Energiegenossenschaften: Boom mit Delle

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Energiegenossenschaften: Boom mit Delle

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Dder Boom bei den Energiegenossenschaften voriges Jahr etwas schwächer ausgefallen.

von Cordula Tutt

Weil die Subventionen für Sonnenenergie bereits gekappt wurden und Einschnitte bei der Förderung von Windkraft und Biomasse absehbar sind, ist der Boom bei den Energiegenossenschaften voriges Jahr etwas schwächer ausgefallen.

Die Unternehmen konnten zwar viele neue Mitglieder anziehen. Doch lohnende Investitionen sind trotz staatlicher Stütze für die Erneuerbaren schwieriger zu finden. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) hat die Unternehmen über ihr Geschäft mit Sonne, Wind und Biogas befragt und das Ergebnis heute vorgestellt. Danach stieg die Zahl der Mitglieder bei den 656 Energiegenossenschaften binnen Jahresfrist von 80.000 auf 136.000. Die allermeisten, nämlich 125.000, sind Privatleute, die wie die institutionellen Investoren mit ihren Einlagen an den Unternehmen beteiligt sind. Rund 1,2 Milliarden haben die Genossenschaften in die Energiewende investiert. Dabei decken sie bisher den Strombedarf von 160.000 Durchschnittshaushalten ab.

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Der Schub bei den Kooperativen dürfte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) behagen. Auch er setzt darauf, dass jene, die am Umbau der Energieversorgung mitverdienen, nicht mehr gegen Pläne in der Nachbarschaft protestieren. Mit schönen Renditen sollen Bürger in solche Projekte gelockt werden. Windparks, Solaranlagen oder Gaskraftwerke werfen zum Teil deutlich höhere Zinsen ab als Tages- oder Festgeldanlagen. Allerdings zahlten nach den nun vorgestellten Zahlen nur 40 Prozent der Genossenschaften überhaupt eine Dividende, die dann bei durchschnittlich knapp vier Prozent lag. Die anderen erwirtschafteten noch nicht genug Gewinn.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

  • Wo liegen aktuell die drängendsten Probleme?

    Der Netzausbau ist weit hinter dem Plan zurück. Die Betreiber der teuren Offshore-Windsparks in Nord- und Ostsee sind verärgert, dass es immer neue Verzögerungen gibt, beim Energiesparen gibt es kaum Fortschritte, die Debatte über die Ökostromförderung entwickelt sich zum Dauerbrenner - die Liste ließe sich fortsetzen. Die Regierung muss an zahlreichen Stellschrauben drehen, ein abgestimmtes Konzept ist in vielen Bereichen aber noch nicht erkennbar.

  • Welche Erfolge gibt es?

    Der Ausbau der erneuerbaren Energie liegt nicht nur im Plan, er übertrifft sogar die Erwartungen. Im ersten Halbjahr 2012 machte Ökostrom erstmals mehr als 25 Prozent am deutschen Strommix aus, insgesamt wurden knapp 68 Milliarden Kilowattstunden ins Stromnetz eingespeist. Die Windkraft hat mit 9,2 Prozent den größten Anteil, vor der Bioenergie mit 5,7 Prozent. Der Anteil der Solarenergie hat sich binnen Jahresfrist fast verdoppelt und liegt nun mit 5,3 Prozent auf dem dritten Platz, vor der Wasserkraft mit vier Prozent.

  • Was bedeutet das für die Verbraucher?

    Der Anstieg der erneuerbaren Energien kann für die Stromkunden teuer werden. Wenn mehr Ökostrom produziert wird, steigt auch die Umlage zur Förderung der Energie aus Sonne, Wind oder Wasserkraft, die über den Strompreis gezahlt wird. Diese ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt und liegt aktuell bei 3,59 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet für einen Durchschnittshaushalt rund 125 Euro Zusatzkosten pro Jahr. Der Aufschlag dürfte sich nun deutlich erhöhen. Spekuliert wird bereits über einen Anstieg auf 5,3 Cent zum Jahreswechsel, was die Kosten für einen Durchschnittshaushalt auf 185 Euro hochtreiben würde.

  • Wird der drohende Anstieg der EEG-Umlage Konsequenzen haben?

