
Aus Paris kommt ein Gerücht mit Seltenheitswert: Mitten in einer Epoche, in der deutsche Energieunternehmen wieder die schützende Hand des Staates suchen, weil sie die Energiewende nicht alleine bewältigen können, droht dem schwäbisch-badischen Energieversorger EnBW genau das Gegenteil: Das Land könnte sich wieder aus dem Unternehmen wieder zurückziehen.
Bild: dpaRWE
Geplante Einsparungen
1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in 2013 und 2014.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Jetzt legte der neue Chef Peter Terium nach - weitere 2400 Stellen werden gestrichen. Das sei unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Bild: REUTERSE.On
Geplante Einsparungen
Bis 2015 will Konzernchef Johannes Teyssen die beeinflussbaren Kosten auf 9,5 Milliarden senken. Das Sparprogramm trägt den Titel E.On 2.0.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
E.On will bis 2015 bis zu 11.000 seiner 80.000 Stellen weltweit abbauen, allein 6000 davon in Deutschland. Die Gewerkschaften ver.di und IG BCE haben sich bereits mit E.On auf einen Tarifvertrag zur Umsetzung des Stellenabbaus in Deutschland geeinigt.
Der Konzern stehe "im Stromerzeugungsgeschäft vor immensen Belastungen", sagte Konzernchef Johannes Teyssen bei der Präsentation der Zahlen zum dritten Quartal. Das angestrebte Ziel eines nachhaltigen Gewinns von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro erscheine 2013 angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten und der strukturellen Veränderungen im Energiesektor nicht mehr möglich.
Bild: dapdDer Tarifvertrag läuft bis 2016 und sieht Vorruhestandsregelungen, Abfindungen, die Gründung einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft sowie zeitlich nachgelagert die Einrichtung einer Transfergesellschaft vor.
E.On- Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Würgassen – stillgelegt
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Unterwese (stillgelegt)
Isar 1 und Isar 2 (Block 1 mit Atommoratorium stillgelegt)
Brokdorf
Grafenrheinfeld
Grohnde (83,3 % E.On, 16,7 % Stadtwerke Bielefeld)
Gundremmingen B und C (25 % E.On, 75 % RWE)
Emsland ( 12,5 % E.On, 87,5 % RWE)
Bild: dapdMehr Details zum Sparprogramm soll es am 14. August bei der Präsentation der Halbjahresbilanz geben. Terium forderte die Mitarbeiter bereits jetzt zu mehr Flexibilität auf: „Mitarbeiter müssen geografisch und funktional flexibler werden." Wer seinen Arbeitsplatz in Biblis verliere, könne doch zum Beispiel in Niederaußem anfangen.
Die Kraftwerkstochter RWE Power will in den kommenden fünf Jahren rund 1.000 von 17.000Arbeitsplätzen streichen.
RWE-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Biblis (stillgelegt)
Emsland
Gundremmingen (75% Beteiligung)
Lingen (im Rückbau)
Mülheim-Kärlich (im Rückbau)
Borssele (Niederlande, 30 % Beteilung)
Bild: dpaVattenfall
Geplante Einsparungen
Deutschlands viertgrößter Energieanbieter streicht den Kundenservice in Berlin und Hamburg zusammen. Spätestens 2014 will der Konzern in diesem Bereich 27 Millionen Euro sparen. Jährlich will der schwedische Staatskonzern 600 Millionen Euro sparen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Vattenfall Europe beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter in Deutschland. Im Kundenservice in Hamburg und Berlin arbeiten insgesamt 900 Menschen, davon soll rund jede dritte Stelle gestrichen werden. „Der notwendige Personalabbau soll sozialverträglich gestaltet und betriebsbedingte Kündigungen sollen möglichst vermieden werden“, teilte der Konzern mit.
Bild: dpaDie Beschäftigten erhalten nun Angebote für Altersteilzeit, Teilzeit oder Abfindungen. Zur Debatte hatte auch gestanden, den Kundenservice komplett aus dem Konzern auszulagern. Die Konzernleitung entschied sich in Absprache mit dem Betriebsrat dagegen.
Vattenfall-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Brokdorf (20 % Vattenfall, 80 % E.ON)
Stade (66 % E.On, 33% Vattenfall) – stillgelegt)
Brunsbüttel (33% E.On, 66 % Vattenfall – stillgelegt)
Krümmel (50 % E.On – 50 % Vattenfall – stillgelegt)
Bild: dpaEnBW
Geplante Einsparungen:
Das bereits im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Ebit-wirksame Entlastung von 750 Millionen Euro bringen.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
EnBw beschäftigt derzeit rund 21.000 Mitarbeiter. Im Sommer 2011 berichtete der Südwestrundfunk über geplante Stellenkürzungen bei EnBW. Per Stellenabbau sollten Einsparungen in Höhe von 200 Millionen möglich sein, berichtete der Sender. Damit würde ein Großteil der angekündigten 300-Millionen-Einsparungen mit Stellenabbau erreicht. Der Sender berief sich auf Angaben von EnBw-Personalvorsatnd Bernhard Beck, die der Konzern jedoch nicht bestätigen wollte. Kündigungen sollte es jedoch nicht geben, bestätigte ein Sprecher. Legt man einen durchschnittlichen Personalaufwand von rund 80.000 Euro im Jahr und pro Mitarbeiter zugrunde, würden so bis 2013 rund 2.500 Stellen wegfallen.
EnBW-Kernkraftwerke – davon stillgelegt:
Neckarwestheim – teilweise stillgelegt
Obrigheim – im Rückbau
Philippsburg
Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung)
RWE
Geplante Einsparungen
1,5 Milliarden plus eine weitere Milliarde in 2013 und 2014.
Arbeitsplatzabbau/bedrohte Arbeitsplätze
Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Jetzt legte der neue Chef Peter Terium nach - weitere 2400 Stellen werden gestrichen. Das sei unumgänglich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Dieses hat die Vorgänger-Landesregierung im Dezember 2010 von dem damaligen Hauptaktionär, dem französischen Versorger EdF, für 4,7 Milliarden Euro übernommen, am Landtag vorbei. Bald darauf wurde der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) abgewählt, Winfried Kretschmann (Grüne) trat an seine Stelle. Dessen Finanzminister Nils Schmid (SPD) strengte ein Schiedsgerichtsverfahren in Paris gegen EdF an.
Politisches Sumpfgebiet
Angeblich, so sickert es aus einer unbekannten Quelle in Paris, die an das Ohr eines FAZ-Korrespondenten gelangt ist, könnte der Schiedsspruch dahingehend lauten, dass der Kauf entweder rückgängig gemacht werden könnte oder ein Teil der Kaufsumme an das Land von EdF zurücküberwiesen werden müsse, da EnBW möglicherweise überbewertet wurde. Die Rede ist von etwa zwei Milliarden Euro.
Das wird eine verborgene Kröte sein, die im politischen Sumpfgebiet rund um EnBW, auf den designierten EnBW Chef Frank Mastiaux als Nachfolger von Hans-Peter Villis wartet.
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