Erneuerbare Energie: Querelen bei Desertec

Erneuerbare Energie: Querelen bei Desertec

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Die Desertec-Foundation mit Sitz in Hamburg

von Andreas Wildhagen

Das hoffnungsvoll und visionsreich gestartete Wüstenprojekt ist dabei, sich in einen bizarren Kompetenzstreit zu verstricken

Eigentlich sollte es ein Sonnenschein-Großprojekt werden. In Deutschland gründete sich im Jahr 2009 eine Initiative, die Großes vorhat: Sie will hunderte von Solarkraftwerke in der nordafrikanischen Wüste bauen, in Ägypten, Tunesien, Algerien und Marokko. In der Wüste scheint die Sonne so stark, dass mit dieser Energie ein großer Teil des westeuropäischen Strombedarfs gedeckt werden kann. Vorausgesetzt, es gibt Kooperationsverträge mit diesen politisch unruhigen Ländern, es gibt Geld, Investoren – und vor allem viel Einmütigkeit der deutschen Initiatoren. Das ist die Desertec-Foundation in Hamburg und die Desertec- Industrieinitiative in München.

Am selben Strang

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400 bis 500 Milliarden Euro sollen in der Sahara investiert werden, wurde dem staunenden Publikum mitgeteilt. Die Schlagzeilen in deutschen Zeitungen überschlugen sich. Zweieinhalb Jahre nach diesem Visions-Startschuss haben sich die beiden fast gleichnamigen Initiatoren-Organisationen in einem schier undurchschaubaren Kompetenzwirrwarr verheddert – die Desertec-Foundation und die Desertec Industrieinitiative (Dii). Beide Institutionen wollten eigentlich an dem selben Strang ziehen, sie tragen den selben attraktiven Namen Desertec und haben im Prinzip dieselben Ziele, den Bau von Solarkraftwerken in der Nordsahara – und beide sind in Deutschland beheimatet   – die Desertec Foundation in Hamburg ist eine Vereinigung von Stiftern, die sich die Förderung des Solarprojektes auf die Fahnen geschrieben haben – die Desertec-Industrieintiative war quasi als Instrument der Foundation gedacht, die Projekte umzusetzen. Deren Geschäftsführer, der Niederländer Paul van Son, sitzt ständig im Flugzeug, um diese Nordafrika-Länder für die Idee der Sonnenkraftwerke zu erwärmen. Er versucht, in Nordafrika Partner in Politik und Wirtschaft zu gewinnen, um das Desertec-Wüstenstrom-Projekt umzusetzen.

Über 50 Unternehmen haben sich in der Münchner Initiative zusammengefunden, um die Kraftwerke und die dazu nötigen Leitungen zu errichten. Doch nun scheint sich zwischen den Stiftern in Hamburg und der Umsetzungsinitiative ein Graben aufzutun. Wer Dii und Desertec-Foundation in einem Atemzug erwähnt, benehme sich so, als ob er scharfe Konkurrenten und Gegner  in einen Topf wirft. Die Desertec-Foundation möchte mit ihren Projekt nicht mit der Desertec-Industrieintiative in einen Topf gepackt werden und greift mittels ihres Sprechers zu einem überdeutlichen Bild: „Nur weil Bayern München und Werder Bremen Fußball spielen, können Sie bei einem Bericht über ein Fußballspiel nicht einfach die Clubnamen vertauschen.“ Deutlicher kann man es nicht sagen.

Auch habe die Münchner Rück bei der Dii in München keine herausragende Initiatorenrolle, heißt es bei der Foundation in Hamburg. Dabei hatte die Munich Re, wie sie jetzt heißt,  im vergangenen Jahr angekündigt, dass das erste Wüstenstrom-Projekt als Pilotprojekt 2012 mit dem Bau beginnen soll – und zwar in Marokko. Nun tut sich der Riss bei einer Investition in Tunesien auf: Vorige Woche wurde bekannt, dass Desertec Foundation und Dii nun getrennte Wege gehen. Das erste große Sonnenkraftwerk im Rahmen des Wüstenstromprojektes Desertec wird in Tunesien errichtet und eben nicht in Marokko. An diesem Kraftwerk wird die Dii nicht beteiligt sein.

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