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Erneuerbare Energien: Unternehmer-Prominenz versenkt Millionen im Ökogeschäft

von Mario Brück und Günter Heismann

Einst erfolgreiche Unternehmer der Old Economy haben jahrzehntelang angehäuftes Vermögen in erneuerbare Energien gesteckt und dabei teilweise Hunderte von Millionen Euro verloren. Ein Streifzug auf den Spuren des politisch korrekten, aber brandgefährlichen Ökokapitalismus.

Kapitalist und Weltenretter - Wella-Erbe und Solarunternehmer Immo Ströher büßte mit Investitionen in die Solarwirtschaft einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche
Kapitalist und Weltenretter - Wella-Erbe und Solarunternehmer Immo Ströher büßte mit Investitionen in die Solarwirtschaft einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Der Kapitalist war von den Weltenrettern auf Anhieb begeistert. Mitte der Neunzigerjahre lernte Immo Ströher in Berlin-Kreuzberg ein paar Ingenieure kennen. Die wollten die ungeheure Energie der Sonne erschließen, um die Erdatmosphäre zu schützen. „Wuseltronik“ nannte sich die Truppe um Reiner Lemoine, die reich an Ideen, aber arm an Kapital war. Ströher – einst Mitinhaber des Darmstädter Kosmetikkonzerns Wella – half mit seinem Geld, Solon zu gründen, einen der ersten Hersteller von Solarmodulen in Deutschland.

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Hier ein Unternehmer, der sein Vermögen mehren wollte, dort das Wuseltronik-Kollektiv, das sozialistischen Ideen anhing – war diese Konstellation nicht von Anfang an auf Konflikt programmiert? „Ach, wir waren alle irgendwie links, grün und alternativ“, erinnert sich Ströher. „Und mit der Zeit wurden die Haare kürzer, die Bärte schärfer ausrasiert, und die Schlabber-Pullis wichen edlem Zwirn.“

Erneuerbare Energien Wer sich an Wind- und Solarkraft die Finger verbrannte

Schraubenkönig Reinhold Würth, BMW-Erbin Susanne Klatten, Schokoladenfabrikant Alfred Ritter - sie alle haben auf den Erfolg der neuen, grünen, Energiequellen gesetzt - und verloren.

Erneuerbare Energien: Wer sich an Wind- und Solarkraft die Finger verbrannte

Tatsächlich entwickelte sich Solon zeitweise zu einer der strahlendsten Erfolgsstorys der deutschen Solarwirtschaft. Im Herbst 2007 kletterte der Aktienkurs auf den Höchststand von 87 Euro. Kurz darauf erhielt Ströher ein Angebot, seinen Anteil von mehr als 50 Prozent zu verkaufen. Er lehnte ab. „Das war mein größter Fehler“, sagt er heute.

Hätte Ströher die Offerte angenommen, wäre er mit einem Gewinn in „dreistelliger Millionenhöhe“ aus dem Investment ausgestiegen. Stattdessen hat er alles verloren: Solon musste im Dezember 2011 Insolvenz anmelden. Ströher büßte einen „zweistelligen Millionenbetrag“ ein – genauer möchte er den Schaden nicht beziffern.

Milliardäre im Ökorausch

Mit dem teuren Fehlschlag steht Ströher nicht allein. In Scharen haben hierzulande branchenfremde Unternehmer, Erben und Milliardäre in Firmen investiert, die sich in der Fotovoltaik, Windkraft oder Bioenergie tummeln – und vor allem eines verheizen: Geld.

Sunways

Das Amtsgericht Konstanz hat am 7. Mai ein Insolvenzverfahren über die Solarfirma eröffnet. Antragstellerin ist die Baden-Württembergische Bank (BW-Bank). Laut Unternehmensangaben läuft das Verfahren über das Vermögen der Sunways AG sowie ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft, der Sunways Production GmbH. Der vorläufige Insolvenzverwalter Thorsten Schleich hat nun drei Monate Zeit, um über die Zukunft von Sunways zu entscheiden. Die BW-Bank zählt zu jenen Banken, die Sunways vor wenigen Wochen Kredite über insgesamt 6,6 Millionen Euro gekündigt hatten. Damals zeigte man sich in Konstanz noch zuversichtlich und wollte weiter verhandeln. Am Dienstagabend erklärte ein Sprecher, der Insolvenzantrag der BW-Bank habe das Unternehmen überrascht.

Das Sunways-Betriebsergebnis (Ebit) hatte Ende September bei minus 24,5 Millionen Euro (2011: minus 21,6 Mio Euro) gelegen. Nach der Kredit-Kündigung hatte Sunways die für Ende April geplante Veröffentlichung des Jahresabschlusses auf unbestimmte Zeit verschoben. Ende 2012 beschäftigte der Konzern 265 Mitarbeiter. Sunways-Hauptaktionär ist die chinesische LDK Solar. Ob sie für das Unternehmen einspringen werde, war zunächst unklar.

Bild: dpa

Die Liste derer, die ihre Einnahmen aus der Old in der Green Economy versenkten, liest sich wie das Who is Who der deutschen Wirtschaft. Die C&A-Dynastie Brenninkmeijer und der Sanitärriese Klaus Grohe gehören dazu. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, der Schokoladenfabrikant Alfred Ritter und die Pharmamilliardäre Andreas und Thomas Strüngmann (Hexal) ließen Vermögen CO2-frei verpuffen. Und auch Schraubenkönig Reinhold Würth ärgert sich heute grün, weil er viel Geld in eben diesen Energien verlor. Ebenfalls dabei waren Ruhr-Unternehmer Otto Happel und die beiden BMW-Großaktionäre Susanne Klatten und ihr Bruder Stefan Quandt.

Übersicht zu insolventen Unternehmen der Solar- und Windbranche (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)
Übersicht zu insolventen Unternehmen der Solar- und Windbranche (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Letzterer will sich einen Teil seiner Verluste nun zurückholen. Quandt war am Dresdner Fotovoltaikunternehmen Solarwatt mit 36 Prozent beteiligt, das vor zwei Monaten Insolvenz anmeldete. Nun will der Milliardär die Sanierung als Ankerinvestor begleiten und im Rahmen einer Kapitalerhöhung 94 Prozent erwerben.

Nicht nur Erben oder Ex-Inhaber haben Teile ihres Privatvermögens in grüne Investments gesteckt. Auch angestellte Top-Manager sind bei dem Spiel dabei. So investierte Dieter Ammer, früher Chef von Tchibo und Becks Bier, beim Ökostromanbieter Lichtblick und beim angeschlagenen Solarunternehmen Conergy.

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