Energieversorger: Die wenigen Fans von EnBW

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Energieversorger: Die wenigen Fans von EnBW

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Der Vorstandsvorsitzende der EnBW, Hans-Peter Villis, wird auf der Hauptversammlung des Energieversorgers seinen Nachfolger vorstellen.

von Andreas Wildhagen

Auf der Hauptversammlung des baden-württembergischen Versorgers EnBW wird es wieder hoch hergehen, obwohl sich fast das gesamte Kapital in fester, das heißt kommunaler und staatlicher Hand befindet. Deren Repräsentanten warten nun auf den neuen Vormann, der ab Oktober das schlingernde Schiff retten soll.

Für Hans-Peter Villis, dem Noch-Vorstandsvorsitzenden des schwäbisch-badischen Stromversorgers EnBW, wird es der letzte große Auftritt in der Öffentlichkeit. Wenn Donnerstagmorgen um 10 Uhr in der Stadthalle des Kongresszentrum Karlsruhe der Gong ertönt, wird der Saal voll sein, allerdings mit lautstarken, aber auch besorgten Einzelaktionären, die nur wenige Prozent des Kapitals ausmachen. Der große Rest, jeweils 46 Prozent gehören oberschwäbischen Kommunen und dem Land Baden-Württemberg, ist in regierungsamtlichen Verantwortungsbereich, von politischen Interessen durchsetzt und gebeutelt von Flügelkämpfen zwischen denen der grünen Staatskanzlei, dem roten Minderheitspartner in der grünroten Koalition und den pechschwarzen oberschwäbischen Kommunen.

Das EnBW-Geschäftsjahr 2011

  • Der Umsatz

    Um 7,3 Prozent legte EnBW im Geschäftsjahr 2011 seinen Umsatz zu. Betrug er Ende 2010 noch 17,5 Milliarden Euro, stieg er im Laufe des vergangenen Jahres auf rund 18,8 Milliarden Euro an. Den größten Sprung verzeichnete der Energieriese im Segment der Stromerzeugung und des Stromhandels. Hier legte EnBW um 13,1 Prozent – also von 4,8 Milliarden auf 5,5 Milliarden Euro – zu. Das größte Stück vom Kuchen macht jedoch das Stromnetz und der Stromvertrieb mit 10,7 Milliarden Euro aus (Vorjahr: 10,2 Milliarden.).

  • Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT)

    Ohne Zins- und Steuerausgaben machte EnBW 2011 einen Gewinn von 670,9 Millionen Euro. Im Vorjahr betrug der EBIT (earnings before interest and taxes) noch 2,1 Milliarden. Damit sank der Wert um ganze 68,4 Prozent.

  • Konzernfehlbetrag

    Unterm Strich machte EnBW einen Verlust. Ohne Bereinigungen und Zahlentricksereien verzeichnet der Energieriese im Geschäftsjahr 2011 einen Fehlbetrag von 867,3 Milliarden Euro. Das macht ein Minus von 174,9 Prozent.

  • Der Verlust je Aktie

    Verzeichneten die EnBW-Aktien 2010 noch je ein Ergebnis von 4,74 Euro, verzeichneten die Aktien vergangenes Geschäftsjahr einen Minus von 3,55 je Wertpapier.

  • Der Cashflow

    Der Spielraum von EnBW wurde im Geschäftsjahr 2011 eingeschränkt. Das Unternehmen ist um ein Drittel weniger flüssig – der Free Cashflow sank um 34,8 Prozent von 1,1 Milliarden auf 690,8 Millionen.

  • Investitionen

    Auch die zurückgeschraubten Investitionen konnten die Kosten nicht ausreichend senken. 2011 gab der Konzern 43,3 Prozent weniger für Investitionen aus als im Vorjahr. Investierte EnBW 2010 noch 2,3 Milliarden Euro, waren es vergangenes Jahr nur noch 1,3 Milliarden.

