Energieimport: Der neue RWE-Chef hat Großes vor

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Zentrale der RWE in Essen

von Andreas Wildhagen

Der designierte Chef Peter Terium könnte mehr Fortune als der amtierende Konzernlenker Jürgen Großmann haben.

Früher beliebte Peter Terium zu scherzen, wenn er von dem Essener Energiekonzern RWE sprach. „Über dem RWE-Vorstand kommt nicht viel, vielleicht Beatrix“, sagte der Niederländer gern in Anspielung an die Königin in seiner Heimat. Seitdem Terium vor einem halben Jahr zum künftigen Chef des zweitgrößten deutschen Versorgers gekürt wurde, übt sich der 48-Jährige verbal in Zurückhaltung. Umso aktiver geht der designierte Konzernlenker, der im Juli Jürgen Großmann, 56, ablösen soll, dafür bereits intern ans Werk. „Alles richtet sich nach dem Neuen“, rapportiert ein RWE-Manager überrascht.

Teriums Mission ist klar. Er soll nach dem Willen von Aufsichtsratschef Manfred Schneider die Energiewende – die Abkehr vom Atomstrom – in den Griff kriegen. Sein amtierender Vorgänger hatte in Berlin noch die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atommeiler erkämpft, seit dem Abschaltbeschluss nach Fukushima vor knapp einem Jahr jedoch fast nur noch mit den wirtschaftlichen Folgen gehadert. Davon will Terium nichts mehr wissen, sondern mit schnell wirkenden Sofortmaßnahmen die Zukunft gewinnen. Lange To-do-Listen führen nicht weiter, so die Vorgabe von Oberaufseher Schneider, der Terium gegen die Kommunen durchsetzte, die mit 25 Prozent die größten Aktionäre sind.

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Wo die Reise hingehen soll, zeigt sich seit Montag vorvoriger Woche. Seit diesem Tag lässt Terium in der Rolle des Vizechefs „die zweite Arbeitsebene unter dem Vorstand“ mit dem russischen Versorger Inter Rao verhandeln, so Insider. Die Initiative sei von Rao ausgegangen. RWE-Lobbyisten hätten aber zuvor Signale an den staatlich dominierten Stromkonzern gesandt.

Rao und RWE? Der Kontakt könnte in einen Deal münden: russischen Strom zu moderaten Preisen nach Deutschland zu lenken. Im Gegenzug erhielte Rao vielleicht eine Beteiligung an RWE. So berichten es Unterhändler von Rao jetzt schon.

Denn der russische Riese besitzt in seinem Land das Monopol für den Stromexport, vor allem aus Atomkraftwerken des ebenfalls staatlichen Energiekonzerns Rosatom, der mit 13,4 Prozent einer der großen Rao-Anteilseigner ist. Weitere Großaktionäre sind mit knapp 20 Prozent der staatliche Netzbetreiber FSK sowie mit 15 Prozent der Kreml direkt. Den Rest halten private Investoren und Oligarchen. Zurzeit errichtet Rosatom zwei Kernkraftreaktoren unweit der polnischen Grenze in Kaliningrad, dem ehemaligen Königsberg. Beide bieten sich zum Stromexport nach Deutschland an. „Die Polen wollen ihre Transfernetze ausbauen“, sagt ein RWE-Manager.

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Um solche Deals einzufädeln, ist Terium ohnehin der richtige Mann. Für die Schlüsselressorts Politikerkontakte und Rechte ist er schon seit Jahresbeginn allein verantwortlich. Der russische Energieminister Sergei Schmatko kommt im März nach Berlin, um mit Politikbeauftragten der großen Stromkonzerne zusammenzutreffen. Er müsste nur ein Angebot in der Tasche haben, welche RWE-Beteiligung er an Rao verkaufen könnte. Vorgänger Großmann hatte quälend lang mit dem staatlichen russischen Gasriesen in diese Richtung verhandelt, war zum Jahresende jedoch gescheitert. Gazprom wollte Anteile an RWE erwerben, die RWE-Kommunen weigerten sich. Bei Rao könnten die Großaktionäre anders denken. Denn Rao will auch Kohlekraftwerke in Russland bauen – da könnte RWE mit einem neu geschaffenen Ingenieurunternehmen zur Errichtung – nicht Betrieb – von Kraftwerken lohnende Unterstützung leisten.

Terium weiß, dass er einen finanzstarken Partner braucht. Die von ihm durchgedrückten Einsparungen von einer Milliarde Euro jährlich helfen allenfalls, die wegfallenden Atomgewinne auszugleichen. Zusätzliche Milliarden für Investitionen in erneuerbare Energien sind aber nötig.

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