Energiepolitik: Die wichtigsten Studien zum Energiestreit

Energiepolitik: Die wichtigsten Studien zum Energiestreit

Bild vergrößern

Strommasten

von Dieter Dürand

In der Diskussion über die Energiezukunft Deutschlands und die Laufzeiten der Atomkraftwerke gab es eine Flut von Studien. Die WirtschaftsWoche hat die wichtigsten Gutachten zusammengestellt.

In der Diskussion über die Energiezukunft Deutschlands und die Laufzeiten der Atomkraftwerke gab es eine Flut von Studien. Die WirtschaftsWoche hat die vier wichtigsten Gutachten und das Energiekonzept der Bundesregierung hier zusammengestellt. Eilige Leser finden die wichtigsten Aussagen und Ergebnisse, wie Deutschland in ein neues Energiezeitalter starten soll,  kurz zusammengefasst – zusätzlich bieten wir Ihnen die vollständigen Studien zum Download.

Energiekonzept der Bundesregierung

Nach dem Plan tragen die erneuerbaren Energie 2020 schon fast ein Fünftel zum gesamten Energieverbrauch bei. Im Jahr 2050 steigt der Anteil auf 60 Prozent. Im Strommarkt geht der Umstieg danach noch schneller: Dort wird ein Grünstrom-Anteil von 35 Prozent 2020 und 80 Prozent bis 2050 angestrebt.

Anzeige

Kernenergie und fossile Kraftwerke

Die 17 deutschen Atommeiler sollen im Durchschnitt zwölf Jahre länger laufen. In zwei Demonstrationsvorhaben soll die Abscheidung und Speicherung von CO2, das bei der Verbrennung von Kohle entsteht, erprobt werden.

Windenergie

Das Kabinett setzt vor allem auf den Ausbau riesiger Meereswindparks. Ihre Leistung soll 2030 auf 25 Gigawatt anwachsen, das entspricht in etwa der Kapazität von 25 großen Kohlekraftwerken. Der Ausbau kostet rund 75 Milliarden Euro.

Fotovoltaik

Hier werden keine konkreten Ausbauziele genannt. Eine Überförderung durch eine zu hohe Einspeisevergütung soll künftig vermieden werden.

Energieeffizienz

Würde die Industrie ihre Produktion auf energieeffiziente Techniken umstellen, könnte sie laut Bundesregierung jährlich bis zu zehn Milliarden Euro einsparen.

Stromübertragung

Als besonders dringlich wird der Bau von Nord-Süd-Trassen bezeichnet, um die wachsenden Mengen Windstroms von den Küsten in die Industriezentren im Süden und Westen transportieren zu können. Ein zehnjähriger Netzausbauplan soll dafür sorgen, dass es anders als in der Vergangenheit zügig vorangeht.

Speicherung

Neuartige Langzeitspeicher auf Basis von Wasserstoff oder Druckluft sollen im Eiltempo zur Marktreife geführt werden. Um Investitionen anzustoßen, will die Regierung neue Speicherkraftwerke länger als bisher vorgesehen von Entgelten für den Netzzugang freistellen.

Gebäudesanierung

Statt wie bisher ein sollen künftig jährlich zwei Prozent des Gebäudebestands in Deutschland gedämmt und mit moderner Heiztechnik ausgerüstet werden. Die Regierung will durch diese Maßnahmen erreichen, dass der Wärmebedarf bis 2020 um 20 Prozent und bis 2050 sogar um 80 Prozent sinkt.

Elektromobilität

Bis 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge zugelassen sein, zehn Jahre später bereits fünf Millionen.

Das vollständige Konzept können Sie hier herunterladen (PDF-Datei).

Studie des Umweltbundesamtes

Nach diesem Szenario kann sich Deutschland mit den heute verfügbaren Techniken zu Hundert Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Windmühlen vor den Küsten und an Land erzeugen mit 177 beziehungsweise 170 Terrawattstunden (TWh) jeweils rund ein Drittel der benötigten Energie.

Eine Terrawattstunde entspricht in etwa dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 240 000 Einwohnern. Pumpspeicherkraftwerke sowie Gas- und Dampfturbinenkraftwerke sollen die Versorgung sichern, wenn Sonne und Wind einmal länger ausfallen.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen (PDF-Datei).

Sachverständigenrat für Umweltfragen

Die Ökoweisen halten ebenfalls eine Vollversorgung mit Ökostrom bis 2050 für realistisch. Anfangs steigen die Kosten für die regenerative Stromversorgung steil an – auf bis zu 43 Milliarden Euro im Jahre 2024.

Im günstigsten Fall verteuern sich die Erzeugungskosten für Strom gegenüber heute nach Berechnung der Sachverständigen um lediglich zwei Cent. Ökostrom wäre danach auf Dauer sogar preiswerter als Elektrizität aus Kohle, Erdgas und Uran.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen (PDF-Datei).

Energieszenarien für das Energiekonzept der Bundesregierung

Prognos, das Energiewirtschaftliche Institut der Universität Köln und die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung haben untersucht, wie sich verschiedene Verlängerungen der AKW-Laufzeiten auf Strompreise und Wachstum auswirken. Die Berechnungen ergaben, dass der volkswirtschaftliche Nutzen bei einer Laufzeitverlängerung zwischen 12 und 20 Jahren höher ist als in den Extremvarianten 4 und 28 Jahre.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen (PDF-Datei).

Energieprognose 2009

Sie sagt voraus, wie sich wichtige Rahmendaten auf den Energiemärkten bis 2030 verändern. Auftraggeber war das Bundeswirtschaftsministerium. Das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) haben die Prognose erstellt.

Die Experten erwarten, dass sich der Strompreis sowohl für Industrie- als auch Haushaltskunden leicht erhöht und erneuerbare Energien 2030 fast 30 Prozent des Stromverbrauchs decken. Eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke würde den Strompreis im Vergleich zum ursprünglich geplanten früheren Abschalten um bis zu knapp einem Cent je Kilowattstunde verbilligen. Weil die Industrie Produkte dann preiswerter herstellen kann, wächst die Wirtschaft 2030 um fast ein Prozent kräftiger als bei einem frühzeitigen Abschalten.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%