Energieversorger im Vergleich: Was E.On und RWE unterscheidet

Energieversorger im Vergleich: Was E.On und RWE unterscheidet

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Die beiden Großversorger gehen unterschiedliche Wege.

von Andreas Wildhagen

Die beiden Großversorger in Düsseldorf und Essen gehen unterschiedliche Wege: Während die einen dezentrale Energien verteufeln, wollen die anderen das Geschäft der autarken Stromerzeugung mitmachen. Ein Unternehmensvergleich.

„Dezentrale Energie“ ist das neue Zauberwort in der deutschen Energielandschaft. Es bedeutet eine Abkehr von den Kohle-Großkraftwerken, die durch den Überschuss der Wind- und Sonnenenergie nicht mehr profitabel sind. Damit verlieren die Großversorger, auch E.On und RWE, ihr seit hundert Jahren gepflegtes, angestammtes Geschäft. Beide Konzernchefs haben auf diesen Trend unterschiedliche Antworten. Während RWE-Chef Peter Terium, in das Geschäft mit der dezentralen Energieerzeugung einsteigen will, verteufelt E.On-Lenker Johannes Teyssen die Strom-Eigenversorgung als „Schwarzbrennerei“.

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Was heißt das? Im Jahr zwei nach der Energiewende trachten immer mehr Unternehmen danach, Elektrizität in Eigenregie zu erzeugen, um die wachsenden Netzentgelte, Ökostromumlage, Steuern und Abgaben zu sparen. Jeder versucht, dem System zu entkommen und baut eigene Kraftwerke. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) verfügen in der Industrie acht Prozent von 2300 befragten Unternehmen schon über eine eigene Stromfabrik. Bei weiteren 21 Prozent sind Anlagen geplant oder im Bau. „Die hohen Energiepreise für öffentlich bezogenen Strom in Verbindung mit sinkenden Gestehungskosten erneuerbarer Energien  machen die Eigenerzeugung für viele Unternehmen attraktiv“, lautet das Fazit der DIHK-Studie.

Namhafte Industrieadressen montieren sich eigene Stromerzeugungsanlagen auf das Werksgelände: Daimler, BMW und große Handelsketten wie Aldi. Damit ist zum Beispiel Aldi in der Lage, Strom mit einer Gesamtleistung von über 70 Megawatt zu produzieren, das ist ein Zehntel eines kleinen Atomkraftwerks. Und der Handelskonzern Metro hat vor zwei Monaten für seine Märkte am Konzernsitz in Düsseldorf sowie in Berlin-Marienfelde eigene Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Die Metro hat eine Kooperation mit E.On. Der Versorger berät die Handelskaufleute in Sachen Energieeffizienz.

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Quelle: dpa/Montage

Dennoch wettert E.On-Chef Teyssen öffentlich, zuletzt im Interview mit der FAS, gegen die Strom-Eigenversorgung und bezeichnet die Betreiber solcher Anlagen als „Schwarzbrenner“, die Abgaben sparen wollen. „Ich vergleiche das“, sagt Jurist Teyssen, „mit Schwarzbrennerei von Alkohol. Die Leute produzieren Strom für sich selbst und geben ihn nur gelegentlich ins Netz ab. Sie machen das mit Photovoltaikanlagen, mit Windrädern oder auch kleinen Blockheizkraftwerken.“

Blockheizkraftwerke? Gerade die hat Metro für sich als Eigenstromversorgung errichten lassen, mit Hilfe von E.On. Sind die Metro-Manager nun Schwarzbrenner, also Kriminelle? Schwarzbrennerei ist ein Vergehen gegen das Branntweinsteuergesetz, es wurden in Deutschland schon deswegen Haftstrafen verhängt. „Was das der richtige Vergleich?“, sinniert ein E.On-Manager über die starken Worte des Vorsitzenden nach.

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Das Branntweinsteuergesetz leitet sich vom staatlichen Branntweinmonopol ab, das im Grundgesetz festgeschrieben ist. Die deutsche Stromwirtschaft war auch einmal ein Monopol. „Das hat Herr Teyssen bestimmt nicht so gemeint“, sagt ein E.On-Aufsichtsrat mitfühlend.

RWE geht einen anderen Weg. Konzernchef Terium will im Vertrieb, nach einem vertraulichen Strategiepapier, das das Handelsblatt Mitte dieser Woche veröffentlichte, und im Verteilnetz neue Geschäftsmodelle für dezentrale Energien entwickeln. Damit wird RWE ein wichtiger Partner für die deutsche Industrie.

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