Erneuerbare Energien: Kosten für Solarförderung erreichen Rekordhoch

Erneuerbare Energien: Kosten für Solarförderung erreichen Rekordhoch

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ARCHIV - Entlang der Bundesstraße 31, zwischen Freiburg und Kirchzarten, steht auf der östlichen Lärmschutzgalerie ein Fotovoltaikkraftwerk mit einer Fläche von 2 230 Quadratmeter (Archivbild vom 22.05.2006). Die Solaranlage auf der Lärmschutzgalerie ist die jüngste in Freiburg realisierte Solar-Großanlage. Freiburg ist weiter Meister in der Solarbundesliga der Großstädte, teilten am Donnerstag (22.06.2006) die Veranstalter des Wettbewerbs, die Fachredaktion Solarthemen und die Deutsche Umwelthilfe mit. Foto: Rolf Haid dpa/lsw (c) dpa - Bildfunk

2009 war das Super-Solarjahr in Deutschland: insgesamt gingen neue Anlagen mit einer Leistung von mindestens 3800 Megawatt ans Netz. Das sind doppelt so viele wie 2008. 2010 dürften es noch viel mehr werden. Das wird teuer.

Offiziell macht sich die deutsche Solarbranche Sorgen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen will das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) früher als vorgesehen ändern und die Förderung für Sonnenstrom im Sommer um 16 Prozent senken. Für die Unternehmen ist klar: das werden nicht alle überleben. Einige, wie die einstigen Champions Conergy, Q-Cells und Solon befinden sich bereits in Schieflage.

Doch diese Weltuntergangsstimmung täuscht darüber hinweg, dass der Solarmarkt Deutschland boomt wie noch nie zuvor. Handwerker, die auf Montage von Solaranlagen spezialisiert sind, machen das Geschäft ihres Lebens, manchmal werden sogar Bauteile knapp, weil die Zulieferer mit der Produktion nicht nachkommen.

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Vor wenigen Tagen hat die Bundesnetzagentur den Boom in Zahlen gefasst – die 2009 neu installierte Leistung von Solaranlagen liegt bei 3800 Megawatt (MW). Somit hat sich die Zubaugeschwindigkeit im Vergleich zu 2008 verdoppelt. Das ist weitaus mehr, als das Umweltministerium (BMU) erwartet hat. Erst lag die Prognose bei 1300 MW, vor einem Monat noch bei 3000 MW. Dabei haben Experten, wie die Wirtschaftwoche berichtet hat, bereits im vergangenen Jahr gewarnt, dass der Zubau deutlich höher ausfallen werde.

Für die Stromkunden wird das richtig teuer. Denn die Netzbetreiber sind laut EEG verpflichtet, den Sonnenstrom zu einem Preis von derzeit maximal 39 Cent pro Kilowattstunde abzunehmen, obwohl sie auch Strom an der Strombörse in Leipzig für fünf bis sechs Cent bekommen könnten. Die Mehrkosten geben sie über die Stromrechnung an ihre Kunden weiter.

Nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI) müssen die Verbraucher für die zwischen 2000 und 2008 installierten Anlagen bereits 35 Milliarden berappen. Jetzt kommt es noch dicker: „Bei einem Zubau von 3.806 Megawatt im Jahr 2009 belaufen sich die Subventionen für die neu installierten Anlagen nun auf real rund 22 Milliarden Euro,“ schätzt Manuel Frondel, Energieexperte am RWI. Diese Summe müssen die Stromkunden bis 2029 aufbringen, denn das EEG garantiert die Förderung für 20 Jahre.

Förderung viel höher als Investitionen

Die Summe könnte sogar noch höher ausfallen, denn es kann durchaus sein, dass die Bundesnetzagentur nicht alle Anlagen erfasst hat. Die Stadtwerke waren mit dem Ansturm überlastet und haben vermutlich nicht alle Anträge bearbeiten können. „Daher sind die 22 Milliarden Euro lediglich als eine Untergrenze zu interpretieren,“ so Frondel.

Um vor der EEG-Änderung nicht eine weitere Kostendiskussion loszutreten, gibt es aus dem Hause von Umweltminister Röttgen erstmal keine Schätzungen zum Zubau 2010. „Eine verlässliche Prognose für den Zubau 2010 ist nicht möglich,“ heißt es beim BMU. Die Photovoltaikbranche selbst will sich ebenfalls nicht auf eine Zahl festnageln lassen und stößt ins gleiche Horn. "Eine Prognose über den weiteren Marktverlauf ist vor dem Hintergrund der EEG-Novelle nicht möglich und wäre unseriös," sagt Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft. Für Claudia Kemfert, Energieexpertin beim wirtschaftsnahen Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, liegt das an den Röttgens Kürzungsplänen: „Kunden und Unternehmen sind verunsichert.“

Manche trauen sich dann doch. Vergangene Woche verkündete Frank Asbeck, Chef der Bonner Solarworld, dass er mit einer Neuinstallation von 5000 MW rechne. Der Branchendienst Photon, der im vergangenen Jahr die treffendste Prognose abgegeben hat, geht noch weiter. „2010 könnten es 6000 bis 9000 MW werden,“ sagt Photon-Sprecher Bernd Schüßler. „Und auch 2011 wird der Zubau ein Vielfaches der von Minister Röttgen angepeilten 3500 MW betragen.“

Natürlich stehen den Fördermilliarden auch Investitionen gegenüber: Von der Baulust der Sonnenfreunde profitieren Produzenten, Zulieferer und Handwerker. Doch die Investitionen fallen deutlich geringer aus als die Subventionen. Für 2010 erwartet das Marktforschungsinstitut Prognos Ausgaben in Höhe von rund 4,5 Milliarden Euro für Solaranlagen - vorausgesetzt, es wird eine Leistung von weniger als 2000 MW installiert. Legt man die Prognose von Photon zu Grunde,  sind Investitionen von bis zu 20,25 Milliarden möglich. Die Kosten für die Stromkunden dürften aber mit bis zu 40 Milliarden deutlich höher ausfallen. Es bleibt also teuer.

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