Es gibt nicht genug Windkraft für EnBW, nicht genug Erdgas im Energiemix, aber ziemlich viel Atomkraft, zwei von vier Reaktoren sind grundsätzlich noch nicht vom Netz. Hans-Peter Villis hat sich in den vergangenen Jahren immer als voller Befürworter der Kernenergie im Ländle gezeigt. Das schlug nach Fukushima und nach dem Wachwechsel von der christlich-demokratisch regierten Staatskanzlei auf Grün-Rot katapultartig auf ihn zurück. Villis wird auch als Sündenbock dieses Politikwechsels gesehen. Sein Nachfolger, Frank Mastiaux, kommt von E.On. Mastiaux ist aber kein volles Villis-Gegenprogramm.

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Ein grüner Windmacher ist er nicht, auch kein Bücherschreiber wie der populärwissenschaftliche frühere Erneuerbaren-Chef von RWE, Fritz Vahrenholt. Mastiaux hat früher für BP gearbeitet, verantwortete das Gasgeschäft und kam als Promotor der Erneuerbaren Energien von E.On zum Düsseldorfer Platzhirschen. Dort war er im vergangenen Jahr als Hardliner für die Expansion des Konzerns in Schwellenländer verantwortlich.

Die EnBW-Geschäftsfelder

  • Stromnetz und -vertrieb

    Den größten Anteil am EnBW-Geschäft macht das Stromnetz und der Stromvertrieb aus. Hierauf entfielen im Geschäftsjahr 57,2 Prozent des Umsatzes. Der Ertrag stieg von 10,2 Milliarden Euro im Jahr 2010 um 5,4 Prozent auf 10,7 Milliarden.

  • Stromerzeugung und -handel

    29 Prozent macht das Geschäft mit Stromerzeugung und Stromhandel am EnBW-Umsatz aus. Dort verzeichnete der Konzern 2011 den größten Umsatzsprung. Erwirtschaftete der er damit 2010 noch 4,8 Milliarden Euro, waren es vergangenes Jahr 13,1 Prozent mehr (5,4 Milliarden).

  • Gas

    Gas ist mit einem Umsatzanteil von 9,7 Prozent das drittgrößte Geschäft für EnBW. In diesem Segment verzeichnete der Konzern im Geschäftsjahr 2011 den niedrigsten Umsatzanstieg. Der Ertrag kletterte um 1,7 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro (2010: 1,8 Milliarden Euro).

  • Energie- und Umweltdienstleistungen

    Die kleinste Geschäftseinheit sind nach Ertrag die Energie- und Umweltdienstleistungen. Sie machten mit ihren 780,4 Millionen Euro im Jahr 2011 einen Umsatzanteil von 4,1 Prozent aus. Immerhin stieg der Umsatz der Sparte am zweithöchsten (9,7 Prozent). 2010 erwirtschaftete die Einheit noch 711,2 Millionen Euro.

Auf dem Podium wird Mastiaux noch nicht sitzen, so wie Peter Terium, der designierte Chef bei RWE, der schon jetzt stellvertretender Vorstandschef ist. Aber die ganze Hoffnung der Polit-Großaktionäre lastet auf ihm, dass er die Wende von EnBW hinbekommt. Der neue EnBW-Chef muss es rotgrünen Landespolitikern und schwarzen Landräten recht machen. Der scheidenende Villis hat zwar die Landräte für sich, aber die Landesregierung gegen sich. Damit konnte langfristig kein Staat bei EnBW mehr gemacht werden.

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Dennoch vermelden jetzt ganz staatstragend zwei württembergische Hochadelige einen wohl fetten Deal mit EnBW. Beide wollen mit dem staatlich dominierten Versorger Windparkprojekte auf ihren Latifundien realisieren. Fürst Philipp zu Hohenlohe-Langenburg ist einer von ihnen. Elf windstarke Standorte hat er auf seinen Äckern ausgemacht, die Projekte sollen in enger Kooperation mit den Landräten und mit Bürgervertretern entwickelt werden – die Zeiten, in denen über die Köpfe von Leibeigenen entschieden wurden, sind vorbei. Der andere Hochadelige ist Baron Götz von Berlichingen, der ganz ohne die sprichwörtliche Attitüde ganz sachdienlich sagt: „EnBW hat uns aufgrund ihrer Kompetenz im Bereich Windkraft überzeugt“.

Es gibt sie noch, die Fans von EnBW.

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