Erneuerbare Energien: "Noch geht mehr als die Hälfte der Energie verloren"

Erneuerbare Energien: "Noch geht mehr als die Hälfte der Energie verloren"

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Frank Mastiaux

von Sebastian Matthes und Dieter Dürand

Der Chef von E.On Climate & Renewables, Frank Mastiaux, hält die Energiewende für die wichtigste Aufgabe des Jahrhunderts.

Herr Mastiaux, neben einer Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke hat die Bundesregierung ein Konzept für den Wandel hin zu einer grünen Energieversorgung vorgelegt. Rund 80 Prozent unseres Stroms sollen bis 2050 aus Wind, Sonne und Biogas hergestellt werden. Ist das realistisch?

Das ist grundsätzlich möglich. Aber das auf ein Jahr festzulegen ist schwierig. Schon allein, weil niemand voraussehen kann, wie schnell sich die Erneuerbaren entwickeln werden. Wenn Sie in den Siebzigerjahren jemandem erzählt hätten, dass ein Gerät wie der iPod 1000 Mal mehr Rechenleistung haben wird als der damals leistungsfähigste Rechner, wären Sie für verrückt erklärt worden.

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Damals glaubten aber auch viele Experten, dass sich Energiebedarf bald mithilfe von Kernfusion decken ließe.

Ein gutes Gegenbeispiel, das zeigt, wie falsch man liegen kann, wenn man technische Entwicklungen über einen langen Zeitraum vorhersagen will. Es reicht, festzustellen, dass der Wandel zu einer vollständig erneuerbaren Energieversorgung die Aufgabe dieses Jahrhunderts sein wird, so, wie die Industrialisierung die Aufgabe des 19. Jahrhunderts war.

Warum sind Sie sich so sicher? 

Weil wir keine andere Wahl haben. Die Bevölkerung wächst und damit die Nachfrage nach fossilen Energieträgern, die unweigerlich zur Neige gehen.

Technisch ist die grüne Energie-Vision also machbar? 

Davon kann man ausgehen. Die Technologien, die wir brauchen, gibt es schon, und sie verbessern sich ständig: Offshore-Windräder, Solarthermie und Biogasanalagen sind erprobt. Zugleich werden wir bis Mitte des Jahrhunderts wegen zunehmender Energie-effizienz weniger Strom verbrauchen.

Ist die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke nicht ein Eingeständnis, dass es die Erneuerbaren alleine nicht packen? 

Nein. Sie ist die pragmatische Entscheidung, emissionsarme und leistungsfähige Kraftwerke als Brücke für den Umbau des Energiesystems zu nutzen.

Trotz Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke stehen wir an einem Scheideweg: Braucht Deutschland weitere Kohle- und Gaskraftwerke, oder reicht der Ausbau grüner Energien für eine sichere Energieversorgung?

Wir brauchen auch künftig hocheffiziente neue Gaskraftwerke und CO2-freie Kohlekraftwerke, um Unsicherheiten auszugleichen, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht bläst.

Wie lässt sich der Anteil dieser Reserve-Kraftwerke reduzieren? 

Mit einer leistungsfähigen Netz-Infrastruktur, in der große Strommengen über lange Strecken transportiert werden können. Denn Windstrom wird vor allem in Norddeutschland produziert, während große Verbraucher wie Stahlproduzenten und Automobilhersteller im Westen und im Süden sitzen. Traditionelle Kraftwerke werden wir so lange brauchen, bis das Netz aufgerüstet ist und bis Speicher die Energieversorgung sicher machen.

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