Erneuerbare Energie: Deutsche Solarindustrie zieht es nach Asien

Erneuerbare Energie: Deutsche Solarindustrie zieht es nach Asien

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Solaranlage in China

von Mario Brück und Dieter Dürand

Die Kürzung bei der staatlichen Förderung sorgt dafür, dass nach den Modulherstellern nun auch die Anlagenbauer unter Druck geraten - und Produktion nach Asien verlagern müssen.

Der Schock sitzt tief bei der deutschen Solarindustrie. Gerade hatte sie sich damit abgefunden, dass die gesetzlich festgelegte Vergütung des Sonnenstroms künftig um jährlich bis zu 24 Prozent sinken kann, da legt die Bundesregierung schon wieder nach: Installiert die Branche wie 2010 wiederum fast 7500 Megawatt auf deutschen Dächern, droht im Folgejahr jetzt sogar eine Kürzung um mehr als 30 Prozent. So steht es im Ende vergangener Woche bekannt gewordenen Entwurf zur Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das die von jedem Stromverbraucher zu zahlende Umlage regelt.

Die schwarz-gelbe Koalition will mit der Verschärfung den Zubau an Fotovoltaik auf jährlich 3500 Megawatt begrenzen. Je mehr dieser Zielkorridor überschritten wird, umso rascher sinkt künftig die Förderung, so der Grundgedanke.

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Was die Stromkunden entlasten soll, ist für die Sonnenlobbyisten der Horror. Die rigiden Einschnitte gefährdeten den Erfolg der Energiewende, warnt Carsten König, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Und Berlin riskiere mit der Kürzung „Tausende von Arbeitsplätzen“.

Der erste Teil der Drohung ist pure Propaganda. Einem aktuellen Gutachten des Sachverständigenrats für Umweltfragen zufolge ist Solarstrom, weil zu teuer und unergiebig, für eine grüne Elektrizitätsversorgung Deutschlands weitgehend entbehrlich. Obwohl 2010 mit 18,5 Milliarden Euro rund zwei Drittel aller Investitionen in Grünstrom-Anlagen in die Fotovoltaik flossen, steuerte die direkte Umwandlung von Licht in Elektrizität lächerliche zwölf Prozent zur Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen bei. Wind und Biomasse brachten zu einem Bruchteil der Kosten ein Mehrfaches.

Umso ernster ist der zweite Teil der Drohung – der Verlust von Arbeitsplätzen in der deutschen Solarbranche. Ausgerechnet zur Eröffnung der weltgrößten Fotovoltaik-Messe Intersolar am 8. Juni in München stürzt die absehbare Beschränkung der Solarstromförderung die Solar-industrie noch tiefer in die Krise. Kämpfen einstige Gewinnmaschinen wie Q-Cells, Solon und Conergy wegen preiswerterer Zellen- und Modulhersteller vor allem aus China schon länger ums Leben, zeichnet sich nun ein Exodus bei der letzte Stütze der Branche ab – den Anlagenbauern.

Die Ursache liegt in der wachsenden Konkurrenz aus Niedriglohnländern sowie in der größeren Nähe zu den dortigen Solarzellen- und Modulproduzenten, die künftig noch mehr als bisher das große Geschäft machen werden.

Aus diesem Grund zieht nun zum Beispiel Manz Automation in Reutlingen bei Stuttgart mit seinen 1750 Mitarbeitern und 170 Millionen Euro Umsatz die Konsequenz. Der Zulieferer für Anlagen zur Herstellung kristalliner Solarzellen und Dünnschichtmodulen legte im Februar den Grundstein für ein neues Werk in Suzhou, einer Sechs-Millionen-Einwohnerstadt im Osten der Volksrepublik, für zunächst etwa 700 Mitarbeiter. China sei bereits heute ein enorm wichtiger Markt, der in der Zukunft weiter an Bedeutung gewinne, sagt Firmenchef Dieter Manz.

Exodus nach Fernost

Auch Roth & Rau aus Hohenstein bei Chemnitz zieht es nach Fernost. Die Sachsen übernehmen in der Zehn-Millionen-Einwohnerstadt Shenzen im Süden Chinas ein Werk der Possehl-Gruppe aus Lübeck. Possehl produzierte dort Präzisionsmaschinen für die Halbleiterindustrie. Roth & Rau will am gleichen Standort vor allem Ersatzteile für seine Maschinen produzieren, die asiatische Solarunternehmen einsetzen. Ebenso in die Ferne zieht es Centrotherm in Blaubeuren oder Gebr. Schmid in Freudenstadt. Die Unternehmen gehören zu den zehn größten Herstellern von Produktionsanlagen für Solarpaneele weltweit und verlagern größere Teile ihres Geschäfts nach Asien. Centrotherm baut dort Vertrieb und Service aus.

Als derzeit gefährlichster Konkurrent, der in die Phalanx der deutschen Solarmaschinenbauer eindringt, gilt das japanische Unternehmen NPC. Die Fernöstlinge übernahmen im September vergangenen Jahres das deutsche Fotovoltaik-Unternehmen Meier Solar Solutions in Bocholt, das im Juli 2010 Insolvenz anmelden musste. Meier gehört zu den Marktführern sogenannter Laminatoren zur Verkapselung von Solarmodulen, um diese vor Feuchtigkeit zu schützen. Mit dem insolventen deutschen Anbieter unter ihrem Dach sind die Japaner klarer Weltmarktführer bei Laminatoren. Die Übernahme brachte ihnen sowohl Know-how als auch den Zugang zu neuen Märkten.

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