Energieversorger: Angespannte Lage bei EnBW

Energieversorger: Angespannte Lage bei EnBW

Die Zeiten waren schon besser: Wenn die EnBW am Dienstag die Neun- Monats-Zahlen vorlegt, dürfte kaum Sektlaune aufkommen. Die Lage bei dem vom Atomausstieg gebeutelten Konzern ist nach wie vor angespannt.

Frank Mastiaux, seit einem Jahr Chef bei Deutschlands drittgrößtem Stromkonzern, hat sich viel vorgenommen: Aus dem einstigen Atomstromer will er einen Öko-Konzern machen, der Energieversorger soll zudem auf Effizienz getrimmt, wendiger und kundenfreundlicher werden. Große Ziele bei kleinem Budget. Wenn der 49-Jährige am Dienstag die Zahlen der ersten neun Monate vorlegt, sind im Vergleich zur Halbjahresbilanz keine großen Überraschungen zu erwarten. „Die Lage ist nach wie vor angespannt“, beschreibt es ein Insider.

Zum einen ist die EnBW im zweiten Jahr nach dem Atomausstieg noch gewaltig unter Druck: Der Konzern musste zwei seiner vier lukrativen Kernkraftwerke vom Netz nehmen. Zudem machen der EnBW sinkende Stromabsätze, gesetzliche Umlagen und Abgaben sowie höhere Aufwendungen im Bereich Kernenergie zu schaffen.

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Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar um 9,3 Prozent auf knapp 10,6 Milliarden Euro. Der Konzernüberschuss brach jedoch um 65 Prozent ein auf 190,5 Millionen Euro. Ein Trend, der sich auch in den Neun-Monats-Zahlen fortsetzen dürfte. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die EnBW 473,5 Millionen Euro Überschuss.

Für die strategische Neuausrichtung will Mastiaux bis zum Jahr 2020 rund 7 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Viel Geld, das erst noch verdient werden muss. Um den Ausbau von Wind- und Wasserkraft zu finanzieren, will der frühere Eon-Manager unter anderem Tochterunternehmen wieder in den Konzern eingliedern, den Vorstand verkleinern und sich „von wenig aussichtsreichen Aktivitäten“ trennen, wie er sagt.

Bis Ende 2014 sollen 750 Millionen Euro eingespart werden. Rund 1300 Stellen fallen dem Sparkurs zum Opfer. Ob die 20.000 Mitarbeiter dann noch weiter Federn lassen müssen, ist ungewiss. Die Gewerkschaft Verdi sieht jedenfalls keinen weiteren Spielraum: „Die Arbeitnehmer haben mit Jobabbau und 3,6 Prozent Gehaltsverzicht ihren Anteil eingebracht“, sagt Gewerkschafter Bodo Moray. Die strukturellen Probleme in der Energiewirtschaft würden auch durch Personalabbau nicht gelöst.

Moray, zugleich Aufsichtsrat für die Arbeitnehmerseite bei dem Karlsruher Versorger, der fast ausschließlich dem Land Baden-Württemberg und dem Kommunalverband OEW gehört, spricht von einer „katastrophalen Situation“ - nicht nur bei der EnBW. „Alle Energieversorger, sowohl die großen Konzerne als auch Stadtwerke, leiden unter einer Politik, die die Energiewende ausgerufen hat, aber nicht die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit bietet.“

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EnBW-Chef Mastiaux hat aus Sicht Morays mit seinen Investitionen in Off-Shore-Windparks wie Baltic II und Windenergieprojekte in Baden-Württemberg „die richtigen Antworten“ für den Umbau zum Ökostromer gegeben. Doch, so vermerkt der Gewerkschafter resigniert: „Was nützt der beste Stratege bei solchen Rahmenbedingungen.“

Einerseits werde den erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne Vorrang gewährt, andererseits müssten die großen Versorger wegen der Stabilität des Stromnetzes aber große Kohlekraftwerke vorhalten, Stromnetze ausbauen und Speicherkapazitäten aufbauen.

Wenn die Politik angesichts dieser Milliardeninvestitionen nicht für Planungssicherheit sorge, „werden die Unternehmen die Energiewende nicht so stemmen können, wie es nötig ist“, warnt er. „Notwendig ist ein energiepolitischer Konsens und Plan für Deutschland“, betont der Verdi-Funktionär an die Adresse der sich formierenden großen Koalition.

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