Engpässe: Kampf gegen den Blackout

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Engpässe: Kampf gegen den Blackout

von Jürgen Flauger

Der Atomausstieg, die anhaltende Kältewelle und Gas-Lieferschwierigkeiten bringen die deutschen Stromnetze an die Belastungsgrenze: Seit heute beugen die vier Netzbetreiber drohenden Stromausfällen mit Notmaßnahmen vor.

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Die Netzbetreiber wollen mit Kräften einen Blackout in Süddeutschland vermeiden.

EssenEs ist eine Maßnahme, die zeigt, wie angespannt die Situation im deutschen Stromnetz ist: In den Abendstunden werden die vier Hochspannungs-Netzbetreiber heute in Deutschland eigentlich still gelegte Kraftwerke ans Netz nehmen. Zum zweiten Mal in diesem Winter nutzen sie die Notreserve, die im Sommer nach den Beschlüssen zur Energiewende eingerichtet worden war. Dies hätten die vier Unternehmen bereits am Dienstagabend gemeinsam vereinbart, bestätigte eine Sprecherin von Tennet auf Anfrage des Handelsblatts. Die Firma betreibt das Stromnetz im Nordwesten Deutschlands.

Die Sprecherin bezeichnete den Schritt als „Vorbeugemaßnahme“. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher der Bundesnetzagentur.

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Seit der Energiewende sind acht Kernkraftwerke vom Netz und damit ist die bislang recht üppige Reservekapazität gesunken, mit der sich die vier Netzbetreiber Tennet, 50 Hertz, Amprion und EnBW absichern, um bei plötzlichen Kraftwerksausfällen das Netz zu stabilisieren oder einzugreifen, wenn die inzwischen zahlreichen Wind- und Solaranlagen abhängig vom Wetter keinen Strom liefern. Schließlich ist die Situation besonders in Süddeutschland angespannt, weil dort gleich fünf Kernkraftwerke vom Netz mussten und große Stromverbraucher sitzen.

Um trotzdem einen Puffer zu schaffen, hatte die Bundesnetzagentur im Rhein-Main-Neckar-Gebiet vier alte, eigentlich unrentable Kraftwerksblöcke als so genannte Kaltreserve mit einer Leistung von etwa 1000 Megawatt bestimmt und auch im benachbarten Österreich Reserven in ähnlichem Umfang organisiert. Die gesamte Leistung der Kaltreserve enstpricht damit in etwa der eines sehr großen Kohlekraftwerks. Auf die Reserven in Österreich griffen die Netzbetreiber schon einmal Anfang Dezember zurück, auf die deutschen bislang noch nicht.

Die Atom-Kehrtwende und der Weg zum Ausstieg

  • 12. März 2011

    Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigt Sicherheitschecks für die 17 deutschen AKW an.

  • 14. März

    Merkel will die längeren Laufzeiten für die deutschen AKW für drei Monate aussetzen.

  • 15. März

    Nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomstandorten kündigt Merkel plötzlich an, dass die sieben vor 1980 gebauten AKW bis zum 15. Juni abgeschaltet werden.

  • 22. März

    Die Regierung beauftragt mit der Klärung technischer Fragen die Reaktorsicherheitskommission (RSK). Eine Kommission unter Führung des früheren Umweltministers Klaus Töpfer und des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner, soll klären, welches Risiko für die Gesellschaft ethisch vertretbar ist.

  • 31. März

    Die RSK stellt ein umfangreiches AKW-Prüfprogramm vor.

  • 1. April

    RWE reicht beim Verwaltungsgerichtshof Kassel Klage gegen die vorübergehende Abschaltung des AKW Biblis A in Hessen ein.

  • 8. April

    RWE, Eon, Vattenfall und EnBW kündigen an, dass sie die Millionen-Zahlungen in den Fonds zum Ausbau der erneuerbaren Energien einstellen, da diese an die Laufzeitverlängerung gekoppelt seien.

  • 15. April

    Gespräch von Merkel mit allen Ministerpräsidenten zur Energiewende. Unklar ist, wie die Milliardenkosten zu stemmen sind.

  • 9. Mai

    Merkel einigt sich mit der Opposition auf einen Fahrplan, das Parlament bekommt mehr Zeit für die Beratungen, der Bundesrat soll erst im Juli entscheiden.

  • 10. Mai

    Die Ethikkommission schlägt in einem Entwurf für den Abschlussbericht einen Atomausstieg bis spätestens 2021 vor.

  • 15. Mai

    Nach der CDU nennt auch die FDP in einem Energiekonzept kein festes Ausstiegsdatum, sondern will es abhängig machen von der Entwicklung bei den erneuerbaren Energien. Die CSU ist für 2020.

  • 17. Mai

    Abschlussbericht der Reaktorsicherheitskommission.

  • 28. Mai

    Abschlussbericht der Ethik-Kommission.

  • 30. Mai

    Übergabe an die Regierung.

  • Bis Juni

    Abhängig von möglichen AKW-Stilllegungen soll es eine Anpassung des Atomvertrags mit den Energieunternehmen geben, der die Höhe der Atomsteuer und der Zahlungen in den Ökofonds regelt.

  • 6. Juni

    Das Kabinett will die Gesetze zum Atomausstieg und zur beschleunigten Energiewende beschließen.

  • 15. Juni

    Ende des Atommoratoriums. Auch wenn der Ausstieg bis dahin nicht von Bundestag und Bundesrat beschlossen sein wird, wollen die AKW-Betreiber die stillgelegten AKW nicht wieder hochfahren.

  • 30. Juni

    Beschluss des Bundestags.

  • 8. Juli

    Der Bundesrat entscheidet über das Gesetzespaket.

Zuletzt hat sich die Situation auf dem Strommarkt deutlich verschärft. Zum einen ist der Verbrauch durch die Eiseskälte deutlich gestiegen. Speziell in Frankreich ist der Stromverbrauch hoch, weil dort viel mit Strom geheizt wird. Deshalb fällt das Land als Exporteur weitgehend aus und muss zeitweise sogar aus Deutschland importieren. Zum anderen wirken sich die Lieferengpässe des russischen Produzenten Gazprom inzwischen doch in Deutschland aus. In Süddeutschland, wo über Österreich in den vergangenen Tagen zeitweise 30 Prozent weniger Gas ankam, wurden inzwischen einige Gaskraftwerke gedrosselt, wie die Tennet-Sprecherin bestätigte.

Energiepolitik

    In Deutschland gebe es zwar genügend Gas in den Speichern, erläuterte ein Vertreter einer großen Gasgesellschaft. Die lägen aber in Norddeutschland – und bis das Gas nach Süddeutschland transportiert sei, vergingen ein paar Tage. Die Situation sei aber im Griff. Stefan Vogg, Vorstandsmitglied bei Eon Ruhrgas hatte erst gestern gesagt, dass sein Unternehmen allen Lieferverpflichtungen nachkommen. Einige Gaskraftwerke haben aber Verträge, die ihren Lieferanten gestatten, sie nachrangig zu bedienen.

    Weil für die Abendstunden auch wenig Windstrom prognostiziert worden sei, habe man sich für die Vorbeugemaßnahme entschieden, sagte die Tennet-Sprecherin. Ob auch in den nächsten Tagen auf die Notreserve zurück gegriffen werde, würden die vier Netzbetreiber in Absprache entscheiden.

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