Energieexperte Hohmeyer : "Die Mehrbelastung wird langsam steigen"

Energieexperte Hohmeyer : "Die Mehrbelastung wird langsam steigen"

Bild vergrößern

Olav Hohmeyer

Der Energieexperte im Sachverständigenrat für Umweltfragen erklärt, wann und zu welchen Kosten sich Deutschland zu 100 Prozent mit grünem Strom versorgen kann.

WirtschaftsWoche: Herr Hohmeyer, Sie und Ihre Kollegen im Sachverständigenrat sagen, Deutschland könne sich 2050 vollständig mit Strom aus grünen Quellen wie Wind und Wasser versorgen. Ist das nicht eine Illusion?

Hohmeyer: Das Etikett passt nicht auf unsere Szenarien. Die sind sehr seriös und unter konservativen Annahmen durchgerechnet. Wir gehen von einem langsamen Übergang aus. Wenn man es eilig hat, könnten wir schon 2030 ohne Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke auskommen.

Anzeige

Wann wäre der Ausstieg aus der Atomkraft möglich?

Auf Atomstrom kann schon sehr viel früher verzichtet werden. Nach dem neuesten Gutachten der Universität Flensburg könnte das letzte Kernkraftwerk 2015 vom Netz gehen, ohne dass irgendwo in Deutschland eine Unterversorgung drohen würde.

Selbst wenn eine grüne Vollversorgung technisch möglich ist, bleibt die Frage: Können wir uns Strom dann noch leisten?

Natürlich gibt es die Energiewende nicht zum Nulltarif. Aber die Kosten bleiben überschaubar und werden der Volkswirtschaft nicht schaden.

Kritiker bezweifeln das. Mit welcher Belastung rechnen Sie konkret?

Entscheidend sind die Differenzkosten zu einer Stromerzeugung, die wie heute vorwiegend auf Kohle, Gas und Atomkraft basiert. Die Mehrbelastung wird langsam steigen und 2023 mit 3,7 Cent je Kilowattstunde ihren Höhepunkt erreichen. Für einen Vierpersonenhaushalt wären das 150 Euro im Jahr zusätzlich. Das treibt niemanden in den Ruin.

Und wie geht es nach 2023 weiter?

Wir unterstellen, dass Kohle, Erdöl und Gas knapper und damit kontinuierlich teurer werden. Wir gehen dabei von einem sehr moderaten Anstieg der Preise aus. Dazu kommen die Kosten für den Kauf der CO2-Zertifikate. Regenerative Energieträger werden durch technischen Fortschritt und die Einspareffekte der Massenproduktion dagegen immer günstiger. Ungefähr 2040 wird grüner Strom, inklusive Speicherung und Netzausbau, weniger kosten als konventionell erzeugter.

Was nutzt das, wenn bis dahin viele Betriebe wegen der hohen Energiekosten ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßen? Schon heute hat Deutschland mit die höchsten Strompreise weltweit.

Niemand will die Industrie vertreiben. Der Sachverständigenrat schon gar nicht. Da wird jetzt von interessierter Seite maßlos übertrieben. In einem durchschnittlichen Maschinenbau-Unternehmen macht die Stromrechnung nicht einmal ein Prozent aller Kosten aus. Selbst eine zehnprozentige Preissteigerung liegt für den Finanzvorstand doch unter der Merklichkeitsschwelle.

Jetzt rechnen Sie schön. Bei der Herstellung von Aluminium, Zement, Stahl und vielen chemischen Grundstoffen macht der Stromverbrauch 30 Prozent und mehr an den Produktionskosten aus.

Energieintensive Industrien kann man, wie bisher schon, von solchen Preissteigerungen ausnehmen. Da sind wir für pragmatische Regelungen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%