Energiekonzern: Atomausstieg setzt EnBW unter Druck

Energiekonzern: Atomausstieg setzt EnBW unter Druck

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Hinter einem EnBW-Logo ist das Kernkraftwerk Philippsburg zu sehen. Der Energieversorger stellte am Freitag die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres 2012 vor.

Der Energiekonzern EnBW bekommt weiter die Folgen der Energiewende zu spüren. Der Gewinn sank um rund vier Prozent. Beim Stromabsatz musste EnBW starke Einbußen verschmerzen.

Der Energieversorger EnBW kommt auch zwei Jahre nach der Atomwende nur schwer zurück in die Spur. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 4,3 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gesunken. Der bereinigte Überschuss sei um 0,7 Prozent auf 652 Millionen Euro nur leicht verbessert worden. Der Stromabsatz fiel um fast 13 Prozent. Ursache hierfür seien geringere Handelsaktivitäten wegen der Abschaltung zweier Atomkraftwerke. Auch in den kommenden Jahren bleibe die Lage schwierig.

EnBW nach 20 Monaten Energiewende

  • Umsatz

    Der Umsatz von EnBW entwickelt sich leicht positiv. Der Konzern legte zwischen 2010 und 2012 von 18,76 auf auf 19,25 Milliarden Euro zu.

  • Konzernüberschuss

    Der Konzernüberschuss nahm von 2010 auf 2011 von einer Million Euro auf minus 800.000 Euro ab. 2012 liegt er immerhin wieder bei plus 473 Millionen Euro.

  • Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen

    Der Gewinn vor Steuern und Zinsen und Abschreibungen nahm zwischen 2010 und 2012 von 3,3 Millionen auf 1,8 Millionen Euro ab.

  • Nettoverschuldung Ebitda

    Der Wert fiel zwischen 2010 und 2012 von 8,7 auf 8,0.

  • Anteil abgeschalteter & noch abzuschaltender Atomkraftwerke

    EnBW hat bereits Kraftwerke, die einem Anteil von 12,5 Prozent an der Gesamtstromkapazität des Konzerns entsprechen, abgeschaltet. Es stehen noch Abschaltungen in einem Umfang von 20,2 Prozent an der Gesamtstromkapazität aus.

  • Anteil Gas an Stromerzeugung

    Zu diesem Bereich macht EnBW leider keine Angaben.

  • Anteil Steinkohle an Stromerzeugung

    Für die Jahre 2010 und 2011 machte EnBW leider keine Angaben. Im Jahr 2012 lag der Anteil bei 20 bis 25 Prozent.

  • Anteil Braunkohle an Stromerzeugung

    Für diesen Bereich macht EnBW leider keine Angaben.

  • Anteil Erneuerbare an Stromerzeugung

    EnBW steigerte den Anteil der erneuerbaren Energie zwischen 2010 und 2012 von 10,5 auf 12,1 Prozent.

  • Anteil Wind an Stromerzeugung

    Der Anteil der Windkraft lag in den beiden vergangenen Jahren bei 0,01 Prozent.

  • Unternehmenswert

    Der Unternehmenswert von EnBW entwickelte sich negativ und nahm von 10,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 8,4 Milliarden Euro im Jahr 2012 ab.

  • Fazit

    EnBW hat durch den plötzlichen Wegfall der Atomkapazität hohe Verluste erlitten. Zeitgewinn durch Strategiedebatte.


EnBW hatte im Zuge der Atomwende zwei seiner vier AKW-Blöcke stilllegen müssen, weitere Abschaltungen stehen noch aus (siehe EnBW 20 Monate nach der Energiewende). 13.400 Megawatt Strom kann der Energiekonzern derzeit erzeugen, genügend, um zwölf Städte der Größe Stuttgarts mit Energie zu versorgen. Aber Geld verdient der Riese im Eigentum des grün-rot regierten Baden-Württembergs und mehrerer oberschwäbischer Kommunen keines.

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„Wir haben zu stark in Megawatt und Kilometern gedacht, jetzt müssen wir uns an Watt und Meter gewöhnen“, resümiert EnBw-Chef Frank Mastiaux bitter und stöhnt über die völlig veränderte Geschäftslage. Jeder 60. Deutsche versorgt sich bereits selbst mit Energie und braucht die großen Versorger nicht mehr, Tendenz steigend. Die Haushaltskunden, früher eine träge Masse, wechselten immer häufiger die Stromlieferanten. Waren es früher nur vier Prozent pro Jahr, wählten in der zweiten Hälfte 2012 in der gesamten Branche gut 25 Prozent den Anbieter oder den Stromtarif.

Zudem kämpft der Versorger wie die Konkurrenten E.ON und RWE mit den gefallenen Strom-Großhandelspreisen und der Verdrängung seiner Anlagen durch den vorrangig eingespeisten Ökostrom. E.ON rechnet nach Zuwächsen 2012 für das laufende Jahr mit einem Gewinnrückgang. RWE stellt seine Zahlen am Dienstag kommender Woche vor.

Stromkonzerne Politik der Energiewende macht große Versorger kaputt

Die vier großen Versorger sind ein Schatten ihrer selbst. Die Politik der Energiewende hat Unternehmenswerte, Finanzkraft und Substanz dezimiert. Die Chefs können sich nur durchwurschteln – Ziel und Ausgang offen.

Aufmacher Energieriesen Dreieroptik Quelle: dpa/Montage

"Die Bilanz für 2012 zeigt, dass das traditionelle Geschäftsmodell der EnBW unverändert erheblich unter Druck ist", sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux. Dies habe strukturelle Ursachen und sei wohl kein vorübergehendes Phänomen. "Auch in den kommenden Jahren werden wir diese negativen Auswirkungen noch deutlich sehen, da wir nicht davon ausgehen können, dass sich der Markt vom heutigen Niveau betrachtet, substanziell erholen wird."

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