Energieversorgung: Ausgerechnet die Ukraine soll Desertec retten

KommentarEnergieversorgung: Ausgerechnet die Ukraine soll Desertec retten

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Die Unsicherheiten um Wladimir Putin und die Energieversorgung mit russischem Gas, soll dem schwächelnden Projekt Desertec wieder mehr Beliebtheit einbringen

von Andreas Wildhagen

Auf den Energieriesen E.On folgt der Baukonzern Bilfinger: Der Wüstenstrom-Initiative Desertec laufen die Unterstützer weg. Bei der DII-Gesellschaft in München will man aber nicht klein beigeben.

Die positive Nachricht zuerst: RWE und Münchner Rück wollen nicht aus dem Projekt Desertec aussteigen, das eigentlich hunderte von Solarthermie-Kraftwerke in der nordafrikanischen Wüste errichten soll. Die deutsche Industrie stand hinter dem Projekt, das eigentlich bis 2050 astronomische 400 Milliarden Euro im Wüstensand verbauen wollte. Bisher gibt es kein einziges solcher Sonnenkraftwerke, von einer Pilotanlage abgesehen und einem Vorhaben in Marokko, das aber von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert wurde und nicht von Desertec.

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Wüstenstromprojekt Bilfinger gibt Desertec auf

Erst Eon, dann Bilfinger: Die Ökostrominitiative in Nordafrika und dem Nahen Osten verliert einige seiner Unterstützer. Die Projektleitung zeigt sich unbeirrt: Mindestens ein deutscher Energieriese bleibt an Bord.

Schatten über Desertec? Jetzt zieht auch Bilfinger seine Unterstützung zurück. Quelle: ap

Erst stiegen Siemens, dann Bosch und nun auch noch E.On und Bilfinger aus. Der Bau- und Dienstleistungskonzern werde den Ende 2014 auslaufenden Vertrag nicht verlängern, bestätigte ein Bilfinger-Sprecher. Seit längerem trugen sich schon die E.On-Manager mit den stets dementierten Gedanken, aus dem Desertec-Projekt auszusteigen, spätestens nachdem sich die Stiftung in Hamburg mit der Realisierungs-Gesellschaft DII zerstritt. Schaut man nach vorn, so ist Desertec nun wohl endgültig im Wüstensand begraben, denn RWE mit seine drei Milliarden Euro Verlust im vergangenen Geschäftsjahr hat andere Sorgen als in Nordafrika Sonnenkraftwerke zu bauen. Schließlich fehlen auch die Leitungen durchs Mittelmeer. Zwei solcher Stränge durch die Meerenge von Gibraltar reichen nicht für die gigantischen Ziele der Desertec-Gründer.

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Bei der DII in München will man sich mit dem Rückzug von E.On und Bilfinger nicht abfinden. Nun wird die Krim-Krise und die Turbulenzen in der Ukraine bemüht, um für Desertec zu werben. Was ist, wenn Putin den Gashahn zudreht? Dann spätestens müsste für das erste Solarthermie-Werk in der Wüste der Grundstein gelegt werden. Um das idealistische Projekt im Geiste zu retten, wird nun auch die Angst vor einer Energiekrise im Ukraine-Konflikt zu bemüht, Desertec noch eine allerletzte Chance zu geben. Wer fällt darauf noch rein?

Die Idee, in der gleißenden Sonne der Sahara Parabolspiegel aufzustellen, um die Energie zu gewinnen ist nicht neu. Sie stammt aus dem Jahr 1913, als auch die Bagdad-Bahn konzipiert wurde. Die Idee ist auch nicht schlecht. Und sie ist eine echte Aufgabe, neudeutsch „Herausforderung“, für jeden Ingenieur. Es wäre schön, wenn diese Idee funktionieren würde. Nur handelt es sich um die Sahara-Anrainer nicht mehr um Kolonien, denen man eine Sonnenplantage aufdrücken kann. Und auch Stromleitungen lassen sich nicht mehr wie römische Heerwege von Süd- nach Nordeuropa anlegen. Das gehört zu den Lektionen von Desertec.

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