Energieversorger: RWE wird zum Spielball der Politik

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Energieversorger: RWE wird zum Spielball der Politik

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Auf der Hauptversammlung in der Essener Gruga-Veranstaltungshalle redet Konzernchef Terium Tacheles.

von Andreas Wildhagen

RWE -Chef Peter Terium will die düsteren Zeiten hinter sich lassen. Nach dem größten Verlust des Energiekonzerns seit 1949 machte der Manager den Anlegern am Mittwoch zumindest Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt.

Draußen vor der gewaltigen Essener Gruga-Veranstaltungshalle ertönen Trillerpfeifen und wütende Protestrufe. Es sind diesmal nicht nur Atomkraftwerksgegner, sondern auch Mitarbeiter von RWE. Drinnen wird bisher ganz untypisch für RWE Tacheles geredet. „Reden wir nicht drum herum“, sagt RWE-Chef Terium vor den versammelten Aktionären des größten deutschen Energiekonzerns. „Die Lage ist sehr ernst“. Fast drei Milliarden Euro Verlust hat der Energieriese zuletzt erwirtschaftet, ein solcher Verlust ist seit 50 Jahren nicht aufgetaucht. RWE strotzte vor Reichtum, die Energieversorgung war ein Monopol. Jetzt steht RWE im Wettbewerb und stellt fest, dass mit Preisen von 36 Euro pro Megawatt an der Leipziger Strombörse Kohle- und Gaskraftwerke nicht mehr profitabel laufen. Zudem drängt der Ökostrom aus Wind und Sonne die Energie aus konventionellen Kraftwerken aus dem Netz und lässt legt sie Schach Matt. Dadurch türmten sich zuletzt die riesigen Verluste auf, auf die RWE-Chef Terium mit Gegenmaßnahmen reagierte.

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Doch RWE belasten nicht nur die Rückschläge aus der Energieproduktion, sondern auch ein exorbitante Schulden in Höhe von 30 Milliarden Euro. Terium reagiert darauf mit Stellenstreichungen, mit dem Verkauf von profitablen Tochtergesellschaften wie dem Öl- und Gasförderer Dea sowie mit der Drosselung von Investitionen. Die Rückschläge bekommen auch die kommunalen Aktionäre zu spüren, die hohe Abschreibungen bei ihren Aktienpaketen vornehmen müssen. Das reisst noch tiefere Löcher in die Haushaltskassen und lässt die Sinnfrage nach der RWE-Beteiligung aufkommen. Wer nicht auf der Spitze des Börsenkurses Anfang des vergangenen Jahrzehnts verkauft hat, bleibt nun auf dem Abschreibungsbedarf sitzen. Die Stadt Düsseldorf verkaufte damals rechtzeitig, erzielte einen Rekordpreis ihrer RWE-Beteiligung, die sie seit 1932 hielt, und wurde dadurch schuldenfrei.

RWE war lange ein Hort der Sicherheit, vor allem für Arbeitnehmer. Versorgungssicherheit konnte auch sozial verstanden werden. Das kann sich RWE nun nicht mehr leisten, und das kommt einer gravierenden Veränderung der RWE-Kultur nah. RWE ist somit, das wird auf der heutigen Hauptversammlung deutlich, ein ganz normales Unternehmen geworden. Einschnitte beim Personal sind gehören nun auch bei RWE zur Normalität. Der Beschäftigungssicherungspakt läuft in diesem Jahr aus. Nicht alle Auszubildenden können in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis übernommen werden.

Der Wind wird kälter, der um den 30 Stockwerke hohen RWE-Turm in Essen weht, und nicht nur dort, in den RWE-Niederlassungen in ganz Nordrhein-Westfalen und in den Kraftwerken ebenso. „Wir zahlen nicht für Eure Krise“, rufen Mitarbeiter, von Polizisten in schwerer Montur beäugt, vor den Eingängen der Gruga-Halle, in der sonst Lady-Gaga auftritt.

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