichen.
RWE-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Biblis (stillgelegt)
Emsland
Gundremmingen (75% Beteiligung)
Lingen (im Rückbau)
Mülheim-Kärlich (im Rückbau)
Borssele (Niederlande, 30 % Beteilung)
Quelle: REUTERSE.On
Geplante Einsparungen
Bis 2015 will Konzernchef Johannes Teyssen die beeinflussbaren Kosten auf 9,5 Milliarden senken. Das Sparprogramm trägt den Titel E.On 2.0.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
E.On will bis 2015 bis zu 11.000 seiner 80.000 Stellen weltweit abbauen, allein 6000 davon in Deutschland. Die Gewerkschaften ver.di und IG BCE haben sich bereits mit E.On auf einen Tarifvertrag zur Umsetzung des Stellenabbaus in Deutschland geeinigt.
Quelle: dapdDer Tarifvertrag läuft bis 2016 und sieht Vorruhestandsregelungen, Abfindungen, die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft sowie zeitlich nachgelagert die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor.
E.On- Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Würgassen – stillgelegt
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Unterwese (stillgelegt)
Isar 1 und Isar 2 (Block 1 mit Atommoratorium stillgelegt)
Brokdorf
Grafenrheinfeld
Grohnde (83,3 % E.On, 16,7 % Stadtwerke Bielefeld)
Gundremmingen B und C (25 % E.On, 75 % RWE)
Emsland ( 12,5 % E.On, 87,5 % RWE)
Quelle: dpaEnBW
Geplante Einsparungen:
Das bereits im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Ebit-wirksame Entlastung von 750 Millionen Euro bringen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
EnBw beschäftigt derzeit rund 21.000 Mitarbeiter. Im Sommer 2011 berichtete der Südwestrundfunk über geplante Stellenkürzungen bei EnBW. Per Stellenabbau sollten Einsparungen in Höhe von 200 Millionen möglich sein, berichtete der Sender. Damit würde ein Großteil der angekündigten 300-Millionen-Einsparungen mit Stellenabbau erreicht. Der Sender berief sich auf Angaben von EnBw-Personalvorsatnd Bernhard Beck, die der Konzern jedoch nicht bestätigen wollte. Kündigungen sollte es jedoch nicht geben, bestätigte ein Sprecher. Legt man einen durchschnittlichen Personalaufwand von rund 80.000 Euro im Jahr und pro Mitarbeiter zugrunde, würden so bis 2013 rund 2.500 Stellen wegfallen.
EnBW-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Neckarwestheim – teilweise stillgelegt
Obrigheim – im Rückbau
Philippsburg
Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung)
Quelle: dpaVattenfall
Geplante Einsparungen
Deutschlands viertgrößter Energieanbieter streicht den Kundenservice in Berlin und Hamburg zusammen. Spätestens 2014 will der Konzern in diesem Bereich 27 Millionen Euro sparen. Jährlich will der schwedische Staatskonzern 600 Millionen Euro sparen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Vattenfall Europe beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter in Deutschland. Im Kundenservice in Hamburg und Berlin arbeiten insgesamt 900 Menschen, davon soll rund jede dritte Stelle gestrichen werden. „Der notwendige Personalabbau soll sozialverträglich gestaltet und betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden“, teilte der Konzern mit.
Quelle: dpaDie Beschäftigten erhalten nun Angebote für Altersteilzeit, Teilzeit oder Abfindungen. Zur Debatte hatte auch gestanden, den Kundenservice komplett aus dem Konzern auszulagern. Die Konzernleitung entschied sich in Absprache mit dem Betriebsrat dagegen.
Vattenfall-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Brokdorf (20 % Vattenfall, 80 % E.ON)
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Wie die Energiekonzerne sparen wollen
Die Energieversorger müssen die Verluste, die ihnen durch den Atomausstieg der Bundesregierung im Sommer 2011 entstanden sind, ausgleichen. Abhängig davon, wie viele Atomkraftwerke die Konzerne betrieben, schlug das Atom-Moratorium bei einigen Unternehmen stärker zu Buche als bei anderen. Die Konzerne haben harte Sparprogramme aufgelegt. Mit welchen Mitteln RWE, E.On, EnBW und Vattenfall sparen wollen und wie viele Arbeitsplätze in Gefahr sind.
Der Vorstandsvorsitzende der Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW), Hans-Peter Villis, bestätigt, dass „die Sicherheitsreserven sich dem Ende zuneigen“. Die Versorger müssten mächtig eingreifen, um Engpässe auszugleichen. „Dank vieler gerade in den letzten Tagen durchgeführter Maßnahmen ist die Versorgung noch sicher und stabil“. Allerdings: „Die einsetzbare Kraftwerksleistung ist infolge der im vergangenen Jahr außer Betrieb genommenen Kernkraftwerke deutlich reduziert, und der gegenwärtige Gasengpass vergrößert dieses Dilemma zudem noch“, so Villis.
Er hoffe, durch die Kältewelle werde „die Erkenntnis weiter reifen, dass der Umbau des Energiesystems konsequent, aber mit Außenmaß erfolgen sollte“. Zugleich forderte Villis die Einrichtung eines eigenständigen Energieministeriums: „Eine Energiepolitik aus einer Hand und gern auch von einem Fachministerium geführt, könnte hier durchaus helfen.“
Sollten die russische Gazprom ihre Gaslieferungen wegen erhöhter Nachfrage im eigenen Land weiter drosseln und die Temperaturen frostig bleiben, könnte es für Unternehmen eng werden. Per Gesetz hat die Versorgung der Haushalte mit Wärme Vorrang vor der Belieferung der Industrie. Wenn die Exportmengen nicht 100-prozentig eingehalten werden, hieß es bei Gazprom auf Anfrage der WirtschaftsWoche, verpflichte sich der Konzern zur Zahlung „kleinerer Vertragsstrafen“.













