
Wankender Versorger
Die CDU-Fraktion im Landtag ist vor Wut über die Gerüchte aus Paris auf des Daches höchster Zinne, der SPD-Finanzminister bringe EnBW durch seine Schiedsgerichtsklage in Existenznöte, denn EnBW bekomme dann ein Finanzproblem von ungeheurem Gewicht: Abschreibungen in Milliardenhöhe würden dann nötig. Nils Schmid dagegen argumentiert, er sei in erster Linie dem Steuerzahler verpflichtet, nicht allein dem Landesversorger.
Das Schieds-Gerücht kommt zur Unzeit. Denn gerade will das Land wie auch der andere Großaktionär (je fast die Hälfte) von EnBW eine Kapitalerhöhung durchziehen, die gestern in Gang gesetzt wurde. Den Aktionären werden gut 27 Millionen Aktien zum Preis von 30,90 Euro angeboten. Das soll zu einem Bruttoemissionserlös von 820 Millionen Euro führen. Ein für EnBW negatives Schiedsgerichtsverfahren oder gar eine Rückabwicklung des Kaufes des früheren EdF-Anteils durch das Land könnte EnBW also in eine gewaltige Krise stürzen.
Kein Zuckerschlecken
Und die trifft vor allem einen Mann, der eigentlich als Sonnyboy am Karlsruher Stammsitz von EnBW anfangen wollte. Der E.On-Manager und Ökostromexperte Mastiaux löst im Oktober den Atomfreund Villis auf dem Chefsessel ab.
Der 48-jährige Mastiaux sieht sich zunächst nicht allein der heftigen Diskussion um neue Standorte für neue Windparks in Ländle ausgesetzt – auf die er durch seine bisherige Karriere bei E.On bestens vorbereitet ist -, sondern einem Existenzthema, falls der Kauf von EnBW durch das Land rückabgewickelt werden sollte.
Und auch sonst ist EnBW kein Zuckerschlecken, für niemanden, der dort an der Spitze steht: Der durch den Atomausstieg stark ins Wanken geratene Versorger muss für seine Energiewende-Investitionen so schnell wie möglich wieder Gewinne produzieren, nach einem Verlust von 870 Millionen Euro im vergangenen Jahr.
- Seite 1: Pariser Indiskretion schüttelt EnBW durch
- Seite 2: Wankender Versorger
























