Energiewende: Was uns der Atomausstieg kostet

Energiewende: Was uns der Atomausstieg kostet

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E.On, RWE und Co. wollen den Steuerzahler an den Kosten des AKW-Rückbaus beteiligen, Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel lehnt dies bislang ab.

von Angela Hennersdorf, Christian Schlesiger, Christof Schürmann und Konrad Fischer

Die Steuerzahler werden die Kosten des Atomausstiegs mittragen, weil die Rücklagen der Stromkonzerne dafür nicht reichen werden. Offen ist nur, in welcher Höhe. Der Streit darüber geht in die heiße Phase.

Einen schlimmeren Vorwurf an einen Arbeiterführer gibt es kaum. Zum „Handlanger der Konzernbosse“ mache sich Michael Vassiliadis, geißelte Ende vergangener Woche die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, den Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE).

Vassiliadis hatte sich in den Streit zwischen den Energieriesen und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingemischt, wer für den Abriss der Meiler und die Endlagerung des hoch radioaktiven Mülls künftig aufkommt. Der Sozialdemokrat will mit einem neuen Gesetz die vier Energiekonzerne E.On, RWE, EnBW und Vattenfall dafür unbegrenzt haften lassen. Dazu lässt er in einem Stresstest den Wert der Atom-Rückstellungen prüfen

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Deutsche Energieversorger im Vergleich

  • E.On

    Umsatz im Jahr 2013: 36,8 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.518 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 704 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 11 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • RWE

    Umsatz im Jahr 2013: 28,1 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 28.257 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 271 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 6 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • EnBW

    Umsatz im Jahr 2013:20,5 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 13.802 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 128 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 13 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • Vattenfall

    Umsatz im Jahr 2013: 15,3 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.352 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 86 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 23 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

Dagegen macht Vassiliadis massiv Front. Als „ebenso oberflächlich wie aggressiv“ kritisierte er Gabriels Ansinnen. „Wenn der Bundeswirtschaftsminister betont, Eltern haften für ihre Kinder, dann sage ich: Ja, beide Eltern der Atomkraft haften gemeinsam, die Mutterkonzerne und Vater Staat.“

Mit der Attacke gegen seinen Parteifreund outet sich Vassiliadis weniger als Arbeiterverräter denn als Realist. Denn je näher die Abschaltung des letzten Atomkraftwerks (AKW) in Deutschland im Jahr 2022 rückt, desto mehr zeichnet sich ab: Für den Atomausstieg wird der Steuerzahler zur Kasse gebeten werden – offen ist nur, wie hoch die Summe ausfällt.

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Das drohende teure Finale für den Steuerzahler resultiert aus einem jahrzehntelangen Zusammenwirken der Energiekonzerne und des Staates zum gegenseitigen Nutzen: Erst ermöglichte der Gesetzgeber den Unternehmen, mit laxen Haftungsvorschriften und ohne sich um die Endlagerung des hoch radioaktiven Mülls kümmern zu müssen, Milliardengewinne einzufahren und sich zu Giganten mit Tausenden von Jobs aufzuplustern.

Doch dann havarierte 2011 das Atomkraftwerk im japanischen Fukushima. Und die gleiche schwarz-gelbe Bundesregierung, die den Atommeilern noch im Oktober 2010 die Laufzeit verlängert hatte, verordnete plötzlich neun Monate später die Abschaltung der Atommeiler 2022. Dazu flutete sie den Strommarkt mit grüner Elektrizität. So machte der Staat viele konventionelle Kraftwerke unwirtschaftlich und beraubte die Konzerne großer Teile ihrer Finanzkraft.

Aller Augen haben sich heute auf die Energieversorger konzentriert. Die RWE-Aktie schoss nach oben nach Hinweisen auf die andauernden Gespräche mit einem arabischen Investor. Der Dax vor der Leitzinsentscheidung der US-Notenbank nur mäßig bewegt.

Die Börse spielt die Pleite durch

Die Frage ist deshalb nun: Sollen die Riesen an der Atomkraft und ihren Folgen zugrunde gehen – und mit ihnen die wirtschaftlichen Existenzen Tausender Beschäftigter, womöglich die ganzer Regionen? Und welche Rolle spielt dabei künftig die Politik?

Unbestreitbar ist: Die Stromkonzerne stehen mit dem Rücken zur Wand, die Börse spielt faktisch ihre Pleite durch. Die RWE- und die E.On-Aktie verloren seit dem Ausstiegsbeschluss der Bundesregierung 2011 rund 70 Prozent ihres Wertes. Tendenz zuletzt: weiter nach unten. Ganz schlimm kam es jüngst, als E.On-Chef Johannes Teyssen vor knapp drei Wochen verkündete, die Atomkraftwerke doch nicht in ein neu gegründetes Unternehmen namens Uniper auszugliedern. Kaum war die Nachricht in der Welt, dass die Haftung für die Atommeiler dadurch bei E.On bleibt, brach der Kurs des Düsseldorfer Konzerns auf acht Euro ein, ein Fünfjahrestief. Die Ratingagentur Moody’s senkte den Ausblick für E.On auf „negativ“. An der Börse ging die Angst um, der Abschied vom Atom kostet E.On – und damit auch RWE – mehr, als dafür zurückgestellt wurde.

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