Energie-Versorger: Zwei Freunde führen die RAG-Stiftung

Energie-Versorger: Zwei Freunde führen die RAG-Stiftung

von Andreas Wildhagen

Ex-RWE-Chef Jürgen Großmann und Ex-Evonik-Lenker Werner Müller sind am Freitag zu Vorsitzenden des bald mächtigen Kohlegremiums geworden.

„Wird die RAG-Stiftung nun zum Politbüro?“, fragte ein Manager eines angesehenen Revierkonzerns am Freitagabend eher bange, als er die Personalmeldung aus Berlin las. Doch so schlimm wie der eher konservative Mann fürchtet, wird es nicht kommen: Die Personalien rund um die RAG-Stiftung erinnern allerdings schon seit Monaten eher an eine ideologische Schlammschlacht. Mit der heutigen Wahl von Jürgen Großmann und Werner Müller, jeweils als Vorsitzende der Spitzengremien, sind die Weichen nun gestellt: Die RAG-Stiftung wird eindeutig sozialdemokratischer als zuvor.
Friends of Gerhard
Was heißt das? Sowohl Müller als auch Großmann gelten als Freunde der Sozialdemokratie. Als „Frogs“, „Friends of Gerhard“ werden sie leicht frozzelnd schon lange bezeichnet. Beide sind Visionäre in demselben politischen Lager-Großraum, aber auch von unterschiedlicher Natur. Müller, der parteilose aber SPD-nahestehende Ex-Wirtschaftsminister unter Gerhard Schröder (SPD) hat dem Ex-Kanzler ebenso viel zu verdanken wie Großmann, der als Stahlunternehmer in Osnabrück eine Traumkarriere hinlegte, ein marodes Stahlwerk mit Hilfe von Schröder, damals Ministerpräsident von Niedersachsen, rettete und dem Standort wieder Leben einblies - und sich selbst ganz nebenbei zum hundertfachen Millionär machte.
Während Müller eher listig im Hintergrund agiert und dabei eine mächtiges Pfund an politischem Geschick in die Waagschale wirft, trat Großmann bisher sowohl als Stahltycoon als auch in seiner Glanzrolle des RWE-Chefs eher polternd und laut auf. So ist seine Natur, er ist nun mal kein Leisetreter. Er trat für einen klaren Pro-Atom-Kurs ein, legte sich mit der Kanzlerin an und ging seinen Weg, ungeachtet von Kalkülen, ob dem 60-Jährigen noch jemals eine ehrenvolle öffentliche Aufgabe angeboten wird. Bis zuletzt dementierte er, dass er im Gespräch für seinen neuen Posten war.
Keine Steine in den Weg legen
Die Merkel-Attacken haben Großmann aber offenbar nicht geschadet. Die RAG-Stiftung, die mit der Doppelaufgabe des Börsengangs von Evonik als auch der Refinanzierung des Steinkohleausstiegs bis 2018 vollauf beschäftigt ist, wird nun auch noch die Ego-Männer Müller und Großmann aushalten müssen. Das wird sie leicht schaffen, denn Bedarf an Visionen gibt es im Wahljahr 2013 zuhauf. Dann prallen die Vorstellungen von Industriepolitik mit leichter Hand und mit Hilfe der mit Evonik-Dividenden gefüllten Kassen auf manchmal langweilig wirkende Refinanzierer, die in ihrer Solidität wenig unterhaltsam sind. Ein Wilhelm Bonse-Geuking, Vorgänger von Müller, wäre für öffentliche Auftritte ebenso wenig abendfüllend wie ein Ulrich Hartmann, Ex-E.On-Chef und Vorgänger von Großmann, es sein könnte. Das Team Müller-Großmann verspricht da, griffiger zu formulieren und glanzvoller die Bühne zu betreten. Müller gilt als glänzender Redner.

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Es gibt wenig an der Wahl in Berlin auszusetzen. Müller und Großmann werden sich keine Steine in den Weg legen und den Dauerzwist in der Stiftung wenigstens beenden. Beide Männer sind hoch erfolgreich, beide verdanken ihre Karriere und ihren Erfolg Gerhard Schröder, der seinerseits in seiner Zeit als Kanzler-Pensionär die Welt der Energiewirtschaft als Betätigungsfeld erkor. Als Aufsichtsratschef der Gesellschaft, die das Projekt Ostsee-Pipeline realisierte, ist er ein Mann auch von Gazprom und damit auch von Russlands Präsident Wladimir Putin. Die Ostseepipeline ist keine Vision, sondern in Betrieb und stellt damit eines der wenigen Großprojekte zwischen Politik und Wirtschaft dar, die auch funktionieren.

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