    Das ist noch offen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) warnt immer wieder, dass hohe Strompreise die Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Er fordert deshalb eine Reform der Förderung. Die Regierung hat jedoch erst 2011 eine Reform des EEG auf den Weg gebracht, die Anfang 2012 in Kraft trat und bei der Solarförderung nochmals verändert wurde. Außerdem ist der Strompreis viel stärker gestiegen als die Ökoenergieförderung. Umweltschützer halten mangelhaftes Energiesparen und pauschale Befreiungen für die stromintensive Industrie für die eigentlichen Preistreiber.

  • Wie weit ist der Ausbau der Windenergie?

    Neben dem Ausbau der Windkraftanlagen an Land gilt der Ausbau der Offshore-Windenergie, also der Windkraftanlagen im Meer, als wichtiger Pfeiler der Energiewende. Bis zum Jahr 2020 sollen vor den Küsten Windenergieanlagen mit einer Kapazität von 10 000 Megawatt zur deutschen Stromerzeugung beitragen. Das sind ungefähr 2000 Windkraftwerke. Gegenwärtig arbeiten in der Nordsee aber erst 28 Anlagen mit 140 Megawatt Leistung. Dazu kommen noch 21 kleinere Windkraftwerke in der Ostsee - macht zusammen gerade einmal 180 bis 190 Megawatt.

  • Woran hakt es?

    Das größte Problem ist nach wie vor die Anbindung der Anlagen in Nord- und Ostsee an das Festlands-Stromnetz. Zudem reichen die Leitungen an Land nicht für den Weitertransport des Windstroms in den Süden Deutschlands. Die Stromerzeuger sehen wegen der Verzögerungen beim Netzanschluss inzwischen die ganze Energiewende in Gefahr. Sie verlangen dringend Klarheit, wer dafür haftet, wenn die Windparks stehen, aber nicht ans Netz gehen können. Wirtschaftsminister Rösler und Umweltminister Peter Altmaier (CDU) haben vorgeschlagen, dass die Verbraucher die Kosten für Verzögerungen über den Strompreis mittragen sollen. Rösler hofft auf eine endgültige Regelung noch im Sommer.

  • Wie weit ist der Netzausbau insgesamt?

    Für die Energiewende werden laut Bundesregierung 3800 Kilometer an neuen Stromautobahnen benötigt. Weitere 4400 Kilometer des bestehenden Netzes sollen fit gemacht werden für die schwankende Einspeisung von Wind- und Sonnenenergie. Die Netzbetreiber haben einen Entwurf für einen Netzentwicklungsplan vorgelegt, bis Mitte August soll eine zweite Version fertig sein. Die Bundesnetzagentur verlangt nun, der Ausbau müsse viel schneller gehen. Rösler fordert deshalb bereits, vorübergehend Umweltstandards außer Kraft zu setzen, so dass zum Beispiel bei Klagen gegen den Bau von Leitungen eine Gerichtsinstanz ausreicht.

Die Bundesregierung hatte zuletzt mit Investitionsangeboten für die Anrainer der neuen Stromtrassen zwischen Nord- und Süddeutschland geworben. Sie können sich an den Baukosten beteiligen und für ihre Einlagen rund fünf Prozent Zinsen erhalten. Dies sehen die Pläne vor, die Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit den Netzbetreibern Tennet, Amprion, TransnetBW und 50Hertz vereinbarten.  Die Pläne der Bundesregierung haben aber auch Schwächen. Der Bund der Energieverbraucher kritisiert, dass die Rendite zu niedrig sei. Schließlich gestehe die Bundesnetzagentur den Netzbetreibern eine garantierte Eigenkapitalrendite von über neun Prozent zu.

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Doch die Bedingungen für die Genossenschaften werden nicht einfacher.  Für den "grünen" Strom sinken die staatlich garantierten Abnahmepreise und damit schrumpft die Marge. Die Kooperativen müssen zudem zunehmend Strom selbst an Kunden bringen. Bisher können sie alles ins allgemeine Netz einspeisen und bekommen dafür eine festgelegte Bezahlung. Nach der Verbandsumfrage fühlen sich die meisten Genossenschaften, die oft klein sind und vom Engagement der Mitglieder abhängen, solchen Aufgaben noch nicht gewachsen.

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