Energiewende: Was tun, wenn der Blackout kommt?

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Energiewende: Was tun, wenn der Blackout kommt?

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Eine brennende Kerze

Das Aus für die ersten acht Atomkraftwerke raubt Deutschland so viel Stromerzeugung wie noch nie. Wird der Sommer extrem trocken oder der Winter eisig, droht einzelnen Regionen der Blackout. Unternehmen, Hilfsorganisationen und private Haushalte sind unterschiedlich darauf vorbereitet. Je nach Dauer reichen die Folgen voll null bis Totalschaden - doch noch regiert Hoffnung quer durch die Branchen.

Der Winter ist früh dran. Schon im November versperren meterhohe Schneewehen die Straßen. Züge haben Stunden Verspätung. Nur mit Mühe schaffen es die Menschen zur Arbeit.

Und dann passiert es: kein Strom - eine Stunde, einen Tag, fünf Tage lang. Unaufhaltsam bricht weg, was nur mit Elektrizität funktioniert. Fernseher bleiben dunkel, Telefone und Handys still, Garagen mit elektrischem Tor verschlossen. An Tankstellen bilden sich Menschenschlangen, weil der Treibstoff von Hand abgepumpt werden muss. Im 20.000-Einwohner-Städtchen Ochtrup schleppen sich Frierende in ein Krankenhaus, in dem das Notstromaggregat glücklicherweise angesprungen ist. Bundeswehr und Technisches Hilfswerk (THW) übernehmen, wo erforderlich, die Nahrungsversorgung.

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Je länger der Strom wegbleibt, desto größer werden die wirtschaftlichen Einbußen. Beim Lkw-Anhänger-Bauer Schmitz Cargobull im benachbarten Altenberge steht die Produktion still, am Ende werden dem Unternehmen sechs Millionen Euro Einnahmen fehlen. 25 von 63 Textil-, Kunststoff- und Maschinenherstellern der Region werden einen Ausfall von insgesamt 50 Millionen Euro beklagen. Als die Lichter wieder angehen, werden eine Viertelmillion Menschen bis zu fünf Tage lang gedarbt haben und sich die Schäden auf mehr als 100 Millionen Euro belaufen.

Was sich im Münsterland nördlich des Ruhrgebiets im Jahr 2005 ereignete, gilt bis heute als größter Stromausfall in der Bundesrepublik. Schwere Eiskrusten hatten nach tagelangen Minustemperaturen und Schneefällen Strommasten des Essener Energiekonzerns RWE, offenbar aus minderwertigem Stahl, zum Einsturz und dadurch die Stromversorgung in einem ganzen Landstrich zum Erliegen gebracht.

Glaubt man skeptischen Strommanagern und Industrievertretern, könnte sich das Trauma unter ungünstigsten Umständen noch in diesem Jahr wiederholen. Denn das von der Bundesregierung verfügte Abschalten der acht Atomkraftwerke (AKW) reißt eine Lücke vor allem in die Grundversorgung mit Strom, die es hierzulande bisher noch nicht gab.

Umgestürzte Strommasten bei Quelle: dpa/dpaweb

Umgestürzte Strommasten bei Ochtrup

Bild: dpa/dpaweb

Werner Marnette, Ex-Chef des heutigen Kupferherstellers Aurubis in Hamburg, sieht den „Nachweis nicht erbracht“, dass es im Laufe des stufenweisen Ausstiegs aus der Kernenergie „nicht zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Netzstabilität“ kommen könne. Fritz Vahrenholt, bei RWE verantwortlich für das Geschäft mit erneuerbaren Energien, warnte schon vor Wochen vor einem Teil-Blackout im hoch industrialisierten Südwesten Deutschlands. Für den Präsidenten der Bundesnetzagentur in Bonn, Matthias Kurth, haben solche Ängste „durchaus einen berechtigten Hintergrund“. „Wir betreiben zurzeit Mangelverwaltung im Netz“, beschreibt Deutschlands oberster Strommarktregulierer die Lage.

Die Chefs der vier großen Betreiber der deutschen Überlandnetze – Amprion, Tennet, 50 Hertz Transmission und die EnBW-Netzgesellschaft – fürchten, dass drei Extremwetterlagen die Stromversorgung erschüttern könnten: entweder ein heißer Sommer mit zu wenig Wasser in den Flüssen, sodass die verbliebenen Atomkraftwerke nicht ausreichend gekühlt werden können, um unter Volllast zu laufen. Oder ein stürmischer Herbst, der zu viel Windstrom in die Netze drückt; das könnte die Spannung aufgrund der verringerten Grundversorgung allzu großen Schwankungen aussetzen mit der Gefahr des Zusammenbruchs. Oder aber im Winter stellt sich Eiseskälte mit wenig Wind ein, sodass die Windmühlen stillstehen, während gleichzeitig der Strombedarf steigt.

Öfter riskante Situationen

Wie labil das deutsche Stromnetz inzwischen ist, merkte im April und Mai Tennet-Manager Lex Hartmann. In dieser Zeit hätten seine Mitarbeiter 800-mal steuernd in die Stromversorgung eingreifen müssen gegenüber sonst nur ein- bis zweimal. Hartmanns Schlussfolgerung: „Wir kommen immer öfter in riskante Situationen.“

Ein Mittel gegen den Blackout ist der gezielte Blackout. Wenn irgendwo das Netz wackelt und das Licht flackert, müssen die Betreiber Verbraucher vom Netz nehmen oder einzelne Gebiete abklemmen, um den Zusammenbruch des Netzes in größeren Regionen zu verhindern. „Wenn in einer Gegend Otto Normalverbraucher mal eine Stunde im Dunklen sitzt, ist das weniger schlimm, als wenn ein Unternehmen keinen Strom hat und daraus vielleicht Gefahren für die Maschinen oder die Umwelt entstehen“, sagt ein Netz-Manager.

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