Energiewende-Monitoring: Noch ist kein Grün in Sicht

Energiewende-Monitoring: Noch ist kein Grün in Sicht

Bild vergrößern

Die Stromkosten für Haushalte steigen weiter und trotzdem ist Deutschland von seinen Plänen zur Energiewende so weit entfernt, wie nie zuvor

von Mario Brück

Höhere Stromkosten für private Haushalte sowie stark gestiegene CO2-Emissionen drücken die bisherige Bilanz der Energiewende.

Am 30. Juni 2011 beschloss der Bundestag den Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022. Das Monitoring der Energiewende, das die WirtschaftsWoche zusammen mit der Unternehmensberatung A.T. Kearney seitdem zum dritten Mal vorlegt, ist eindeutig: Die Aussichten, dass das Jahrhundertprojekt gelingt, haben sich weiter getrübt. Beim Umstieg auf Sonnen- und Windstrom hakt es an fast allen Ecken.

Ziel 1: Sichere Stromversorgung

Ziel 1: Sichere Stromversorgung

Wie in den Vorjahren ist die Energiewende am weitesten vom Ziel einer bezahlbaren und wirtschaftlichen Energieversorgung entfernt. War das Ziel 2012 noch zu 49 Prozent erreicht, sank der Wert 2013 auf nur noch 26 Prozent. Den Grund sehen die Experten von A.T. Kearney vor allem in der signifikant gestiegenen Umlage für Ökostrom nach dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz (EEG) und der Belastung der privaten Haushalte durch gestiegene Energiekosten.

Anzeige

Die EEG-Umlage in Höhe von 6,24 Cent seit diesem Jahr könnte 2015 allerdings wieder leicht sinken, nach Schätzung des Berliner Thinktanks Agora Energiewende auf 5,8 bis 6,2 Cent. Grund seien Prognosefehler in der Vergangenheit, die bis 2015 ausgeglichen worden seien.

Industrielle Unternehmen bezahlen immer weniger

Während die privaten Kunden für ihre Stromrechnung immer tiefer in die Tasche greifen müssen, wird der Strom für die Industrie stetig billiger. Nach der Stilllegung von acht deutschen Atommeilern sind entgegen den meisten Prognosen die Strompreise nicht deutlich gestiegen, sondern gesunken, teilte das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster mit. Noch kurz nach dem Reaktorunfall in Fukushima im Jahr 2011 musste an der Strombörse für Grundlaststrom deutlich über sechs Cent pro Kilowattstunde bezahlt werden. Für das Lieferjahr 2017 können Großabnehmer und die Industrie heute ihren Strom am Terminmarkt für aktuell nur noch 3,2 Cent pro Kilowattstunde einkaufen. Das sind laut IWR die niedrigsten Strompreise seit über zehn Jahren. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 2008 musste die Industrie den Strom noch für rund neun Cent pro Kilowattstunde einkaufen.

Ziel 2: Zustimmung der Bevölkerung zur Energiewende

Ziel 2: Zustimmung der Bevölkerung zur Energiewende

Etwas näher als im Vorjahr ist die Energiewende am Ziel einer sicheren Stromversorgung. Laut A.T. Kearney bestehe jedoch nach wie vor Handlungsbedarf: Die Zahl der Unterbrechungen im Stromnetz hätte zwar im vergangenen Jahr den niedrigsten Stand seit Jahren erreicht, demgegenüber hätten sich jedoch die Minuten ohne Strom pro Jahr um vier Prozent erhöht. Zudem sorgen Verzögerungen beim Netzausbau dafür, dass es weiterhin keine Entwarnung für die Zukunft gibt.

CO2-Emissionen steigen weiter

Ziel 3: Umweltfreundliche Energieversorgung

Ziel 3: Umweltfreundliche Energieversorgung

Die Zustimmung der Bevölkerung für die Energiewende ist zwar nach wie vor hoch, aber grundsätzlich seit 2010 rückläufig. Der Kostenanstieg bei den Strompreisen für Haushaltskunden wirkt sich negativ auf die Zustimmung aus. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, aus der Institutschefin Renate Köcher vergangene Woche in einem Gastbeitrag für die WirtschaftsWoche zitierte, liegt die Zustimmung „stabil bei 70 Prozent“. Immerhin 15 Prozent hielten den eingeschlagenen Weg jedoch für falsch, so Köcher.

Ziel 4: Bezahlbare und wirtschaftliche Energieversorgung

Ziel 4: Bezahlbare und wirtschaftliche Energieversorgung

Vom Ziel der umweltfreundlichen Energieversorgung ist die Energiewende ebenfalls weiter entfernt als ein Jahr zuvor. Das liegt vor allem an den stark gestiegenen CO2-Emissionen, die den Höchstwert seit 2008 erreicht haben. Der Stromverbrauch ist zwar insgesamt leicht rückläufig, das Tempo reiche aber laut Einschätzung der Berater nicht, um die für 2020 gesteckten Ziele zu erreichen.

Weitere Artikel

Vor allem die Frühwarnindikatoren für die Umweltverträglichkeit unterstreichen den dringenden Handlungsbedarf. Die CO2-Intensität der Stromerzeugung nimmt zu statt ab. Einer der Gründe sind die niedrigen Preise für die Emissionszertifikate, die den Stromerzeugern keine genügenden Anreize bieten, auf CO2-arme Anlagen zu setzen.

Die Einspeisevergütungen für Ökostrom wurden 2013 erneut gesenkt. Das sorgte jedoch nicht dafür, dass die Entwicklung von Ökostromprojekten die Ausbaupläne gefährden. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Inlands-Stromverbrauch stieg nach vorläufigen Angaben des Bundesverbands des Energie- und Wasserwirtschaft im ersten Quartal 2014 auf 27 Prozent gegenüber 23 Prozent vor einem Jahr.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%