Energiewende: Die Stromkonzerne lassen den Steuerzahler bluten

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Energiewende: Die Stromkonzerne lassen den Steuerzahler bluten

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Seit 1995 wird das AKW Lubmin zurückgebaut. Geplant waren Kosten in Höhe von 3,2 Milliarden Euro. Inzwischen rechnet man mit mindestens 4,2 Milliarden

Das Ende der Atom-Ära kostet bis zu 100 Milliarden Euro. Die Energiekonzerne könnten das Geld aufbringen, doch am Ende zahlt vermutlich der Steuerzahler.

Von Andreas Wildhagen, Cordula Tutt, Henning Krumrey, Mario Brück und Melanie Bergermann.

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Am Morgen danach kam der große Kater. Aus Düsseldorf hatte sich der Energiekonzern E.On eingeloggt, aus Essen der Wettbewerber RWE und aus Karlsruhe EnBW, von Berlin aus Vattenfall. In der gemeinsamen Schaltkonferenz am vorvergangenen Dienstag bewegte die Top-Manager der vier großen Stromerzeuger hierzulande nur ein Thema: das verheerende öffentliche Echo auf ihre Idee, die am Vortag publik geworden war – nämlich die Risiken auf den Staat abzuladen, die mit der Beendigung der Atomkraft in Deutschland bis 2022 verbunden sind.

Sicher, es habe „eine Reihe durchaus ausgewogener politischer Statements“ gegeben, etwa von EU-Energiekommissar Günther Oettinger (CDU), dem grünen baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller sowie seinem SPD-Wirtschaftskollegen Nils Schmid, resümierte ein Teilnehmer. Die Presse aber sei „sehr kritisch“ gewesen, die Reaktion in den sozialen Medien gar „verheerend“, ein regelrechter „Shitstorm“.

Alles aussitzen

Die Frage war nun, was tun? Die Runde entschied mehrheitlich, die Debatte nicht weiter zu befeuern und stattdessen alles auszusitzen und abzuwarten. „Es wird die Erwartung/Hoffnung geäußert, dass sich das Thema medial in den nächsten Tagen erledigt“, heißt es in dem Kurzprotokoll der Schaltkonferenz, von dem die WirtschaftsWoche erfuhr.

Demontage Kampf gegen die Verstrahlung

Der Abriss eines Atommeilers ist eine langwierige High-Tech-Veranstaltung, wie die Anlagen Würgassen und Stade zeigen.

Kraftwerk Stade Quelle: dpa/dpaweb

Wenn sich die Herren da mal nicht gewaltig irren.

Insgesamt listet das Bundesamt für Strahlenschutz 29 Atomkraftwerke in Deutschland auf. Nur neun davon sind noch in Betrieb, acht wurden nach dem Energiewende-Beschluss der vorigen Bundesregierung 2011 abgeschaltet, ohne dass bereits mit dem Rückbau begonnen wurde.

Sowohl die Kosten für den Abriss der Atommeiler, die bereits abgeschaltet sind oder schrittweise bis 2022 vom Netz gehen, als auch die Finanzen der vier Betreiber E.On, RWE, EnBW und Vattenfall lassen nur einen Schluss zu: Die Konzerne haben genug Geld, um die Beendigung der Atom-Ära in Deutschland finanziell selbst zu stemmen. Es gibt kaum einen wirtschaftlichen Grund, beim Steuerzahler die Hand aufzuhalten, es sei denn, um die Konzernkassen und die Aktionäre zu schonen.

Ausreichend flüssig

Wenn es gut geht 25 Milliarden, wenn es ganz dick kommt 43 Milliarden Euro, so viel müssen die vier Atomkraftwerkbetreiber nach einer Studie der Umweltorganisation Greenpeace vermutlich aufbringen, um die Stilllegung und den Abriss ihrer Meiler sowie die Entsorgung des strahlenden Abfalls zu bezahlen. Europäische Atomkraftexperten wollen sogar 62 Milliarden Euro nicht ausschließen.

Solche Summen können die Konzerne aber durchaus selber stemmen, und das nicht nur, weil sie laut Atomgesetz finanzielle Rückstellungen in Höhe von 35 Milliarden Euro bilden mussten.

RWE etwa ist in der Lage, 65 Prozent der aktuell kalkulierten Kosten für den Abriss seiner Atomkraftwerke in Biblis (Hessen), Gundremmingen, Lingen (Emsland) und Mülheim-Kärlich (Rheinland-Pfalz) theoretisch morgen auf den Tisch zu legen. Dazu müsste Deutschlands zweitgrößter Versorger nur seine kurzfristigen Wertpapiere und den Bargeldbestand auflösen. Um die verbleibenden 35 Prozent zusammenzukratzen, bleiben RWE bis zu drei Jahrzehnte, bis der letzte Betonkrümel weggeräumt ist.

Genauso sieht es bei EnBW aus. Der schwäbisch-badische Konzern, der überwiegend dem Land und den Kommunen gehört, muss für die Demontage seiner vier Atomblöcke voraussichtlich 7,7 Milliarden Euro aufbringen. So viel besitzt das Unternehmen schon an Finanzanlagen.

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