Energiegewinnung: Schluss mit Subventionen für Solarstorm

Energiegewinnung: Schluss mit Subventionen für Solarstorm

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Solarhaus Tübingen: Neuer Wettbewerb durch chinesische Sonnenstrom-Anlagen

von Sebastian Matthes und Dieter Dürand

Erstmals ist Sonnenenergie vom Dach genau so billig wie Strom vom Elektrizitätswerk. Wer sich eine Solaranlage zulegt, erzielt subventionierte Traumrenditen – ohne jedes Risiko. Wie lange leisten wir uns noch die Milliardenhilfen für den Sonnenstrom?

Manfred Gellink hat viele Feinde. Zumindest in Fotovoltaikforen im Internet. Dort diskutieren Menschen über ihre Solaranlagen. Sie tauschen sich aus über neue Techniken und vergleichen Preise. Aus eigener Erfahrung weiß der Geschäftsführer mehrerer Altenheime in Nordhorn an der holländischen Grenze, dass die Anlagen viel billiger sein könnten, als Hersteller und Handwerker es zugeben wollen. Doch jedes Mal, wenn er das in den Foren schreibt, entfacht er einen Sturm der Entrüstung: Ein „Träumer“ sei er, schlimmer noch: „ein unseriöser Pfennigfuchser“. Es ist paradox: Für ihn, sagt er, „sieht es aus, als ob eine Diskussion über den Preis nicht erwünscht ist“.

Doch die Diskussion wird jetzt geführt – ob erwünscht oder nicht. Denn die neue Solaranlage, die Gellink noch in diesem Herbst bauen will, markiert einen Wendepunkt in der privaten Nutzung von Sonnenenergie in Deutschland. Bisher lagen die Durchschnittspreise der Technik je Kilowatt Leistung (kWp) offiziell bei mehr als 3000 Euro. Nun aber hat der 42-Jährige erstmals seriöse Angebote zu Preisen von nur noch 2500 Euro je Kilowatt.

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Netzparität ist erreicht

Grafik 1: Preise Solarstromanlage

Grafik 1: Preise Solarstromanlage

Damit ist die magische Grenze erreicht. Denn Studien belegen: Kosten die Solaranlagen zwischen 2400 und 2600 Euro pro Kilowatt, ist der Sonnenstrom aus der privaten Fotovoltaikanlage im Durchschnitt nicht mehr teurer als die Energie aus dem Netz der großen Stromversorger. Politik und Energiewirtschaft haben für diese Schwelle einen eigenen Begriff geschaffen: die Netzparität.

Was kryptisch klingt, ist in Wirklichkeit der Durchbruch der grünen Energieversorgung: Denn ist der Strom vom Dach für die Kunden nicht mehr teurer als der Netzstrom, finanzieren sich ihre Solaranlagen sozusagen von selbst – ganz ohne Subventionen.

Im Oktober will Gellink loslegen: Auf dem Dach eines seiner Seniorenheime soll eine Fotovoltaikanlage montiert werden, aus Dünnschichtmodulen des amerikanischen Herstellers First Solar mit insgesamt 32,4 Kilowatt. Das ist zwar deutlich mehr als derzeit auf den Hausdächern durchschnittlicher Privatkunden installiert wird – ändert aber nichts am Preissturz der Technik.

Denn WirtschaftsWoche-Recherchen belegen, dass inzwischen auch Sonnenkraftwerke mit weniger als zehn Kilowatt Leistung für 2600 Euro pro Kilowatt auf Privathäuser montiert werden. Das belegt eine Umfrage des auf Solartechnik spezialisierten Marktforschungsunternehmens EuPD aus Bonn. Berechnungen der Stiftung Warentest ergaben zudem: Bei 20 Jahren Laufzeit arbeiten Solaranlagen dieser Preisklasse auch ohne Subventionen rentabel. Die Netzparität ist erreicht. Nur sagen will das keiner.

Stattdessen bezeichnet die Branche die Beispiele als Einzelfälle. Frank Asbeck, umtriebiger Chef des Bonner Sonnenstrom-Spezialisten Solarworld, warnt gar vor „Anlagen mit chinesischen Billigprodukten“. Dabei hatte er selbst noch vor wenigen Monaten in einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche die Parität ab einem Preis von 2500 Euro je Kilowatt in Aussicht gestellt – spätestens für 2012. Ähnlich zurückhaltend äußern sich auch andere Vertreter der Solarbranche.

Riesengeschäft steht auf dem Spiel

Verständlicherweise. Denn auf dem Spiel steht ein Riesengeschäft. Zumindest für Installateure, Hersteller und Zulieferer: Die Solarsubventionen in Deutschland sind so hoch, dass selbst zu teuer verkaufte Anlagen für die Kunden noch fette Gewinne abwerfen. Damit haben es sich alle gut eingerichtet. Dass die Solarenergie so rasch konkurrenzfähig wird, hatten weder Gegner noch Anhänger erwartet.

Grund für den plötzlichen Durchbruch ist ein heftiger Preisrutsch bei Solarmodulen, der auch durch eine stark sinkende Nachfrage in Spanien ausgelöst wurde. Das überraschte selbst Solarfan Gellink. Noch im April lagen die günstigsten Kostenvoranschläge für seine Anlage bei 2900 Euro pro Kilowatt. Doch dann wurden die Angebote fast im Wochentakt besser. Seine Beobachtung wird von Marktzahlen belegt: Binnen eines Jahres sind die Preise von Solaranlagen um 35 Prozent gesunken.

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