Energieversorger: E.On-Chef fordert Systemkorrektur der Energiewende

Energieversorger: E.On-Chef fordert Systemkorrektur der Energiewende

von Andreas Wildhagen

„Die Stromproduktion des Konzerns ist unter Druck“. Mit solchen Sätzen wie diesen beunruhigt der forsche E.On-Chef die Aktionärsvertreter in der Essener Grugahalle. Aktionäre kritisieren Brasilien-Abenteuer.

„An immer mehr Tagen und Stunden“, so sagt Teyssen, „müssen Stromproduzenten sogar Geld dazu legen, wenn sie den Strom in den Handelsmarkt verkaufen wollen. Die Margen selbst hochmoderner Gaskraftwerke liegen in vielen Märkten Europas nahezu bei null.“

Gleichzeitig geißelte er das „Tonnendenken“ in der Energiewirtschaft. „Im herkömmlichen Energiesystem wurde Erfolg gemessen in Barrel Öl, Tonnen Steinkohle und Kubikmeter Erdgas. Je mehr davon gefördert und herangeschafft wurde, umso besser.“ Dieses Denken setze sich ungebrochen fort, sagte Teyssen. „Wir bauen Windrad nach Windrad und glauben, das sei bereits die große Wende“. Die Windräder sind es, die E.On vor allem das Geschäft mit den Gaskraftwerken vermiesen. Das Zuviel an Windenergie und die viel zu billigen CO-2-Zertifikate seien ein unverdaulicher Cocktail für die Energiewirtschaft.

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E.On nach 20 Monaten Energiewende

  • Umsatz

    E.On hat seinen Umsatz zwischen 2010 und 2012 von 93 Milliarden Euro auf 118 Milliarden Euro gesteigert.

  • Konzernüberschuss

    Beim Konzernüberschuss (Fehlbetrag) musste E.On 2011 ein Minus von 1,8 Milliarden Euro ausweisen, 2012 steht hier wieder ein Plus von 2,6 Milliarden Euro.

    Der nachhaltige Konzernüberschuss (bereinigt um außergewöhnliche Effekte) lag 2010 noch bei 4,8 Milliarden Euro, brach 2011 auf 2,5 Milliarden ein und stabilisierte sich 2012 wieder bei 4,2 Milliarden.

  • Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen

    Der Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen (Ebitda) nahm von 13,3 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 10,8 Milliarden im Jahr 2012 ab. 2011 war er auf 9,3 Milliarden abgesackt.

  • Nettoverschuldung Ebitda

    Der Wert sank von 37,7 im Jahr 2010 auf 36 im Jahr 2012.

  • Anteil abgeschalteter & noch abzuschaltender Atomkraftwerke

    E.On hat bereits Kraftwerke abgeschaltet, die einem Anteil von 15 Prozent an seiner Gesamtstromkapazität entsprechen. Weitere 26 Prozent stehen noch aus.

  • Anteil Gas an Stromerzeugung

    Der Gasanteil lag 2012 bei 35 Prozent und damit auf dem selben Wert wie 2010. 2011 lag er mit 38 Prozent zwischenzeitlich etwas höher.

  • Anteil Steinkohle an Stromerzeugung

    Steinkohle hat für E.On an Bedeutung gewonnen. Der Anteil stieg von 23 Prozent in den Jahren 2010 und 2011 auf 26 Prozent im Jahr 2012.

  • Anteil Braunkohle an Stromerzeugung

    Braunkohle-Kraftwerke spielen bei E.On mit einem Anteil von fünf bis sechs Prozent in den vergangenen drei Jahren eine untergeordnete Rolle.

  • Anteil Erneuerbare an Stromerzeugung

    Die erneuerbare Energie hat E.On von 11 Prozent auf 12 Prozent im Jahr 2012 leicht ausgebaut.

  • Anteil Wind an Stromerzeugung

    Der Anteil der Windkraft stieg dabei von drei auf vier Prozent zwischen 2010 und 2012.

  • Unternehmenswert

    Der Wert des Konzerns fiel beträchtlich. Waren es 2010 noch 45,8 Milliarden Euro, wird E.On 2012 nur noch mit 28,2 Milliarden Euro bewertet.

  • Fazit

    Der Börsenwert ist dramatisch eingebrochen. Die Gewinne können nur durch Beteiligungsverkäufe gehalten werden.

Gar nicht gern wird das der Nachbar, der Stromversorger RWE, gehört haben, vor dessen Haustür der E.On-Chef seine Hauptversammlungsrede hielt. Von den preiswerten Zertifikaten profitieren vor allem die Braunkohlekraftwerke, die mit den preiswerten Zertifikaten rund laufen und RWE relativ hohe Gewinne bescheren. Doch das betont RWE-Chef Peter Terium möglichst wenig. „Der Gentlemen genießt und schweigt“, hat Teyssen an die Adresse Teriums einmal gesagt. Die Energiewirtschaft schenkt sich nichts mehr. Die ehemalige Schulterschluss-Branche ist aufgebrochen.

Und dann gab Teyssen einen trotzigen Kommentar zur nicht sehr berauschenden Aktienentwicklung ab: „Die Aktie wird sich in den nächsten Jahren umso besser entwickeln, wie wir Kurs beim Umbau halten und Vertrauen neu aufbauen. Hierzu sind wir kampfeslustig.“

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Teyssen pries seine Investitionsstrategie in Schwellenländern wie der Türkei und Brasilien und gab nach Redetext den Weltmann: „Ob in Adana oder in Rio de Janeiro, ob in Sibirien oder in der Heimat, Energie soll für unsere Kunden besser und sauberer werden.“ Aktionärsvertreter allerdings sehen vor allem das Engagement in Brasilien kritisch. So sagte Ingo Speich, Vertreter der Union Investment: „Das Management tritt jetzt die Flucht nach vorn an und sucht Wachstum in den Schwellenländern. Ob damit der große strategische Wurf gelingt, wagen wir zu bezweifeln, denn Synergien über die Landesgrenzen und Kontinente hinweg sind in der Energiebranche selten. Lassen Sie sich in Südamerika nicht über den Tisch ziehen, Herr Teyssen!

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