Erneuerbare Energien : Platzt der Traum vom billigen Meeres-Strom?

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Erneuerbare Energien : Platzt der Traum vom billigen Meeres-Strom?

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Niedersachsens Ministerpraesident David McAllister auf einer Plattform des Offshore-Windparks "Bard Offshore 1" in der Nordsee.

von Dieter Dürand

Riesige Windparks in Nord- und Ostsee sollen das Rückgrat der Stromversorgung von morgen werden. Doch der Ausbau der Offshore-Technik stockt, und der Grünstrom ist teurer als gedacht. Platzt der Traum von den billigen Meeres-Kraftwerken?

Es ist ein Tag wie gemalt für die Offshore-Ingenieure. Unter blauem Himmel kräuselt sich sanft die Nordsee. Ideales Wetter, um 90 Kilometer nordwestlich von Borkum Fundamente in den Meeresboden zu rammen, auf denen sich einmal tonnenschwere Windräder drehen sollen. Hier, auf Deutschlands erstem kommerziellem Meeres-Windpark hat sich zudem hoher Besuch angekündigt: EU-Energiekommissar Günther Oettinger und Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister wollen medienwirksam das Meeres-Kraftwerk Bard Offshore 1 eröffnen.

Eigentlich produzieren die ersten acht der geplanten 80 Mühlen schon seit Dezember Strom. Aber egal: In den Tagen der hastig eingeläuteten Energiewende demonstrieren Politiker gerne Tatkraft. Seht her, wollen sie signalisieren, es geht voran! Schließlich soll sich die Stromversorgung Deutschlands schon in wenigen Jahren zu einem Gutteil auf Meeres-Windkraftwerke stützen.

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Geplante Ziele sind noch in weiter Ferne

Die halbstaatliche Deutsche Energie-Agentur (Dena) in Berlin kalkuliert mit 14 000 auf dem Meer produzierten Megawatt (MW) bis 2020. Die Bundesregierung plant sogar mit 25 000 MW bis 2030. Die installierte Meeres-Windstrom-Leistung überträfe dann die Leistung der 17 deutschen Atommeiler um rund 5000 Megawatt.

Auf dem Papier sind die Zahlen schnell addiert. Wie das Ziel jedoch in der Realität zu erreichen ist, kann heute kaum jemand beantworten. Sicher ist: Schreitet der Ausbau der Offshore-Anlagen im bisherigen Schneckentempo voran, werden sich 2030 in Nord- und Ostsee viel weniger Flügel drehen als geplant. Mit den beiden Testfeldern Alpha Ventus, dem vor wenigen Tagen von Kanzlerin Angela Merkel eröffneten Baltic Sea 1 sowie den acht Bard-Anlagen sind gerade einmal knapp 150 Megawatt am Netz – weit weniger, als die Rhetorik der Politik suggeriert.

Damit wackelt kaum noch übersehbar die wichtigste Säule der grünen Energiezukunft Deutschlands.

Eine Studie der Bremer Energieexperten von wind:research für die WirtschaftsWoche kommt sogar zu dem Ergebnis: Die Windstrom-Pläne der Regierung sind überhaupt nur dann einzuhalten, wenn Steuerzahler und Stromkunden noch tiefer in die Tasche greifen. Erst dann, so glauben die Experten, könne die Windenergie vom Meer tatsächlich die Atomkraft ersetzen und zu einer tragenden Säule der Stromerzeugung werden.

Die wind:research-Analysten haben Projektstand und Zeitpläne der mehr als 30 genehmigten deutschen Meeres-Windparks unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Bleibt es beim momentanen Ausbautempo, fehlen 2030 fast 10 000 Megawatt des eingeplanten Meeres-Windstroms, was etwa der Leistung von zehn großen Kohlekraftwerken entspricht. "Das würde eine große Lücke in die Projektionen der Bundesregierung für die Erneuerbaren reißen", sagt wind:research-Geschäftsführer Dirk Briese.

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